24-Stunden-Betreuung

Idee ist prima – sinnvolle Umsetzung eher kompliziert.

Nachdem ich nun endlich eine Erfolg versprechende Vermittlung für eine legale Hilfe gefunden habe, möchte ich mal meine Erfahrungen mitteilen:

Privat hatten wir zwei Angebote, jedoch war hier die Bezahlung schwarz gewünscht, was ich ablehnte. Es ist illegal und ich werde mir keine weiteren Schwierigkeiten ans Bein binden.

Im Netz findet man viele Agenturen, viele schöne Worte und viele schöne Bilder von glücklichen Senioren, die endlich nicht mehr so oft allein sind und einen Gesprächspartner haben.

Schaut man hinter die Kulissen, so gleicht das alles eher einem Sklavenmarkt. Die Preise, die ich gefunden habe, liegen zwischen 2.400,-€ und 2.600,-€ pro Monat bei Pflegegrad 2 einschließlich Kost und Logis zuzüglich Reisekosten bei besseren Deutschkenntnissen. Nun, für diese verantwortungsvolle Tätigkeit wären diese Beträge als Bruttogehalt durchaus angemessen. Nur bekommen die Frauen, die diese Arbeit erledigen, nur 700,- bis 800,-€ monatlich. Den Rest sacken sich sich die Agenturen ein. Eine sitzt im Heimatland und bedient sich, eine weitere in Deutschland und bedient sich. Diese Summen haben nicht im geringsten ihre Berechtigung in Verwaltungskosten.

Ich hatte schon einige Angestellte und kann das selbst erledigen, kenne also den zeitlichen Aufwand. Für mich habe ich beschlossen, das nicht zu unterstützen und weiter zu suchen, rumzufragen.

Nun zu den Sprachkenntnissen:

Nach Kontaktaufnahme zu mehreren Familien mit Pflegepersonen habe ich festgestellt, dass einige dieser Frauen fast gar kein Deutsch sprechen. So hat sich das mit dem Gesprächspartner schonmal erledigt. Außerdem sind diese Frauen dadurch völlig isoliert. Wie soll sich so gegenseitiges Vertrauen aufbauen? Wie sollen sie denn einkaufen oder an ihrem freien Nachmittag Kontakte knüpfen? Einen Nachmittag pro Woche finde ich eh zu wenig. Also eine loose-loose-Situation.

Was mich lange schon stört: Lässt man sich unterstützen von Diakonie und Co., zahlt die Kasse 1.269,-€, macht und organisiert man alles selber, 545,-€.

10 Gedanken zu “24-Stunden-Betreuung

  1. Es ist unvorstellbar schwierig, ich weiß das nur, weil mein Chef seit 8 Jahren im Wachkoma liegt und eine 24 Stunden Betreuung hat. Meine Chefin wollte nicht, dass er mit 46 ins Pflegeheim kommt. Sie hat über ein Jahr gebraucht bis sie ein Team von 2-3 Leuten hatte, die sich abwechselnd um ihn kümmern. Viel Glück bei der Suche und dass deine Mama mit der Person dann auch klar kommt!

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  2. Was spricht dagegen, an den Agenturen vorbei selbst in Osteuropa zu suchen? Gründe doch selbst eine Firma, mit Angestellten zur zum Zweck der Pflege deiner Mutter. Vielleicht bin ich ein wenig blauäugig, aber Du hast doch schon Erfahrung mit Selbstständigkeit.

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  3. Du schreibst es – die Betreuungslobby…
    Was sagt dir dann dein Herz und vielleicht auch den Verstand in Folge? –
    Ist der andere Gedanke doch eine Option, doch…

    Das System hält immer die Hand auf und das Thema Menschlichkeit auf den „Drei Seiten“ ist auch nicht die Sache des „Systems“ – mit dessen geschönten BIldern und Zahlen.

    Halt den Rücken gerade und die Ohren steif,
    Raffa.

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