Der Geburtstag der alten Dame

Gestern also war der Geburtstag meiner Mutter. Die Sonne schien, ich hatte zur Überraschung unseren Jüngsten vor seiner Spätschicht in der Küche mitgebracht, Fotos und Geburtstagsemail aus Neuseeland, Haus und Garten schön hergerichtet. Für den Vortag hatte ich die Friseuse bestellt, Hand- und Fußpflege, damit auch dem äußeren Anschein Genüge getan wird. Es ist ihr wichtig und das ist okay. Hatte alles Notwendige eingekauft und alle Gäste bedient.

Ich denke, der Tag war in ihrem Sinne. Ab und zu bin ich den erfundenen Geschichten entfleucht, hab mich auf die Sandsteinbank gesetzt und eine geraucht. Denn immer wieder versucht sie mich vor Leuten zu Bestätigungen zu Dingen zu zwingen, die nicht stimmen. Das mach ich aber nicht.

Als alle anwesend waren, nahm sie meine Hand und fragte süßlich: Ich bin doch keine Last? Die ganzen hohlen Tanten dann: Oh nein! Du doch nicht.

Nun, ich sagte dann: Natürlich ist das eine Last, machen wir uns doch nichts vor. Auch Nele war eine Belastung zum Ende hin. Aber deswegen wünschte ich weder ihr noch dir jemals Krankheit oder Schmerzen und dafür tue ich alles Notwendige. Bei einem Kind ist das nochmal was anderes. Aber ich brauche für mich auch Freiräume – jetzt.

Betretenes Schweigen, bis Cousin und Cousine sagten, ich hätte recht und müsse auch für mich sorgen. Das sähe sie doch sicher ein. Wohlwissend, dass sie es keineswegs einsieht.

Mir ging es gut damit. Zu Hause war ich platt.IMG_20150610_115032.jpgIMG_20150610_115006.jpg

 

3 Gedanken zu “Der Geburtstag der alten Dame

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