Der Weihnachtsbock muss weg

Im ersten Dezember, den meine Cousine und ich gemeinsam mit unseren Kindern in meinem Haus wohnten, hatten wir uns eine Kiste Weihnachtsbock gekauft. Da meine Cousine gerne Bier trank, trank ich mit. Es schmeckte auch gut, hatte jedoch eine ziemlich heftige Wirkung, sodass uns eine Flasche am Abend – auch nicht jeden Abend – reichte.

Waren wir in den vorausgehenden Monaten in nächtlicher Selbstkritik mithilfe von Cola-Rum den Gründen für unsere bisherigen Fehlentscheidungen auf die Spur gekommen, war nun zur Zeit der inneren Ruhe und Gelassenheit der Weihnachtsbock an der Reihe. Der Kasten wollte einfach nicht leer werden. Einen Tag bevor leere Kästen abgeholt werden sollten stand fest: Heute mussten die letzten Flaschen weg.

Es war ein kalter Abend nach relativ warmem Sonnentag. Also waren fast den ganzen Tag die Terrassentüren offen gewesen. Am Nachmittag hatten wir sogar noch draußen gesessen, die Kinder im Sandkasten gespielt. Nun am Abend jedoch wurde das Haus nicht warm. So verzogen wir uns gemeinsam in ein Bett, den Bierkasten an der Seite, hörten Musik und machten uns ans Werk. Mit der Zeit kam ein wenig Sentimentalität auf. Meine Cousine erzählte von Jugendlieben und Schwärmereien – und hatte Heimweh nach Nordhessen. Ich kannte die Jungs alle, war bei manchen Begegnungen anwesend gewesen, und wir überlegten, was sie wohl mittlerweile so machten.

Etwa gegen Mitternacht holte meine Cousine ein dickes Telefonbuch, das sie mitgebracht hatte. Es waren nun nur noch zwei Flaschen übrig. Wir beschlossen, überall anzurufen und mal nachzufragen, wie es denn so ginge. Ja, das war doch eine Superidee. Dabei hatten wir völlig aus den Augen verloren, dass seit den letzten Treffen so ca. 15 Jahre vergangen waren. Gott sei Dank nahmen nur zwei den Anruf entgegen, einem sprach sie auf den Anrufbeantworter.

Als endlich alle Flaschen geleert waren, kam es zu einem Erdbeben und das Bett rutschte von einer Seite des Zimmers zur anderen und drehte sich bedenklich. Ich war allein, lag auf dem Bauch und versuchte, das Bett festzuhalten oder vielleicht auch mich. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.

Die Lehre aus jener Nacht: Nie wieder Weihnachtsbock!

5 Gedanken zu “Der Weihnachtsbock muss weg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s