Jedes Jahr

fehlen bundesweit Lehrer an grund- und Förderschulen. Ungefähr 21.000 sollen es sein.

Auch die Begründung ist immer dieselbe. Die Ministerien haben die Geburtenzahlen unterschätzt. Und den Zuzug auch. Aha!

Wo und was, mit welcher Berechtigung, haben solche Leute – falls sie das Gesagte selber glauben – denn studiert? Wie klein ist ihr Denk-Radius?

Zahlen der Erstklässler muss man nicht schätzen. Die heutige Geburtenrate hat mit den Schülerzahlen nichts zu tun. Diese Kinder sind seit sechs Jahren auf der Welt, die Zahlen stehen.

Ja, der Zuzug. Der ist in den letzten zwei Jahren ständig zurück gegangen.

In Deutschland gibt es 15.409 Grundschulen. Selbst wenn ganz plötzelich jede dieser Schulen z. B. 5 neu aus dem Ausland hinzugezogene, vorher nicht berechenbare, nirgends registrierte Schüler hinzu bekäme – das wären ca. 77.000 -, bewirkte die Verteilung auf einzelne Klassen in den seltensten Fällen eine Klassenteilung bzw. einen Lehrermangel.

28 Gedanken zu “Jedes Jahr

  1. Irgend etwas scheint auch in der Lehrerausbildung schief zu laufen. Die beste Freundin meiner Enkelin wusste schon sehr lange, dass sie Lehramt für Englich und ? studieren wolle. Da hatte meine Enkelin noch keinen Plan. Nun haben beide das erste Studienjahr hinter sich. Meine Enkelin ist begeistert von ihrer Wahl, Ernährungswissenschaften, die Freundin hingegen ist total frustriert. Das Studium sei ätzend langweilig. Sie will es wohl schmeißen und überlegt, wie sie das ihren Eltern beibringen soll. Eine echte Alternative fehlt ihr noch.

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    1. Um es mal ganz provokant auszudrücken: nach Beobachtung mehrerer Referendarinnen und auch Kollegen wage ich zu behaupten, das annähernd die Hälfte von ihnen nicht für den Beruf geeignet sind. Sie lernen Theorien, für die es nicht die passenden Kinder gibt, sind aber auch nicht in der Lage etwas selbstkritisch zu hinterfragen.
      Wenn das Studium nicht passt, sollte man so früh wie möglich wechseln.

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  2. Hinsichtlich der hier erwähnten Inklusion als „Wahnsinn“ oder „Schnellschuss“ bemühe ich mich mal um Contenance … 🙂

    Die Behindertenrechtskonvention, welche die Inklusion beinhaltet, wurde von Deutschland bereits 2007 (!) unterzeichnet, 2009 – also vor nunmehr 10 Jahren – trat sie in Kraft. Von „Schnellschuss“ kann da also keine Rede sein. Man hatte bis heute über eine Dekade Zeit, die entsprechenden Strukturen zu schaffen, man hat sich nicht drum gekümmert und heute tragen die Schulen und in erster Linie natürlich die Schülerinnen und Schüler, die weiterhin ausgemustert werden, die Konsequenzen.

    „Wahnsinn“ ist die Inklusion sicherlich auch nicht, „Wahnsinn“ ist hier höchstens das exkludierende Förderschulsystem, in dem man Menschen mit Behinderungen zusammen mit anderen Menschen mit Behinderungen parkt, diese also in einem ganz speziellen Mikrokosmos aufwachsen lässt, um sich der Hoffnung hinzugeben, sie würden nach der Schulzeit dann in eben dieser Gesellschaft „funktionieren“, aus der man sie vorher enfernt hat.

    Und was das „weil das normal sein soll, das alle zusammen leben und lernen“ angeht: Das IST „normal“! Wobei ich dabei schon die Verwendung des Wortes „normal“ verabscheue, aber sei es drum. Was wäre denn die Alternative? Weiterhin die Separierung von Behinderten von den Nichtbehinderten, weil man – überspitzt und böse formuliert – durch diese den Lernerfolg der eigenen „special snowflake“ in Gefahr sieht?

