Nun habe ich mich zum obigen Thema doch zu einer statischen Seite durchgerungen, nachdem der Blog meine Kategorisierung nicht angenommen hat. Jeder Beitrag taucht in allen drei Kategorien auf, was nun wirklich wenig sinnvoll ist. Da sich meine Überlegungen zu diesem Thema eh nicht ständig ändern, sondern höchstens erweitert werden, erscheint mir das angemessen. Bleibt nur zu hoffen, dass es auch gelesen wird. Als scharfe Kritikerin des heutigen Schulsystems werde ich meine Gründe detailliert erörtern. Meine Überlegungen rühren von jahrelanger Arbeit als Lehrerin, meinen Beobachtungen von und Erlebnissen mit Kindern und Jugendlichen her.

 

Schul- und Bildungssystem – Zeit für Veränderung

  • These:               Das System schadet unseren Kindern und deren Persönlichkeitsentwicklung

 

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  • Begründung:     Besonders an den weiterführenden Schulen werden vorwiegend Datenmengen auswendig gelernt, um den nächsten Test erfolgreich zu bewältigen. Es wird imitiert statt agiert und selbst entwickelt. Von früheren Schülern erfahre ich immer wieder, dass für Diskussionen von Sachverhalten, unterschiedlichen Perspektiven oder neuen Ideen keine Zeit ist. Wer dennoch kritische Ansätze einbringt, wird nicht selten negativ benotet, getadelt oder ignoriert. Freie Geister, die nach echtem Wissen streben, verlassen oft verzweifelt und zermürbt die Bildungsanstalten. Ich denke nicht, dass wir als Gesellschaft uns diese Verluste leisten können. Auch Referate oder echte Experimente werden vernachlässigt. Einen weiteren Fehler und unnötigen Druck sehe ich im Übergang nach der Vierten Klasse. Erstens brauchen viele Kinder mehr Zeit zur Orientierung und Entwicklung ihrer Begabungen und auch die Lehrer und Lehrerinnen wären bei längerem Verbleib der Schüler in der Grundschule besser in der Lage, Begabungen zu entdecken und entwickeln. In meiner Welt sollten Kinder das bekommen, was sie brauchen. Und damit meine ich keinen Konsum, sondern Ruhe zum Wachsen und Werden, Bewahren der Neugier, Freude am Lernen, echte Erfolge, die zu freiwilliger Anstrengung und Leistung motivieren.Eigentlich ist im Kind vor der Schulzeit das alles enthalten. Man braucht nur zu beobachten, wie kleine Kinder sich die Welt erschließen und jeden Tag Neues lernen. Auf dem Weg durch die Institution wird das viel zu oft zerstört. Übrig bleibt eine angepasste Masse, nicht fähig etwas oder gar sich selbst kritisch zu hinterfragen oder neue Ideen in die Welt zu bringen, die wir doch so dringend brauchen. 

 

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Natürlich braucht eine Systemveränderung Zeit, ist nicht kurzfristig zu erreichen. Es hat bisher auch nicht den Anschein, als wolle unsere Bildungspolitik sich mal ein Beispiel nehmen an nachgewiesen gelungenen Unterrichtsmethoden z. B. der skandinavischen Nachbarländer. Damit kann man sich ja kein Denkmal setzen. Also wäre es dringend nötig, zumindest die Bedingungen für Lernen und Unterrichten zu verbessern. Das Gegenteil jedoch ist der Fall.

Ich kenne ausreichend Lehrpersonen und Eltern, denen freie Entfaltung, eigenständiges Lernen, Entdecken und Begreifen sowie die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit wichtiger ist als das Anlegen von Gehirn-Datenbanken – immer mehr, immer schneller. Aber auch sie unterliegen dem ständig steigenden Druck durch erschwerte Arbeitsbedingungen, die in der Folge unglaublich viel Stress auch in die Familien tragen. Nicht von ungefähr treffen wir oft schon in der Grundschule auf immer mehr Kinder, die trotz guter Ansätze und Begabungen ständig Magenschmerzen und/oder Kopfweh haben. Ein Grund dafür ist auch das völlig übertriebene Konkurrenzverhalten. Dabei bliebe so viel mehr hängen, könnten die Kinder sich in Ruhe Inhalte selbst erschließen und das erworbene Wissen anwenden.

