Der letzte Sonnenuntergang – Utopia II

2. Beitrag zur Blogparade „Utopia“ von alice –  https://makeachoicealice.wordpress.com/

 

Die Landmasse hatte sich dramatisch verringert, die meisten Insekten waren ausgestorben, die Meere überfischt. Niemand hatte den Mahnern so richtig geglaubt. Schon gar nicht, wenn sie noch jung waren. Anstatt über ihre Worte  nachzudenken, hatte man sie lächerlich gemacht, verleumdet, demontiert. So blieb der Profit  – auch im Kleinen – das höchste Ziel.

Versprechungen von Rentenerhöhung und Steuersenkungen lenkten schnell ab von Umweltproblemen, beginnenden Zweifeln. Außerdem gab es für alles Versicherungen. Was sollte da schon schiefgehen. Und wenn doch, dann konnte man vor Gericht klagen und Schadenersatz verlangen.

Als ihnen endlich bewusst geworden war, dass immer mehr Land von den ansteigenden Ozeanen unter Wasser gezogen wurde, immer weniger Nahrung zur Verfügung stand, gab es schließlich niemanden, den man dafür hätte haftbar machen können – außer sich selbst. Jeder Einzelne trug die Schuld daran.

Verteilungskämpfe hatten begonnen, weil alles knapp wurde. Jetzt erst recht war sich jeder selbst der Nächste.

Das aufgerüstete Militär hatte die Bürgerkriege in den einzelnen Ländern mit äußerster Gewalt eindämmen können. Sie hatten sich auf diesen Ernstfall jahrelang vorbereitet. Doch anders als in ihren Planspielen blieben noch immer viel zu viele Menschen übrig.

Die Böden in den früheren Kriegsgebieten waren nachhaltig verseucht und brachten kaum Ertrag, der auch vergiftet war. Das war kein nutzbarer Lebensraum. Auch hier hatte man sich gründlich verrechnet.

Man brachte die Strafgefangenen dort hin – in große eingezäunte,  von Drohnen überwachte Areale. Es waren viele, denn fast jede freie Handlung oder Rede war strafbar. Doch die Anzahl der restlichen Menschen war immer noch zu hoch, denn die Meeresspiegel stiegen weiter.

So blieb dann nur noch die Bekämpfung der anderen bösen Nationen zur Landnahme. Es gab schließlich nichts, das eine kleine Atombombe nicht richten konnte. Selbst vor Asteroiden-Einschlägen schützte sie. Ein nuklearer Erstschlag war alternativlos.

Der Schrecken hatte im militärischen Sandkasten und bei Computerberechnungen zu Frieden geführt – für die Überlebenden. Nicht so in der Realität. Da folgte auf den Erstschlag der Rückschlag.

Die Atomraketen sind bereits unterwegs. Uns bleiben nur Minuten. Ich sitze mit meiner Familie auf der Terrasse. Wir halten uns fest, während wir zum letzten Mal einen vollkommenen Sonnenuntergang sehen.

Nach uns die Sintflut.

Ein Gedanke zu “Der letzte Sonnenuntergang – Utopia II

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