Ein schöner Tag

so ganz für uns allein, entspannt, lustig, ungestört.

Nach zwei Wochen voller Psychoterror und Beschimpfungen Tag und Nacht, Erklärungen, Aussprachen der Satz meiner Mutter: Ja, wir verstehen uns gut, die A. und ich.

Endlich hat sie akzeptiert, dass ich nicht mehr verfügbar bin und nun die Umgangsregeln vorgebe. Vorher: ich krieg nichts zu essen, die isst alles alleine, alles dreckig, saugt nicht, so schrecklich, bald hast du`s erreicht, dann seid ihr mich los, warum tut ihr mir das an, womit hab ich das verdient, am liebsten hätte ich hier niemanden im Haus. Viel Geheule und Geschrei. Das meiste hab ich gar nicht erst beantwortet. Bin konsequent (weg)geblieben, habe meine Ansprüche an mein weiteres Leben immer wieder klar formuliert. Aufgezählt, wie viele Jahre ich das jetzt schon alles mache und es einfach nicht mehr will und kann in diesem Ausmaß. Und ihr gesagt:Du kennst die einzige Alternative, denn allein im Haus kannst du nicht bleiben.

Wenn man bedenkt, dass sie in den neuneinhalb Jahren, in denen Nele so schwer krank war, nicht einmal mich unterstützt hat, nicht einmal kam, um nur einfach für die anderen Kinder anwesend zu sein, wenn ich im Krankenhaus war. Aber ihr das klar zu machen, würde nichts bringen, nichts verändern. Sie würde es nur erneut so drehen, dass es ihr ja immer so schlecht, eigentlich viel schlechter ging und sie mich viel mehr gebraucht hätte. Also lass ich es hinter mir und genieße die neue Freiheit.

Und irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, wird sich das Thema biologisch erledigt haben.

9 Gedanken zu “Ein schöner Tag

  1. Ich hab den Fehler gemacht, meine Mutter für Ihre letzten 5 Jahre zu mir nach Hause zu holen. Es war die Hölle auf Erden. Der Satz: „Du bist nicht mehr wert, als meine Scheiße “ war da noch das harmloseste.
    Aber ja, es hat sich biologisch gelöst…weil sie wieder nicht auf ihre Arschlochtochter hören wollte.
    Ich wünsche dir viel Kraft für die weitere Zeit. Du machst das richtig, bleib auf Abstand…Um deiner Seele Willen.

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    1. Und fast immer sind es die Töchter, die alles abkriegen und denen alles abverlangt wird. Meine Cousine, die in einer Seniorenresidenz arbeitet, erzählt von Töchtern über sechzig, die heulend nach einem Besuch aus den Zimmern ihrer Mütter kommen. Manchmal hat man das Gefühl, als rächten sie sich für unsere bloße Existenz.

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  2. Ach Caro, ich kann Dich sooo gut verstehen. Trotzdem wünsche ich Euch, dass sich Deine Mutter endlich über gelegentliche Besuche von Dir freuen kann und sie endlich einsieht, was Du alles für sie geleistet hast. Aber sei beruhigt, man lebt seinen Kindern den Umgang mit seinen „Alten“ vor. So kannst Du sicher sein, dass Du nicht eines Tages ins billigste Altenheim abgeschoben wirst, wie ich es im Kollegenkreis oftmals erlebt habe. Leider verbrachte meine Mutter ihre letzten beiden Lebensjahre in einem Altenheim, wir Geschwister waren alle berufstätig und wohnten weit weg, so dass häusliche Pflege nicht möglich war, denn wir jüngeren hatten noch kleine Kinder und der Ältesten, die nur zwei Bahnstunden entfernt wohnte, erging es so wie Dir. Sie war böse, ungerecht und machte nichts richtig. Zum Glück fühlte sich meine Mutter in dem neu erbauten Heim, in dem sie ein Einzelzimmer bewohnen konnte, sehr wohl. Sie erreichte erreichte ihr Lebensziel, als erste aus unserer Sippe 80 Jahre zu werden und verstarb wenige Wochen nach ihrem Geburtstag am 10. April 1987. In dem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass sich heute der Todestag meines Vaters zum 37. Male jährt. Scheiße, wenn man so alte Eltern hat, mit 35 hatte ich keine mehr, aber das ist ein anderes Thema.

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  3. Mir ebenfalls bekannte Tochter-Muttersachen! Weil ich um ihre in der Kriegszeit entstandenen Traumata wusste, konnte ich Vieles verstehen. Diese ihre Unempfindsamkeit ließ auch in mir Wut und Kälte ihr gegenüber entstehen, doch es war ab und zu Wärme möglich…auch bei ihr, wozu es allerdings Alkohol brauchte und unecht war…
    Deine Umgangsweise mit ihr klingt nach Selbstschutz, Eigenliebe und Nestwärme, mutterlos….

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