Angstbefall

Lange ist sie heute mit den Hunden draußen gewesen. In der Morgendämmerung hat sie sich auf den Weg gemacht. Hat sich endlich mal wieder frei und glücklich gefühlt. Oben am Feldweg zum Haus bricht ihr Schritt abrupt ab. Nichts geht mehr, das Herz klopft bis zum Hals. Wie soll sie jetzt bloß nach Hause kommen? Der Weg ist versperrt.

Fröhlich schwatzend stehen unten ein paar Nachbarn. Sie ist angesehen bei den anderen Bewohnern der Straße, fast eine Autorität. Man fragt sie um Rat, vertraut ihr die Kinder an. Doch in diesem Moment sind sie eine unüberwindliche Mauer. Angst, unkontrollierbare Angst hat Körper und Seele erfasst. Warum gehen sie nicht endlich? Lassen sie ins Haus flüchten und die Tür fest verschließen? Geht weg, ihr Menschen! Ich bin keine von euch – nicht mehr.

Immer häufiger umklammert sie die Angst, weitet sich aus auf harmlose Dinge. Den Briefkasten kann sie nicht mehr anfassen, Anrufe nicht entgegennehmen. Und wenn es an der Tür klingelt, bricht ihr der kalte Schweiß aus. Dann versteckt sie sich hinter den Gardinen, wagt kaum zu atmen. Wisst ihr denn nicht, dass ich gar nicht da bin – nicht mehr?

Wird das jemals wieder aufhören?

 

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