Verdrängte Geschichte – warum nur?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe bis vor ein paar Jahren noch nie etwas vom Goldenen Mittelalter gehört. Mittelalter war mir nahegebracht als die dunkle Zeit voller Kriege sowie anderer weltlicher und kirchlicher Widerwärtigkeiten, Feudalherrschaft (auf die wir gerade wieder zusteuern – statt Großgrundbesitzer nun Großgeldbesitzer), Leibeigenschaft. Im Zuge von Recherchen bin ich eher zufällig darauf aufmerksam geworden. Nachdem ich diese Periode gedanklich erfasst hatte, war mir klar, warum diese Pflanze im verborgenen blühen muss. Aber lest selbst:

Von 1150 bis 1450 gab es in Europa eine krisenfreie und zinsfreie Zeit, Wohlstand und Kaufkraft. Die Lebensumstände waren durch fließendes Geld aus einfachen Blechmünzen, das von Zeit zu Zeit „verrufen“ wurde, für alle gut, die Künste blühten. 12 alte Pfennige wurden gegen 9 neue eingetauscht, die Differenz (25%) waren die Steuern. Das Wichtigste m. E. ist Zinsfreiheit und der weggefallene Anreiz, Geld zu horten durch die Umtauschpflicht. Wer sich mehr dafür interessiert, kann es googeln. Allerdings wurden mir beim zweiten Aufrufen nicht mehr inhaltliche Beiträge angezeigt, sondern Hinweise auf Kunstwerke und Beiträge über Fianzen und Zinsen.

Beendet wurde diese Zeit von machtsüchtigen Kaufleuten, u.a. den Fuggern und den Medici, durch Einführung festen Geldes, dem sog. Dickpfennig und Wiedereinführung der Zinsen. Danach verschlechterten sich die Lebensumstände der normalen Bürger/Bauern dramatisch, während einige wenige Familien durch Zinseinkünft riesige Vermögen aufhäuften. Die Folgen sowie der Rest Mittelalter ist bekannt.

9 Gedanken zu “Verdrängte Geschichte – warum nur?

  1. Auffallend und einen Blick wert ist auch die Tatsache, daß sich freiheitlich-geistliche Bestrebungen zum Ende dieser Zeit fanden.
    Den Menschen ging es so gut, daß sie sich mit Gott, der Welt und den Machthabern auseinander setzen konnten. Siehe Jan Hus, Martin Luther und andere Reformer aus dem Protestantismus, welche Europa-weit „auf den Plan“ traten…

    Wie spannend, daß gerade passend zu dieser Bewegung ein strammer, eigentlich Weltkrieg, vom Zaun gebrochen wurde, der diese geistige Weiterentwicklung versuchte, wieder einzudämmen.
    Wer mag, kann auch da mal selbst googeln und in dieverse Kaninchen-Bauten hinab steigen – auch um die Strippenzieher des Welt-Theaters zu entdecken – die immer noch, auch heute noch am Start sind.

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß wir das Ende einer ähnlichen Zeitepoche erleben – wir sind halt zu frech und aufgeklärt geworden und das dann noch mit den technischen Mitteln, die nach der „Erfindung von Gutenbergs Druckerpresse“ uns jetzt zur Verfügung stehen…

    Danke, Caroline für deinen wertvollen Anstoß – bin gespannt, ob du da noch mehr an dieser Stelle anbietest.

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Überleg dir das mal. 300 Jahre völlig unterschlagen. Ja, die Parallelen sind erkennbar. Ich habe lange gesucht nach Beispielen, wann es wo nach anderen Maßstäben besser für alle funktioniert hat und bin schon immer gegen das Zinssystem, weil ich dessen Folgen sehe. Alles, was von Menschen gemacht ist, kann beseitigt, verändert oder rückgängig gemacht werden. Also suchte ich nach wenigstens einem Beispiel in der Vergangenheit. Unter Zeiten ohne Zins und Zinseszins bin ich dann darauf gestoßen.

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