Mir stellt sich die Situation zurzeit folgendermaßen dar – meine jüngeren Kolleginnen mögen mich korrigieren, falls sie es anders sehen: Es ist ein Klima des Gegeneinanders entstanden, in dem Eltern den Lehrern misstrauen und Lehrer und Lehrerinnen den Eltern. Beide Seiten sehen sich vorrangig in einer Rechtfertigungsrolle. Die Klassen sind zu groß, das Pensum so kompakt, dass es kaum möglich ist, so lange an einem Thema zu bleiben, bis alle Schüler es im Grundsatz verstanden haben. Die Einführung der Inklusion, eigentlich ein wunderbares Modell, wurde als Schnellschuss eingeführt, ohne die Voraussetzungen für ein Gelingen zu schaffen. Nicht personell und auch nicht räumlich, wodurch es kaum möglich ist, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Dadurch steigen noch einmal Spannungen innerhalb der Klassen und der Druck auf alle Beteiligten. Dazu kommt noch die in manchen Bereichen unsinnige Dokumentationswut, welche viele Energien vernichtet, die eigentlich zum sinnvollen Unterrichten benötigt würden. Dennoch versuchen vor allem die Grundschulen, noch Raum zu schaffen für Lesenächte, Vorlesetage, Projektwochen, Museumsbesuche, ausreichend Wandertage und Ähnliches.

Die meisten Eltern müssen hart arbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Viele haben sich von Ratgebern und anderen Medienberichten dermaßen verunsichern lassen, dass sie in der Angst leben, ohne beste Abiturnoten würde ihr Kind untergehen. So sind sie mit Beaufsichtigung von Hausaufgaben und üben im Übermaß zusätzlich gefordert und häufig auch überfordert. Für ein normales, entspanntes Familienleben ist kaum noch Raum, auch ganz normale Erziehung bleibt oft auf der Strecke.

Während Eltern sich beschweren, Aufgaben der Schule übernehmen zu müssen, sehen Lehrer sich genötigt, Erziehungsarbeit zu leisten. Es geschieht immer häufiger, dass Eltern sich Anwälte nehmen, um wegen Diskriminierung zu klagen oder bessere Noten für ihre Kinder zu erstreiten. Dadurch wird individuelles Unterrichten noch schwieriger und das Kollegium schließt sich zusammen, um sich rechtlich abzusichern und in jeder Weise synchron zu handeln. Das muss auch wieder dokumentiert werden und ist reiner Selbstschutz. Das sind schlechte Voraussetzungen für Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes. Ich sehe hier eine üble Fehlentwicklung, die so nicht nötig wäre. Denn schließlich wollen doch – jedenfalls in den meisten Fällen – beide Seiten ursprünglich das Gleiche: das Beste für das Kind. Oft erscheint es mir, als gäbe es in diesem System fast nur noch Verlierer.

Mehr Geld für Bildung sollte im Übrigen für mehr Lehrpersonal ausgegeben werden. Kleinere Klassen sind um ein Vielfaches wichtiger als ständig neue Lehrbücher, frisch gestrichene Wände, neue Möblierung usw.

Ich wünsche mir zu diesem Thema eine rege Diskussion darüber, welche Veränderungen die Leser vorschlagen und hoffe auf weitere Impulse und Sichtweisen.

 

18 Gedanken zu “Überlegungen zum Thema Schule und Erziehung

  1. „Im Grunde ist das ganze Schulsystem für die Füße und schadet mehr, als es Nutzen bringt.“ Eigenartig ist, daß man solche Pauschalisierungen von Menschen hört, die erfolgreich ein total schlechtes Schulsystem überlebt haben, wobei die Pädagogik ja etwa alle 10-20 Jahre neu erfunden wird – meistens in Buchform, die sich so besser verkauft. Daß der Autor überhaupt schreiben kann, verdankt er diesem völlig versagenden System. Und über das Versagen der Schule sind sich alle beteiligten Gruppen einig, nur haben Eltern, Schüler, Lehrer, Ministerien und Politiker extrem unterschiedliche und gegensätzliche Vorstellungen darüber, wie Schule zu sein habe, zwischen denen die Lehrer dann zerrieben werden. Deine Vorstellungen beruhen anscheinend darauf, daß der Mensch eigentlich gut, lernbegierig und fleißig ist. Wenn das so wäre, könnte Pädagogik mit Leichtigkeit stattfinden. Tatsächlich sind weder Lehrer noch Schüler, schon gar nicht deren Eltern perfekt, noch deren Ideen – das kann ich aus langjähriger Erfahrung als Gymnasial-Lehrer bezeugen. Und Ideen wie einen Eltern-Führerschein halte ich für grotesk. Ich bin jedenfalls immer noch froh, daß ich diesem Irrenhaus Gymnasium schließlich entflohen bin, wo ich Kollegen erlebt habe, die wirklich psychisch zerbrochen sind, aber ich könnte kein Konzept vorlegen, wie man es besser macht.