    Man darf nicht vergessen, dass die Umsetzung der Inklusion nicht etwa etwas ist, was man zugunsten der armen Behinderten aus lauter Nettigkeit gönnerhaft mal zugesteht, sondern sie ist, mit Verlaub, ein verdammtes Recht, das behinderte Menschen haben. Mangelnde Infrastruktur, auch in personeller Hinsicht, kann und darf nicht länger Grund sein, die Inklusion nicht oder nur mangelhaft umzusetzen. An dem Tag, an dem das Finanzamt verkündet: „Wir wissen, dass viele Menschen Anrecht auf die Auszahlung ihrer Steuerrückzahlung haben, wir können diese nur in diesem Jahr leider aufgrund struktureller Probleme nicht zahlen. Vielleicht nächstes Jahr. Oder übernächstes.“ würde hier eine Revolution losbrechen, weil es um Geld geht. Bei der Inlusion geht es „nur“ um Menschen, und dann auch noch um solche ohne Lobby. Da kann man dann mit den Strukturen argumentieren …

    Ich bitte um Verzeihung, dass ich bei dem Thema immer etwas ausufernd werde … 😉

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    1. ich teile ja deine Aufregung, deshalb hier meine detaillirte Erklärung: Schnellschuss bezieht sich auf die politische Umsetzung der Vorgaben in Hessen, wo ich es beurteilen kann. Jahrelang wurde nichts unternommen, wurden neue Schulen noch ohne räumliche Voraussetzungen gebaut/genehmigt (nach 2009) sowohl bezüglich der Klassenräume, fehlender Nebenräume als Ruhezonen als auch der Barrierefreiheit. Gehbehinderte Schüler können nicht einmal die Eingangstür alleine überwinden, müssen zu Klassenräumen im OG gestützt, getragen werden, Toiletten ohne Hilfe zu benutzen ist unmöglich. Im Hauptgebäude sind im Erdgeschoss Lehrerzimmer , Büros, Besprechungszimmer, Bücherei und Verwaltungsräume – nur drei Klassenräume von 22. Lehrerzimmer und Bücherei können nicht nach oben verlegt werden, weil Räume zu klein. In der Sporthalle, die über Stufen zu erreichen ist, sind die Umkleideräume unten, der Turnraum ist oben.
      Seit 2005 hatten wir wenigstens zwei Integrationsklassen mit durchgehend zwei Lehrkräften. Die wurden bei der Umsetzung eliminiert, nun haben wir Klassenräume, die bis an den Rand voll sind und nur stundenweise Integrationshelfer. In einem vor zwei Jahren errichteten Nebengebäude sieht es nicht besser aus. Ich habe in meiner Klasse mir zwei Helfer förmlich erkämpfen müssen.
      Natürlich ist immer jemand da, der hilft, trägt usw., aber das war nicht der Sinn der Sache, sondern ein Höchstmaß an Selbstbestimmung/persönlicher Freiheit.
      In einem späteren Kommentar habe ich auch darauf Bezug genommen, dass Inklusion kein Sonderrecht ist, sondern gar nicht notwendig geworden wäre, hätte man nicht alle Kinder außerhalb der Normen zuvor ausgesondert, fremdverwaltet, gesellschaftlich ausgegrenzt.

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      1. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann könnte man meinen, das sei ein Schildbürgerstreich. 🙂 Nur leider sind mir eben solche Dinge auch aus Niedersachsen bekannt, beispielsweise über den kürzlichen Neubau eines kompletten Schulgebäudetrakts – ohne Fahrstuhl! Diese Umstand wurde nicht mal im diesbezüglichen Zeitungsartikel bemängelt, nö, unsere Dorfjournalisten beschränkten sich auf umjubeltes „Endlich fertig!“, sinngemäß.

        Und das ist ja auch genau das, was ich im Bereich der Inklusion bemängele, nämlich dass man seitens der Politik viel zu lange gar nichts getan hat (oder halt Bockmist, wie den von Dir beschriebenen) und die Umsetzung der Geschichte dann einfach an die Schulen weitergereicht wurde, die dann sehen durften, wo sie bleiben.

        Die große Gefahr, die ich dabei sehe, ist schlicht die, dass die Menschen angesichts der mangelhaften Umsetzung der Inklusion zu einer „Siehste, ist doch ´ne dumme Idee!“-Schlussfolgerung kommen könnten.

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      2. Ich konnte nicht einmal meinem Asperger den für ihn notwendigen Freiraum bzw. Abstand zu anderen Schülern ermöglichen. Habe dann auf einen Sitzplatz am Schreibtisch verzichtet, renne eh nur rum und kniee vor den Tischen. Ein angeschafftes Stehpult musste ich wieder entfernen aus Brandschutzgründen!
        Ich habe schon viele Kultusminister erlebt und die meisten wollten sich ein großes Projekt auf die Fahnen schreiben. Ausgereift davon war nur wenig. Beschränkt trifft es weitaus besser. Nur Mengenlehre – die Kinder konnten mit 10 Jahren noch nicht alleine einkaufen bzw. Wechselgeld berechnen. Ausufernde Rollenspielphasen – mit vorgegebenem Ergebnis. Nur Ganzwortmethode zum lesen, schreiben rein nach Gehör, innere Differenzierung, die in ihrer Ausführungsvorschrift schon die Schulwechsel nach der 4. Klasse vorwegnahm, anstatt Begabungen zu fördern, reine Kompetenzorientierung, um nur einige zu nennen.
        Hierbei ging es in erster Linie um das eigene Ansehen, nicht um die Kinder.
        Oft genug habe ich aus Überzeugung gegen Erlasse unterrichtet.

