Der Eid des Beamten

Eine gestrige Diskussion auf meinem Blog zu einem schulischen Thema hat folgende Gedanken wieder hochgespült, mit denen ich mich schon öfter befasst habe sowie die Frage:

Wem gilt mein Beamteneid?

Ich wollte diese auch schon in der Gewerkschaft erörtern lassen, doch daraus wurde leider nichts.

Da ich mich aus Überzeugung des öfteren nicht oder nicht ganz an Erlasse des Kultusministeriums gehalten habe, wäre mir hier rechtliche Klarheit wichtig gewesen. Auch allgemein die Gewichtung der Überzeugung wollte ich konkret wissen.

Für mich persönlich habe ich diese Klarheit, nach der ich auch handle. Ich schwöre auf den Staat bzw, das Land, nicht auf wechselnde Regierungen oder Kultusminister. Für mich ist der Staat das Volk, in meinem Falle sind es Schüler und auch Eltern, denen meine Verantwortung und Sorgfaltspflicht gilt. So ist es für mich auch folgerichtig, dass ich mich Anordnungen, die meinen Schutzbefohlenen schaden, widersetze.

Wichtig ist eine Klarstellung m. E. auch für Kollegen, die zwar meine Einschätzung teilen, aber sich weniger trauen.

Das Recht auf Verweigerung aus Gründen der Überzeugung spielt auch bei anderen Beamtengruppen eine große, noch größere Rolle,  z. B. beim Militär.

Wie steht Ihr dazu?

13 Gedanken zu “Der Eid des Beamten

  1. Eine wirklich spannende Frage. Und grundsätzlich bin ich da auch ganz bei Dir. Man muss sich nicht immer buchstabengetreu an Vorgaben halten.

    Schwierig finde ich allerdings die Einordnung von „Anordnungen, die meinen Schutzbefohlenen schaden“, da die Bewertung solcher Anordnungen doch zutiefst subjektiv ist und nicht alles, von dem man selbst davon ausgeht, dass es den Schutzbefohlenen schaden könnte, dieses objektiv auch tut.

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    1. Das wird jetzt wieder so`n langes Ding, aber bei Wichtigem taugt nur Ausführlichkeit.
      Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass von „Gewissen“ oder „Überzeugung“ gesprochen wird, obwohl Bequemlichkeit o. ä. dahintersteckt.
      Mir geht es um begründete Ausnahmefälle, in denen man sich auch offen der Diskussion stellen muss. Bei Kleinigkeiten wie der Handschrift z. B. kann man Elternbeschlüsse herbeiführen. Wird auch nicht gern gesehen. Wann hätte mich das je gebremst?
      Meine Entscheidungen waren immer gestützt durch Kenntnis bzgl. von Kindern, Beobachtungen und objektiven Folgen für die Schüler. Es begann schon in meiner Referendarzeit, ich war 22 jahre alt (6 Semester Studium, ein Prüfungssemester, reicht auch). Ich führte eine 4. Klasse. Dies zu einer Zeit, in der Rechtschreibung verpönt war Kopfrechnen (Mengenlehre) zweitrangig, Rollenspiele bis zum Erbrechen eingesetzt wurden – Vorgaben des Seminars -, habe ich doppelte Unterrichtsvorbereitungen gemacht, einmal für`s Seminar, einmal für den Unterricht.Mir waren die Anforderungen der weiterführenden Schulen bewusst und dass die Kinder speziell auf dem Gymnasium kläglich scheitern würden ohne Rechtschreibkenntnisse und/oder Kopfrechnen.
      Ein anderes Beispiel: Vor drei Jahren ca. wurden eine Form der inneren Differenzierung eingeführt – hier haben ein paar Kollegen sich mit mir gewehrt -, die schwächeren Kindern durchweg andere, einfachere Aufgaben und Arbeitsblätter zugedachten. Klingt erstmal gut, aber berücksichtigt weder die indiv. Entwicklungsmöglichkeiten von Grundschülern und führt gleichzeitig zu einer vorzeitigen Einstufung/Separierung. Im Rechnen z. B. kann es ja durchaus sein, dass Zahlenrechnen gut funktioniert, Geometrie nicht oder umgekehrt. Man nimmt den Kindern so die Möglichkeit, sich an schwierigen Aufgaben auszuprobieren, Teilleistungen zu zeigen. Was ist mit Kindern, die noch nicht gut Deutsch können, aber genial mit Zahlen rechnen können? Alle in eine Schublade. Das ist übrigens wieder vom Tisch. Die gute alte Förderungsstunde ist wieder zurück. Sehr stark belastete Kinder bekommen Zusatzstunden und auch mal Texte erklärt, kürzere Diktate. Aber das sind Ausnahmefälle.
      Differenzierung läuft bei mir so: Ich betreue die Kinder so, wie sie es brauchen, mache Fragerunden, wenn nötig auch in der Pause, habe Helferkinder (Akzeptanz durch die Eltern nach langen Diskussionen) und gehe ganz speziell auf die Ursachen des Nicht-Verstehens ein. Auch die sind nämlich unterschiedlich. Und so mancher hatte da sein Aha-Erlebnis und besseres Selbstvertrauen.
      So, das war jetzt genug doziert. Aber ich wollte darlegen, dass es Vorgaben gibt, die objektiv schaden, indem sie Entwicklung/Motivation hemmen, unmöglich machen oder die spätere Schullaufbahn negativ beeinflussen.
      Nun könnte man sagen, das hält ja alles immer nur ein paar Jahre, aber die Grundschulzeit sind auch nur ein paar Jahre, der Schaden jedoch oft dauerhaft.