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    1. Das ist keineswegs eine Pauschalisierung, beruht auch nicht auf irgendwelchen Vorstellungen, sondern auf ebenfalls langjähriger Erfahrung als Lehrerin und fünffache Mutter. Und ich arbeite noch immer in meinem Beruf und widersetze mich unsinnigen Vorgaben von Ministerien so weit es mir möglich ist. Wobei es mir egal ist, was in meiner Personalakte steht. Die Erfolge bei meinen Schülern sowie das Vertrauensverhältnis zwischen mir, den meisten Schülern und Eltern geben mir Recht.
      Ich selbst habe eine Schule besucht, in der nicht im Ansatz ein solcher Druck auf alle Beteiligten herrschte wie heute. Wir haben auch sechs Jahre gemeinsam gelernt, bevor der Übergang auf weiterführende Schulen kam. Zwei Jahre machen in diesen jungen Jahren viel aus. Bei meinem ältesten Sohn wurde auf dem Gymnasium auch noch Wert gelegt auf Persönlichkeitsentwicklung und Meinungsvielfalt, danach begann der Fokus sich auf auswendig lernen, nachbeten und nur nicht auffallen zu verengen. Zur Polarisierung der einzelnen Beteiligte, die in der Tat alle an ihre Grenzen bringen kann, habe ich auf einer anderen Seite Stellung bezogen.
      Einen Eltern-Führerschein halte ich ebenso für grotesk.
      Aber wenn in einem Schulsystem ein großer Teil der Schüler bereits in der Grundschule ständige Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und andere Beschwerden haben, wieder ins Bett machen, dann stimmt mit dem System etwas nicht. Das kann man nicht nur auf die oft zu hohen Erwartungen der Eltern schieben.
      Es muss auch niemand perfekt sein, aber es wäre doch vielleicht einmal sinnvoll, sich ein Beispiel an besseren Konzepten unserer nördlichen Nachbarn zu nehmen. In einem Lehrerseminar vor sechs Monaten wurden ausdrücklich betont, dass diese erfolgreicher sind, jedoch mit dem Nachsatz: „Aber wir machen es nicht so.“ Klugheit definiere ich anders.

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      1. Auch das stimmt nicht. Es ist immer irgendwo besser. Es dauert nur eine Weile, bis auch der Norden bröckelt, wo – abgesehen vom Suff – inzwischen weder das Sozialsystem noch die Ausländer-Politik als vorbildlich gelten. Du generalisierst persönliche Erlebnisse. Ich weiß nicht, wie Du zu diesen Bildern von Vorschule und Gymnasium kommst. Allein die zunehmende Perversion der Abi-Scherze weist auf Kräfte, die von außen eindringen, mit denen Lehrer heute allein schon deshalb nicht mehr fertigwerden können, weil man ihnen fast alle disziplinarischen Mittel genommen hat. Niemals zuvor waren deutsche Gymnasien so libertär bis zur Selbstauflösung, gab es soviel Wahlfreiheit und unbestrafte Schulschwänzerei. Ganz abgesehen von der reinen Qualität der Stoffvermittlung mit besten Büchern und anderen Medien. Es gab es früher auch nicht, daß sich Lehrer Sorgen darüber machen müssen, was eine zunehmend brutalere Generation in ihren Taschen hat (abgesehen von Walkman und Handy). Und wem die Alternativen abhanden kommen, der landet dann bei der okkulten Anthrosophie, wo sich Schüler den Stock selber schnitzen müssen, mit dem sie verprügelt werden, und mit Eurythmie bestraft werden (Echte Beispiele!). Im Kunstunterricht der gymnasialen Oberstufe, und nur für den kann ich sprechen, waren durchschnittlich 10% einer Gruppe wirklich engagiert, ganz egal, was und wie ich es machte. Der Unterricht, den ich an mir selbst erfahren habe, an einem Gymnasium das eindeutig schlechter in allen Bereichen war, hat mich immerhin zu dem gemacht, was ich bin. Deshalb halte ich den Ansatz der immer wieder auftauchenden generalisierenden Kritiker für grundsätzlich falsch und modisch, weil er von einem falschen Menschenbild ausgeht. Das Neuste hat gerade ein Herrn Wößmann herausgefunden:
        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bildungsoekonom-woessmann-hat-preis-gewonnen