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    2. Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen.
      Möchte aber, um Mißverständnisse auszuräumen, noch erwähnen, das meine Tochter auch zu den „besonderen“ zählt.
      Mag sein, das einige Äußerungen von daher befremdlich wirken, ist aber in Ironie und Sarkasmus verpackter Frust über das Schulsystem und den angehängten Rattenschwanz.

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      1. Aaah, okay, das erklärt vieles und dann habe ich nichts gesagt. Sarkasmus und Ironie funktionieren in Schriftsprache meistens nicht so gut, als dass ich in der Lage wäre, sie zu erkennen. 😉

        Den Frust teile ich im Übrigen!

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  3. Wer braucht den Bildung? Die gibt es doch in der Bild … 🤦🏼‍♀️🤐 …
    Ein weiteres Thema wo mir die Galle hochkommt und man gegen Erbsenzähler einfach nicht argumentieren kann. Schulen geschlossen, zusammen gelegt, Lehrermangel und dann, oh Wunder!, Platzprobleme. Kinder in Container ausgelagert, Eltern laufen Amok, nachdem Kinder kollabierten … Kinder die, mut Hilfe des 2. Wohnsitzes ganz woanders beschult werden, weil dort anders Zustände herrschen … 🤦🏼‍♀️
    Und um den Wahnsinn komplett zu machen, gibt es da ja nun auch das Inklusionsgesetz … 🙈 …
    Die Zeche zahlen, wie sonst auch, wieder einmal die anderen … Leider!

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    1. Inklusion finde ich ja eigentlich gut, aber nicht als Schnellschuss ohne die räumlichen und personellen Voraussetzungen. So ist es ein Wahnsinn zu Lasten aller. In einem eh schon schädigenden System.
      Außerdem – hätte man in irgendeiner Form behinderte Kinder nicht vorher sozial ausgeschlossen, brauchte man jetzt keine Inklusion. Wir hatten früher mal kleine Förderklassen, die hatten einen wesentlich besseren Betreuungsschlüssel als heute mit dem Gesetz.

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      1. Ich bin auch nicht dagegen, finde aber auch, das nicht jedes Kind dazu geeignet ist, bzw. an einer normalen Schule überhaupt erst die Möglichkeiten bestehen müssen, um das durchzusetzen.
        Das berühmte Hüh und Hott. Erst alles, was ein wenig auffällig Ist, an die Förderschule schicken.
        Jetzt alle zurück, weil das normal sein soll, das alle zusammen leben und lernen … 🙈

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      2. Jeder Kultusminister will sich ein Denkmal setzen. Durchführbarkeit und Sinn haben keinen Stellenwert, Das Kind an sich interessiert nicht. Nur so ist auch der Satz zu verstehen: Wir wissen, dass die skandinavischen Systeme besser funktionieren. Aber wir machen das nicht so. Wir haben unsere eigene Methode.

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      1. Nun, ich denke das ich deutlich machte, das die Inklusion an sich erstrebenswert ist. Allerdings nicht um jeden Preis und auch nicht zu Lasten von Lehrern und Schülern 😉
        Zugegeben, die Wortwahl mag in diesem Zusammenhang im ersten Moment sicherlich irreführend gewesen sein und für mich eine gute Rückmeldung, meine Worte gezielter auszusuchen 😉

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      2. Dann habe ich das falsch aufgefasst, weil „Wahnsinn“ oder „weil das normal sein soll“ für mich keinen besonders positiven Eindruck vermitteln. 🙂

        Dass die Inklusion letztlich, so wie sie derzeit umgesetzt wird, zu Lasten der Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und der Schulen allgemein gilt, ist nur das Ergebnis der Versäumnisse seitens der Politik. Das gehört schnellsten verbessert.

        Ich habe hier weiter unten in den Kommentaren etwas ausufernder geschrieben, was ich von dem Thema Inklusion halte.

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  4. 1989, 1990 und 1991 wurden die Jahrgänge von super ausgebildeten Unterstufen- bzw. Grundschullehrern mit ihren Abschlüssen nicht anerkannt. Dazu die Entlasserei in den Jahren dazwischen. Das haben sie nun davon… Bei Bildung darf man nicht sparen!

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