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      1. Grundsätzlich ist in Zeiten von Twitter und ähnlichem Unfug nichts gegen Ausführlichkeit einzuwenden, gerade weil sie hier Deinen Standpunkt verdeutlicht.

        Die Idee der „Helferkinder“ finde ich übrigens ziemlich gut!

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  2. Der Beamtenstatus hat in Sachen Verfassungstreue schon seine Berechtigung. So möchte ich nicht, dass unsere Kinder von rechten Geschichtsklitterern in Sachen Geschichte initiiert werden. Darüber hinaus wünsche ich mir mehr Zentralismus in der Bildung, die Länderhoheit in ihrer teils widersprüchlichen Vielfalt ist ein mehr als unpraktisches Beiwerk des Föderalismus, gerade mit Blick auf die Experimentierfreude mancher Landesfürsten zu Lasten der Kinder, derweil alle Jahre wieder alles umgeworfen wird.

    Sonst so? An erster Stelle steht das Gewissen. Dein Umgang damit gefällt mir!

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    1. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Denn einen Beamten auf Lebenszeit wirst du nicht los, es sei denn, er wäre wegen einer schweren Straftat verurteilt. Da gibt es doch diesen einen Geschichtslehrer mit abstoßendem Gedankengut.
      Meist kommt es nach meiner Erfahrung nur zu Strafversetzungen, wo diese Leute dann woanders ihr Werk fortsetzen. Spontan fällt mir ein Sportlehrer meiner Kinder ein, der ständig in den Umkleide- und Duschräumen der Mädchen war und beim Anziehen helfen wollte. Er war schon dreimal strafversetzt worden.
      Auch Angestellte im öffentlichen Dienst müssen sich ja zu gewissen Regeln bekennen, sind aber eher zu entlassen.
      Was meine Wünsche betrifft, so zielen meine auf ein völlig anderes Schul- und auch Studiensystem. Die besten veergleiche hab ich durch die Kinder in Neuseeland.

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  3. Ich bin auch Beamter und schlage mich als notorischer Anarchist auch mit solchen Gedanken rum. Ich war auch schon mal Beamter auf Zeit bei der Bundeswehr, das war noch schlimmer. Jetzt sehe ich es aber ähnlich wie du. Ich handle nicht gegen mein Gewissen. Aus diesem Grund habe ich auch nachträglich den Kriegsdienst verweigert.

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  4. Eine Gretchenfrage 😉 Ich bin meinem Gewissen verpflichtet und das stelle ich auch schon mal über die Regularien. Das könnte auch schief gehen, aber bisher war alles gut, da ich in erster Linie das Wohl der Schüler im Auge habe. Pädagogische Freiheit ist ein dehnbarer Begriff. Den Eid verstehe ich so, dass ich ich dem Gemeinwohl diene und nicht irgendwelchen Leuten, die gerade seltsame Ideen verfolgen.
    Liebe Grüße

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  5. Für mich ist der Beamtenstatus generell im Lehrerberuf überflüssig. Der Eid hat in ihrem täglichen Leben keinerlei Bedeutung und sollte abgeschafft werden. Die Entwicklung geht ja auch in Richtung.
    Für Polizisten sehe ich das anders.

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  6. Spannende Frage … 🤔 … In erster Linie bist du als Beamter dem Staat quasi zu „Gehorsam“ verpflichtet. Das der „Dienstherr“ nicht unfehlbar ist, hat man oft genüg erlebt. Von blindem „Gehorsam“ und „Pflichterfüllung“ halte ich gar nichts. Der gesunde Menschenverstand sollte vorherrschen und zur Not auch zur Verweigerung führen.

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