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      2. Zu diesen „Bildern“ komme ich, genau wie du, durch persönliche Erfahrungen, Erzählungen und Erlebnisse meiner Kinder in der Oberstufe, Freundschaften mit Gymnasiallehrern, die ebenso wie ich zu anderen Schlüssen gekommen sind. Andere als meine eigenen Erfahrungen kann ich gar nicht bewerten. Darauf zu warten, dass „der Norden bröckelt“, nur um recht zu behalten, finde ich seltsam. Von Vorschule habe ich gar nicht gesprochen, sondern von Grundschule. Ob nun Herr Wößmann wirklich das Neueste herausgefunden hat – aus seiner Sicht der Dinge – lasse ich unkommentiert, bis ich es gelesen habe – vielleicht auch danach. Bis dahin erlaube ich mir, den Forschungen und Ansichten eines Herrn Hüther, eines Neurobiologen, mehr Zustimmung als einem Bildungsökonomen zu schenken. Im Übrigen finde ich die Behauptung, dass meine Sichtweise grundsätzlich falsch ist und sämtliche Kritik generalisierend sei sowie das Menschenbild falsch, also Beobachtungen und Schlüsse anders Denkender nichts taugen, anmaßend. In deiner Welt scheint alles Schlechte von außen zu kommen und mit dem Verhalten der Gymnasiallehrer so rein gar nichts zu tun zu haben. Ein wenig mehr selbstkritisches Hinterfragen des eigenen Anteils an den Verhältnissen wäre angebracht. Denn in einem System gibt es keinen Beteiligten, der ohne Auswirkung auf das Ganze handelt. Nur Jammern und Beschweren sowie Kritik abzuqualifizieren führt zu keiner Lösung.

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      3. Die Jammernde bist Du, und zwar in einer solch pauschalisierenden Weise über deutsches Arbeiter- und Schul-Elend, daß es mir aufgefallen ist. Ich neige eher dazu, meine persönlichen Erfahrungen mit Fakten abzugleichen. Wenn heutzutage Magenkrämpfe bei Schülern festgestellt werden, dann liegt das auch daran, daß man früher junge Menschen überhaupt erst ab 21 ernstgenommen hat. In Japan, wo noch autoritäre Verhältnisse herrschen, gibt es viel mehr solcher Schäden. Du hast anscheinend nicht die Schüler kennengelernt, die viel zu müde für Schule sind, weil sie ein sehr anstrengendes Nachtleben führen, auch eigentlich keine Zeit zum Lernen haben, weil sie einen Job ausüben müssen, um ihren aufwendigen Lebenstil finanzieren zu können. Ich kann nicht sagen, wie sich das prozentual verhält, aber es war in den 90ern ein deutlicher Trend. 25% Abwesenheit vom Unterricht galt als noch tolerabel. Ich kann mir gut vorstellen, daß irgendwann ein Buch erscheint, in dem das weitere Absinken des Bildungsstandes (wobei das ja wieder eine Diskussion für sich wäre) damit verhindert werden soll, daß wieder mehr Disziplin und Lustverzicht, und eine höhere Frustrations-Toleranz gefordert wird. Wieder kuschen statt kuscheln! Dann könnten sich Lehrer, die sich heute mit dem Kampf um Ruhe im Raum verschleißen, vielleicht wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. Ich weiß nicht, ob die Kuschelecke in der Grundschule ein Erfolg ist, aber sie ist ein Phänomen der Produktion von Weicheiern. Menschen mit wenig Disziplin und geringer Frustrationstoleranz, die man ja eigentlich für das wirkliche Leben benötigt, müssen sich überall wohlfühlen. Das ist aber nicht die Aufgabe von Ausbildungs-Institutionen. Übrigens ist es denkbar, daß asiatische Länder, wo man das noch so sieht, D bald überflügeln. Dort wären auch Millionen gerne bereit, ihre Existenz mit der eines „geknechteten“ deutschen Arbeiters zu tauschen.

