Sophie 5

Diese Abhärtung führte jedoch keineswegs zu einer Gleichgültigkeit bezüglich der nach meiner Definition völlig falsch verstandenen Werte, die man unbedingt durchsetzen wollte und die man uns ständig vorbetete, als würde das Falsche jemals richtig durch permanente Wiederholung. Zum Beispiel das Betonen der Notwendigkeit von Disziplin, was zum Zwecke der Unterdrückung geschah, nicht um der Sache selbst willen.
Ja doch, ich halte Disziplin für wichtig. Aber eben nicht die künstlich durch Vorschriften, Verordnungen und auch oft Bequemlichkeit von außen aufgedrückte – meist entbehrt die eh jeder Logik – sondern eben Selbstdisziplin, die einen in die Lage versetzt, schwierige Situationen auszuhalten, um etwas zu erreichen.
In diesem Zusammenhang fallen mir noch zwei andere Begriffe ein, die dringend genau definiert werden müssen, weil sie von den Erwachsenen meistens falsch eingesetzt werden: „Respekt“ und „Konsequenzen“.
Wenn Respekt lautstark gefordert wird, so meist in Form einer Drohung, die nichts anderes meint als jede Form von Widerstand aus Angst vor Bestrafung sofort einzustellen. „Ich erwarte mehr Respekt von dir, sonst…!“ Die richtige Bedeutung ist jedoch Anerkennung der Würde und /oder Autorität des Anderen, Achtung vor dem Gegenüber. Hieraus ergibt sich, dass man sich Respekt verdienen muss, nicht einfach verlangen kann. Außerdem ist das für mich eine Sache der Gegenseitigkeit. Sind weder Würde noch Autorität vorhanden, wird`s richtig schwer mit dem Respekt. Dann wirkt eine solche Forderung einfach nur absurd und es wird unmöglich, ihr nachzukommen.
Dann der Begriff Konsequenzen, der in der Schule neuerdings als Umschreibung für Bestrafung benutzt wird, wohl um eine Art von Folgerichtigkeit vorzugaukeln. Es gibt zwar auch strafrechtliche Konsequenzen, aber es soll ja wohl hoffentlich nicht eingeführt werden, Schüler für ihre Streiche oder Verweigerungen schon zu kriminalisieren. Wahre Konsequenzen sind Folgen des eigenen Handelns, meiner Entscheidungen in einem weit größeren Rahmen, die sowohl positiv als auch negativ ausfallen können. Schließlich macht es auch inhaltlich einen Unterschied, ob ich durch aktives Handeln ein begangenes Unrecht wieder gutmache oder ob ich die Schulordnung abschreibe. Oh Mann, es wird ja schon dunkel, und wenn ich mich nicht schleunigst auf den Heimweg mache, wird es als Folge wieder Ärger geben.

4 Gedanken zu “Sophie 5

  1. Es liest sich wie ein Buch. Wird es eines? Oder IST es eines…
    Sehr gelungen jedenfalls – und ich musste an Menschen denken, die ich im Laufe meines Lehrerlebens kennengelernt hatte. Was da mitunter an Tragik ablief…

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    1. Es ist ein ebook, das ich nach Lektorat gerade zum Drucken bereit mache. Bisher sind wir noch in der Einführungsrunde, um Sophies Ausbrechen zu begründen. Der größte und mir wichtigste Teil ist ein Tagebuch, in dem sie sich mit vielen wichtigen Themen auseinandersetzt, um einen Lebensplan zu entwickeln. Darin enthalten ist auch eine Liste, die notwendige und überflüssige berufe gegeneinander stellt. Wobei, fast genauso wichtig ist die Zeit im Zeltlager, wo sie auf viele verschiedene Jugendliche und deren Schicksale stößt.

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