Auto fahren im Alter – neue alte Ideen, nur keine guten

Mal wieder denkt man darüber nach, eine staatlich verordnete Fahrtauglichkeitsprüfung für ältere Autofahrer einzuführen. Natürlich kostenpflichtig. Warum ich davon nichts und eine solche Maßnahme für eine weitere Gelddruckmaschine halte, werde ich im Folgenden erläutern:

Ich erlebe es in der Tat so, dass ältere Fahrer häufiger Unfälle verursachen als jugendliche Raser. Es gibt zwei Gruppen. Einmal die Silberrücken, die sich selbst überschätzen und mit Vorliebe in einem Affenzahn (sehr passend) auf der Autobahn rechts überholen oder drei Fahrbahnen auf einmal überqueren, um es der Jugend noch einmal zu zeigen. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Männer. Das ist jedoch die Minderheit. Andererseits die unsicheren, die auf den Landstraßen 60 fahren, in der Dunkelheit 40, jedoch sofort aufs Gas treten, sobald man sie überholen möchte. Die an der Kreuzung oder beim Linksabbiegen in langer Unentschlossenheit beobachtend stehenbleiben  und gerade dann losfahren, wenn ein Fahrzeug bedrohlich nah ist. Mir scheint, dass von der Information, man könne jetzt fahren, bis zum eigentlichen Prozess zu viel Zeit vergeht. Das bestätigt auch die Beobachtung, dass an der Ampel bei Grün so viel Zeit bis zum Start vergeht, dass gleich schon wieder Rot ist. Mehrfach schon habe ich dabei kritische Situationen erlebt. Auch wenn auf einem Beschleunigungsstreifen der verunsicherte Vordermann plötzlich stehenbleibt.

Natürlich liegt diese Unsicherheit daran, dass viele schlecht sehen, hören und die Reaktionsfähigkeit nachgelassen hat. Dem könnte man beikommen durch eine neue  Brille/Lasern, Hörgerät und Training der Reaktionsfähigkeit z. B. am Computer. Nun muss beachtet werden, dass viele ältere Menschen, die nicht in Großstädten wohnen, ohne Mobilität von sozialen Kontakten und Kultur ausgeschlossen wären. Auch hat nicht jeder das Geld für eine kostenpflichtige Prüfung.  Diese würden also m. E. diskriminiert. In einem Alter, in dem viele Freunde schon weggestorben sind und die wenigen verbliebenen ein paar Dörfer weiter weg wohnen, käme es zu einer völligen Isolierung. Die meisten Forderungen, ohne Auto zu bleiben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad zu fahren, kommen offensichtlich von Singles oder Kinderlosen aus Großstädten, die nicht über den eigenen Tellerrand blicken können. Denen möchte ich zurufen: Fahrt doch mal mit mehreren Kindern mit dem Fahrrad oder der Bahn zum Einkaufen oder zum Arzt! Bahnfahrten mit meinen 5 Kindern konnte ich mir nur selten als besonderes Ereignis leisten.  In vielen Dörfern fährt nur zweimal am Tag der Schulbus und das nicht während der Ferien.

Natürlich muss das Thema angepackt werden, aber doch nicht so. Die Leute sind doch nicht doof und würden sich auch wohler fühlen, wenn sie angstfrei und sicher losfahren könnten. Wie wäre es denn mit ein paar Clips, die zeigen, wie Senioren ihre Reaktionsgeschwindigkeit mit Spielen verbessert haben und/oder mit der neuen Brille plötzlich wieder gut sehen können, mit einem Hörverstärker gut hören? So eine Art „Siebter Sinn“ für Senioren?  Wie glücklich sie sind, sich wieder als fähig zu erleben, am Straßenverkehr teilzunehmen. Man könnte so auch Jugendliche animieren, sich mit Oma oder Opa an den Computer zu setzen und sie zu trainieren oder auch nur einzuführen. Wer ist denn schon freiwillig unfähig?

Geht es um Lösungen oder nur um die Möglichkeit, den Menschen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen? (Wobei dann wieder viele Rentner völlig ausgeschlossen wären.)  Ich bin nicht so sicher.

 

8 Gedanken zu “Auto fahren im Alter – neue alte Ideen, nur keine guten

  1. „Einsicht“ kann getrost vergessen werden. Sie können alles, wissen alles, und das vor allem besser. Es muss erst knallen, bevor verstanden wird, wie es um sie steht. Ein ganz schwieriges Thema, zumal ein Fahrzeug bei vielen Alten der Ersatz für die Beine ist.

    Für meinen Teil beabsichtige ich, in der Stadt alt zu werden.
    Falls.

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  2. Die Menschen, die in der Stadt fahren wie Sau (sorry, aber ist so), rücksichtslos und gefährdend, sind in der Regel junge Leute

    Ich hab nix dagegen, die älteren zu überprüfen, aber mindestens genau so wichtig wäre mir eine Verkehrs-Erziehung der jungen Generation
    … oder vielleicht einfach ein paar Schilder hier und da, die sagen „Hallo Hallo, du bist nicht alleine auf der Welt“

    Gefällt 2 Personen

  3. Eine sehr gute Betrachtung dieses Themas. Ich bin da auch eher bei Dir, weil ich auch dahinter wieder einmal eine staatlich verordnete Abzocke sehe. Ich beobachte auch, da ich ja auch sehr viel unterwegs bin, immer wieder Fahrfehler von älteren Verkehrsteilnehmern. Aber ihnen die Mobilität zu nehmen ist brutal. Aufklärung und Hilfe sehe ich da zuvorderst.

    Manchmal merkt man es ja auch gar nicht, wie man körperlich nachlässt. Habe ich kürzlich selbst erfahren, wie ich mich im Gymnastikzirkel gequält habe 😉
    Aber nicht nur ältere Verkehrsteilnehmer sind gefährlich. Gestern Abend kam mir ein Wagen bedrohlich nah und erst nach einer Notbremsung und Hupen ist der junge Fahrer neben mir aufgewacht und hat sein Handy auf die Seite gelegt….

    LG
    Thomas

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