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      4. Nein du – nein du – aber doch. Das ist doch kindisch. Nebenbei habe ich zu keinem Zeitpunkt mich beklagt über das schwere Leben eines Lehrers. Und erneut wird alles pauschal genannt, was ich jeden Tag im aktiven Dienst erlebe, Erinnerungen aus den 90ern gegenüber gestellt und wild interpretiert. Meine Kollegen und ich müssen selten um Ruhe kämpfen und es gibt auch keine Kuscheltradition. Das ist überhaupt nicht meine Richtung. Da Oberstufenschüler nicht mehr der Schulpflicht unterliegen und bei fehlender Leistung sitzenbleiben, müssen sie beim zweiten Mal die Schule verlassen.
        Und 4,4 Millionen deutsche Lohnempfänger müssen zu ihrem Arbeitslohn mit Hartz IV aufstocken – über die Hälfte davon Fachkräfte -, davon 1 Million Leiharbeiter und unzählige befristete Arbeitsverträge. Für mich ist das skandalös.
        Jedenfalls macht dieser „Austausch“, eher Schlagabtausch, für mich keinen Sinn, weil er keine neuen Aspekte bringt. Das ist bedauerlich, weil wir im Grunde wohl das Gleiche anstreben. Nämlich motivierte Schüler mit einem hohen Maß an Selbstdisziplin und Leistungsbereitschaft, die auch in der Lage sind, Niederlagen wegzustecken, eben keine Weicheier. Nur dass ich der Überzeugung bin, dass das eher durch Einsicht und Stärkung des inneren Antriebs/der Eigenverantwortung mit allen Konsequenzen zu erreichen ist und nicht durch massiven äußeren Druck oder kuschen müssen. Bei meinen eigenen Kindern hat es funktioniert. Sie können auch 12 und mehr Stunden am Tag arbeiten, ohne frustriert zu sein oder zusammenzubrechen und trotzdem gut gelaunt zu sein. Das war`s von mir zu diesem Thema.

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  2. Ich kann gar nicht viel hinzufügen, ich stimme deiner Meinung komplett zu und bin froh, auf deinen Blog gestoßen zu sein. Ich habe gerade mein Abitur hinter mir und denke seit einiger Zeit sehr häufig über unser Schulsystem nach.
    Ich war an einer Waldorfschule, wo wir weitgehend ohne Druck gelernt haben, während wir in den letzten zwei Jahren aber natürlich auch auf das staatliche Abitur vorbereitet wurden, wodurch ich zumindest eine Ahnung vom herkömmlichen Schulsystem in Deutschland habe. Und ich muss sagen, dass ich in den letzten zwei Jahren, in denen es in erster Linie darum ging, sich sehr viel Wissen anzueignen und dieses zu reproduzieren, manchmal das Gefühl hatte, dass ich verlerne zu denken. In ruhigen Minuten saß ich einfach nur da und mein Kopf war leer. Normalerweise waren da sonst immer Gedanken.
    Ich finde, letztendlich sollten nicht nur Noten, sondern auch das Abitur abgeschafft werden, es sollte mehr in die Richtung gehen, dass die Schüler eine Grundbildung erhalten (ohne jedoch festzuschreiben, dass sie innerhalb einer bestimmten Zeit diese oder jene Kompetenzen entwickeln müssen, sondern indem man ihnen die Freiheit lässt sich individuell zu entwickeln) und sich dann immer weiter spezialisieren und somit dann auch eine Zulassung für ein weiterführendes Studium erhalten. Das Abitur zeigt kaum die wirklichen Fähigkeiten eines Schülers, viel mehr zeigt es, wie gut ein Schüler reproduzieren und mit Druck umgehen kann.
    Allerdings ist das nicht, wo die Änderung einsetzen sollte. Wichtige Punkte, an denen man starten kann, sind, wie du schon geschrieben hast, z.B. der Übergang nach der vierten Klasse, die Einführung von mehr Diskussionen und Experimenten und vor allem die Reduzierung des Leistungsdrucks. Lernen sollte Spaß machen und nicht mit der Angst vor dem Versagen und anderen negativen Emotionen verbunden werden.

