Nun habe ich mich zum obigen Thema doch zu einer statischen Seite durchgerungen, nachdem der Blog meine Kategorisierung nicht angenommen hat. Jeder Beitrag taucht in allen drei Kategorien auf, was nun wirklich wenig sinnvoll ist. Da sich meine Überlegungen zu diesem Thema eh nicht ständig ändern, sondern höchstens erweitert werden, erscheint mir das angemessen. Bleibt nur zu hoffen, dass es auch gelesen wird. Als scharfe Kritikerin des heutigen Schulsystems werde ich meine Gründe detailliert erörtern. Meine Überlegungen rühren von jahrelanger Arbeit als Lehrerin, meinen Beobachtungen von und Erlebnissen mit Kindern und Jugendlichen her.

 

Schul- und Bildungssystem – Zeit für Veränderung

  • These:               Das System schadet unseren Kindern und deren Persönlichkeitsentwicklung

 

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  • Begründung:     Besonders an den weiterführenden Schulen werden vorwiegend Datenmengen auswendig gelernt, um den nächsten Test erfolgreich zu bewältigen. Es wird imitiert statt agiert und selbst entwickelt. Von früheren Schülern erfahre ich immer wieder, dass für Diskussionen von Sachverhalten, unterschiedlichen Perspektiven oder neuen Ideen keine Zeit ist. Wer dennoch kritische Ansätze einbringt, wird nicht selten negativ benotet, getadelt oder ignoriert. Freie Geister, die nach echtem Wissen streben, verlassen oft verzweifelt und zermürbt die Bildungsanstalten. Ich denke nicht, dass wir als Gesellschaft uns diese Verluste leisten können. Auch Referate oder echte Experimente werden vernachlässigt. Einen weiteren Fehler und unnötigen Druck sehe ich im Übergang nach der Vierten Klasse. Erstens brauchen viele Kinder mehr Zeit zur Orientierung und Entwicklung ihrer Begabungen und auch die Lehrer und Lehrerinnen wären bei längerem Verbleib der Schüler in der Grundschule besser in der Lage, Begabungen zu entdecken und entwickeln. In meiner Welt sollten Kinder das bekommen, was sie brauchen. Und damit meine ich keinen Konsum, sondern Ruhe zum Wachsen und Werden, Bewahren der Neugier, Freude am Lernen, echte Erfolge, die zu freiwilliger Anstrengung und Leistung motivieren.Eigentlich ist im Kind vor der Schulzeit das alles enthalten. Man braucht nur zu beobachten, wie kleine Kinder sich die Welt erschließen und jeden Tag Neues lernen. Auf dem Weg durch die Institution wird das viel zu oft zerstört. Übrig bleibt eine angepasste Masse, nicht fähig etwas oder gar sich selbst kritisch zu hinterfragen oder neue Ideen in die Welt zu bringen, die wir doch so dringend brauchen. 

 

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Natürlich braucht eine Systemveränderung Zeit, ist nicht kurzfristig zu erreichen. Es hat bisher auch nicht den Anschein, als wolle unsere Bildungspolitik sich mal ein Beispiel nehmen an nachgewiesen gelungenen Unterrichtsmethoden z. B. der skandinavischen Nachbarländer. Damit kann man sich ja kein Denkmal setzen. Also wäre es dringend nötig, zumindest die Bedingungen für Lernen und Unterrichten zu verbessern. Das Gegenteil jedoch ist der Fall.

Ich kenne ausreichend Lehrpersonen und Eltern, denen freie Entfaltung, eigenständiges Lernen, Entdecken und Begreifen sowie die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit wichtiger ist als das Anlegen von Gehirn-Datenbanken – immer mehr, immer schneller. Aber auch sie unterliegen dem ständig steigenden Druck durch erschwerte Arbeitsbedingungen, die in der Folge unglaublich viel Stress auch in die Familien tragen. Nicht von ungefähr treffen wir oft schon in der Grundschule auf immer mehr Kinder, die trotz guter Ansätze und Begabungen ständig Magenschmerzen und/oder Kopfweh haben. Ein Grund dafür ist auch das völlig übertriebene Konkurrenzverhalten. Dabei bliebe so viel mehr hängen, könnten die Kinder sich in Ruhe Inhalte selbst erschließen und das erworbene Wissen anwenden.

Mir stellt sich die Situation zurzeit folgendermaßen dar – meine jüngeren Kolleginnen mögen mich korrigieren, falls sie es anders sehen: Es ist ein Klima des Gegeneinanders entstanden, in dem Eltern den Lehrern misstrauen und Lehrer und Lehrerinnen den Eltern. Beide Seiten sehen sich vorrangig in einer Rechtfertigungsrolle. Die Klassen sind zu groß, das Pensum so kompakt, dass es kaum möglich ist, so lange an einem Thema zu bleiben, bis alle Schüler es im Grundsatz verstanden haben. Die Einführung der Inklusion, eigentlich ein wunderbares Modell, wurde als Schnellschuss eingeführt, ohne die Voraussetzungen für ein Gelingen zu schaffen. Nicht personell und auch nicht räumlich, wodurch es kaum möglich ist, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Dadurch steigen noch einmal Spannungen innerhalb der Klassen und der Druck auf alle Beteiligten. Dazu kommt noch die in manchen Bereichen unsinnige Dokumentationswut, welche viele Energien vernichtet, die eigentlich zum sinnvollen Unterrichten benötigt würden. Dennoch versuchen vor allem die Grundschulen, noch Raum zu schaffen für Lesenächte, Vorlesetage, Projektwochen, Museumsbesuche, ausreichend Wandertage und Ähnliches.

Die meisten Eltern müssen hart arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Viele haben sich von Ratgebern und anderen Medienberichten dermaßen verunsichern lassen, dass sie in der Angst leben, ohne beste Abiturnoten würde ihr Kind untergehen. So sind sie mit Beaufsichtigung von Hausaufgaben und üben im Übermaß zusätzlich gefordert und häufig auch überfordert. Für ein normales, entspanntes Familienleben ist kaum noch Raum, auch ganz normale Erziehung bleibt oft auf der Strecke.

Während Eltern sich beschweren, Aufgaben der Schule übernehmen zu müssen, sehen Lehrer sich genötigt, Erziehungsarbeit zu leisten. Es geschieht immer häufiger, dass Eltern sich Anwälte nehmen, um wegen Diskriminierung zu klagen oder bessere Noten für ihre Kinder zu erstreiten. Dadurch wird individuelles Unterrichten noch schwieriger und das Kollegium schließt sich zusammen, um sich rechtlich abzusichern und in jeder Weise synchron zu handeln. Das muss auch wieder dokumentiert werden und ist reiner Selbstschutz. Das sind schlechte Voraussetzungen für Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes. Ich sehe hier eine üble Fehlentwicklung, die so nicht nötig wäre. Denn schließlich wollen doch – jedenfalls in den meisten Fällen – beide Seiten ursprünglich das Gleiche: das Beste für das Kind. Oft erscheint es mir, als gäbe es in diesem System fast nur noch Verlierer.

Mehr Geld für Bildung sollte im Übrigen für mehr Lehrpersonal ausgegeben werden. Kleinere Klassen sind um ein Vielfaches wichtiger als ständig neue Lehrbücher, frisch gestrichene Wände, neue Möblierung usw.

Ich wünsche mir zu diesem Thema eine rege Diskussion darüber, welche Veränderungen die Leser vorschlagen und hoffe auf weitere Impulse und Sichtweisen.

 

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