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    1. Selbstbestimmtes Lernen ist so befriedigend und schafft ein so gesundes, starkes Selbstverständnis. Im Moment wird genau dieses beständig durch massive Einschränkungen beschädigt. Am meistens ärgert mich, was du ja auch beschrieben hast dass Denken und freie Verknüpfungen zu bilden zerstört werden.
      Ich glaube, dich könnte das E-Book „Vorbilder? Fehlanzeige !“ interessieren. Vielleicht liest du einmal die Leseprobe, die aber nur einen kleinen Ausschnitt zeigt. Falls du Interesse hast und das Ganze gerne lesen würdest – mich würde dein(e) Urteil/Kritik sehr interessieren – würde ich dir den Kaufpreis gerne erstatten.

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  3. Hallo Caroline,
    hab dich soeben noch bei Seppo getroffen mit der ostfriesischen Sprechweise.
    Nun will ich nur mitteilen, dass ich ein leidenschaftlicher Kritiker des deutschen Schul- und Bildungssystem bin. Ich habe bereits 2010 nach der Pisa Studie sehr ausführlich über den Bericht des UN-Sonderberichtertatters Vernor Munoz mal alles recherchiert und darüber geschrieben. Bis heute hat sich kaum etwas geändert. Nur ist jetzt noch alles viel chaotischer in unseren 16 Schulsystemen, die auch noch gegeneinander an konkurieren.
    Mein Artikle wurde derzeit als Leserartikel von `Zeit online´ trotz vieler Bemühungen ohne sachliche Begründung abgelehnt. Das steckt mir immer noch in den Knochen und ich hab mich dazu noch wie folgt geäußert:
    https://4alle.wordpress.com/2015/09/21/was-heisst-hier-pressefreiheit/
    Ich wollte schon immer wieder über dieses Chaos schreiben, hab so viele Belege, dass es mir schon fast zu blöd ist.
    Bin zum Glück als sog. Sonderpädagoge inzwischen raus aus dem Schuldienst.
    Am Ball bleiben!!!!
    Schönes W´ende
    Jürgen aus Loy (PJP)
    P.S. Morgens Lehrer abends voller 😉

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    1. Danke für den Kommentar. Es wird in der Tat immer chaotischer, hektischer und mühsamer, die Entwicklung der Kinder sinnvoll zu begleiten. Diese scheinen im gesamten System die politisch Verantwortlichen am wenigsten zu interessieren.
      Was ich besonders unverständlich finde ist der Unwille, das Unvermögen?, zu den Wurzeln des Übels hinab zu steigen und über den Tellerrand zu blicken.
      Es gibt schließlich Länder, die beweisen, dass es besser geht. Eine meiner Enkelinnen (13) war ein halbes Jahr in Neuseeland in der Schule und hat laufend berichtet. Sie hat zum ersten Mal ohne Druck zu verspüren mit Freude sehr viel gelernt. Die Schüler kamen in der Freizeit in Gruppen freiwillig in die Schule, um Drehbücher zu schreiben, kleine Filme zu machen, Dinge zu erfinden oder Mode zu entwerfen. Statt des hiesigen Konkurrenzmodells beruht dort alles auf Motivation, Miteinander, Verständnis, Mitmenschlichkeit und nicht zu vergessen, Naturverständnis. Das beginnt schon in der Kita, in der die zwei Kleineren sind. Auch einige unserer nordischen Nachbarländer machen es viel besser.
      Bei Interesse kannst du nochmal in „Einblicke/Ausblicke“ schauen. da geht das Thema weiter.

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  4. Herbes Thema mit viel streitereien weltweit.
    Der Lernstoff ist auf den unteren beiden schulformen nicht so kompakt wie auf dem Gymnasium. Kann leider nur von der Realschule sprechen, aber dort wird der Stoff eindeutig zu lange gelehrt. Das Verständnis der Schüler im Unterricht ist eigentlich sowas von nebensächlich, denn ein Mensch lernt sehr schnell im Nachhinein. Würden die Themen mehr im Ansatz besprochen und das Verständnis nachmittags nachgeholt werden, Ich würde eine Ganztagsschule sowieso preferieren die nicht bloß aus AG’s besteht, welche nicht jeden interessieren und die die Teilnehmen grundsätzlich besser benotet werden.

    Habe mir auch schon etwaige Gedanken dazu gemacht. Besonders das Thema Erziehung ist grotesk peinlich, weil Eltern eigentlich einen Führerschein machen sollten. Es gibt so viele unfähige Elternpaare, sodass es schon fast besser wäre die Erziehung ab dem 5. Lebensjahr komplett Maschinen oder Fachkräften zu überlassen, wobei ich für Maschinen tendiere, Da Menschen auch wenn sie ausgebildet sind, Präferenzen besitzen, Welche permanent zu ungerechte Noten führen. Die Liebe der Eltern sollten sich die Kinder wochenends, In den Ferien oder später am Abend holen. Viele streitereien im Haus entstehen Ja durch Stress, Wenn die Eltern entlastet wären könnte das vielleicht eine Erziehungsverbesserung hervorrufen, Welche eine etwa 60% Verbesserung führen (geschätzt. Die Zahl ist ein Überschlagswert, Da arbeitslose grundsätzlich gestresst sind, sorgen diese für erheblichen Abzug.)
    Eine 99%ige wäre wünschenswert, aber so leichtgläubig möchte ich nicht sein.

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    1. Endlich kommen hier mal die Diskussionen in Gang. Für eine echte Ganztagsschule trete ich auch ein, weil das in der Tat eine Menge Stress aus den Familien nehmen würde.
      Der Lernstoff auf dem Gymnasium ist zwar kompakter, aber wie viel davon bleibt über den nächsten Test hinaus hängen,führt zu echtem Wissenszuwachs, der zu Verknüpfungen befähigt, wenn Daten und vorgesiebte „Wahrheiten“ nur eingetrichtert werden? Das ist kein Lernen, das ist Faktensammeln ohne die Fähigkeit, daraus etwas zu erschaffen oder Zusammenhänge zu begreifen.
      Zum häufig geforderten Elternführerschein möchte ich noch folgende Anmerkungen machen: Was soll dessen Grundeinstellung widerspiegeln – gute Noten oder gutes Leben? Außerdem kann den auch jeder machen, der gut auswendig lernt, ohne hinterher entsprechend zu handeln. Fast jeder Autofahrer hat mal einen Führerschein bestanden. Und dann schau dir das Fahrverhalten der Mehrheit an. Wie in der Schule. Weiß ich, was der Lehrer hören will, kann ich mir gute Noten sichern, wenn mir das wichtig ist. Was ist mit denen, die gute Eltern sind mit Werten, Liebe und Unterstützung für ihr Kind, aber nicht gut lernen können? Ein weiterer inhaltlicher Kritikpunkt sind ständig wechselnde Studien, was für Kinder gut und wichtig ist. Wird dann alles wieder geändert? Müssen alte Ergebnisse der Prüfungen evtl. darauf eingehend wieder überprüft und geändert werden? Also ich sehe das nicht als eine Lösung an. Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse, da gibt es keinen allgemein gültigen Fahrplan für den Umgang.
      Nach meinen Erfahrungen sind übrigens arbeitslose Eltern eher depressiv, resigniert als gestresst. Das könnte man mit dem BGE aufweichen, käme auch den Kindern zugute, die sich oft für ihre Eltern schämen. Kein guter Start.
      Ungerechtigkeiten in der Notengebung sind ein Problem. Es wurde oft über eine Abschaffung der Noten gesprochen. Aber eine Form der Bewertung muss ja stattfinden, schon allein, damit auch die Schüler wissen, wo sie stehen, was sie verbessern können. Eine Abmilderung kann eine Benotung mit mehr Noten und Kategorien zusammen mit einer verbalen Beurteilung bringen. Aber auch dabei kann es noch zu Ungerechtigkeiten und Fehlbeurteilungen kommen. Vor allem dann, wenn Lehrer zwar gute Abschlüsse erzielt haben, für den Beruf jedoch gar nicht geeignet sind. Daher bin ich für psychologische Tests vor Aufnahme des Studiums, die entscheiden, ob jemand überhaupt zu diesem Studium zugelassen wird.
      Wenn du mit Maschinen Computer meinst, so ist ein Ergebnis bei einem Lernprogramm in einigen Fächern sicher aussagekräftiger, sachlicher und motivierender als mancher Lehrer. Der Liebe und Rückendeckung durch ihre Eltern sollten Kinder sich immer und zu jeder Zeit an jedem Ort sicher sein können, auch wenn sie nicht in der Nähe sind.
      Wenn du Interesse hast, kannst du dir die Seite Einblicke/Ausblicke ansehen, da geht das Schulthema weiter. Über weitere Aspekte von deiner Seite würde ich mich freuen.

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      1. Darum wäre die Überlegung ein komplett neues schulpaket zu knüpfen gar nicht so verkehrt. Am Besten in mehreren Ausführungen dann kann man am Ende abstimmen.

        Möglich wären schulen zu größeren Akademien zu knüpfen um mehr Schüler an selben Punkt zu unterrichten. Vorteil: breiteres Kurs Angebot. Keine unterbesetzten Klassen/kurse.
        Bietet auch Möglichkeiten die „Klasse“ zu wechseln wenn man mit den Lehrern oder den Mitschülern nicht zurecht kommt. Bei der Größe eines Campus wäre eine räumliche Trennung dann auch nicht das Problem.

        Dann macht man die Psychologische-Untersuchung auch mit Eltern um zu prüfen ob sie tauglich sind.
        Ersetzt dann das auswendig lernen.

        Klingt dann aber alles schon nicht mehr so frei.
        Ja die Liebe der Eltern ist zwar wichtig, aber nur bis zu einem bestimmten Alter. Danach sind Eltern störfaktoren, Die meistens nicht mit der schule an einem Strang ziehen. Ihre Kinder verwöhnen, vernachlässigen, Sie misshandeln besonders in der Pubertät, weil die jungen Teenie Ja nicht zu bändigen sind (woran das liegt sieht man meist auch wieder an den Eltern). Andererseits Gibt’s auch die, die es richtig machen und ein falsch gibt es ja eigentlich nur in gesellschaftlicher Hinsicht. Menschlich gesehen wäre alles richtig egal was Eltern machen.

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      2. Im Grunde ist das ganze Schulsystem für die Füße und schadet mehr, als es Nutzen bringt. Überall nur Druck, Druck, Druck bis zum Erbrechen – wortwörtlich häufig schon in der Grundschule.
        Die meisten Eltern verwechseln Liebe mit Besitzanspruch, Überwachung und Betutteln. Auch hier wird wieder deutlich, wie wichtig die Definition ist. Meine Kinder hatten in der Pubertät mit mir keine Probleme – was ich gerade neulich wieder bestätigt bekam -, weil ich sie zu Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung erzogen und ihre Entscheidungen akzeptiert habe. Sie haben mit meinem Rückhalt einige Umwege gemacht und sind letztlich dort angekommen, wo sie sich wohlfühlen. Die Schwierigkeiten kamen aus der Außenwelt, haben sie aber nicht einschüchtern können. Diese Form der Erziehung halten auch einige selbsternannte Experten für falsch. Ich würde es immer wieder genau so machen.

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  5. Deine Überlegungen dürfte wohl der größte Teil der Lehrkräfte unterstützen … Ich habe einige Zeit als Mentor in einer Mittelschule Schüler begleitet … Genau das, was du hier zusammenfasst hat mir JEDER, aber auch wirklich JEDER der Lehrkräfte unabhängig voneinander erzählt. Zusammengehalten hat das Ganze letztlich ein bewunderswerter Schulleiter … der leider in Ruhestand gegangen ist … Die Auseinandersetzung zu diesem ganzen Thema ist dann letztlich eingeschlafen oder wird zumindest nicht mehr offensiv ausgetragen. Junge Schulleiter haben dann auch den Stand und den Mut gegen Eltern, Anwälte, Ministerien nicht mehr. Schade, weil sich gut gemeintes und überdurchschnittliches Lehrerengagement dann verläuft …

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    1. Ja, es macht die Engagierten kaputt. Ich selbst lasse mir die Freude am Unterrichten und Proteste nicht nehmen. Mir ist es aber auch immer egal gewesen, ob sie etwas in meine Akte schreiben oder nicht. Letzten Endes ist eine Veränderung nicht gegen, sondern nur zusammen mit den Eltern erreichen. Dazu bedarf es vieler, vieler Gespräche.

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