Kreuzung

Mal wieder war ich an einer Kreuzung angekommen. Drei Richtungen standen zur Auswahl. Oder vier, wenn ich wieder Rückschritte machen will. Schwanken zwischen Mitgefühl, vernünftiger Konsequenz, Notwendigkeiten, Abtauchen, Notwehr und Überlebenswillen. Einiges, jedoch nicht alles, lässt sich kombinieren.

Meine Mutter ist seit Freitag aus dem Krankenhaus zurück, ihr hochherrschaftliches Gehabe trotz unübersehbarer Schwäche und Verwirrung auch. Selbstaufgabe ist selbstverständlich. Nachdem ich schon öfter abgelehnt habe, bei ihr einzuziehen – ich allein -, hat sie nun gnädigerweise meinem Mann angeboten, gemeinsam mit mir in ihr Haus zu kommen. Sicher nicht!

Auch wenn ich weiß, dass Vieles aus ihrer Verwirrung entspringt, so ist die ihr eigene Anmaßung, ich habe nur der Befriedigung ihrer Wünsche zu dienen, unerträglich. Und auch die Fesselung meiner Zeit will ich nicht mehr. Ich hab neben meiner Anwesenheit jederzeit am Telefon präsent zu sein. Bin ich es nicht, so sind Schimpftiraden und schlimme Vorwürfe auf dem AB.

Es ist klar, sie kann eigentlich nicht mehr allein im Haus bleiben. Seniorenheim lehnt sie rigoros ab, auch großes Zimmer mit Balkon und eigenen Möbeln. Vorsorglich angemeldet hab ich sie trotzdem. Nun suche ich alternativ eine 24-Stunden-Betreuung, die ich jedoch nicht überwachen werde. Auch werde ich keine Beschwerden über diese Person entgegennehmen. Es muss eine Entlastung und Freiraum für mich bieten. Funktioniert das nicht, bleibt nur noch das Seniorenheim.  Das habe ich nun beschlossen, zusammen mit der Familie, weil ich ein Recht auf ein eigenes Leben habe und Zeit für mich, meine Ehe, reklamiere.

16 Jahre sind genug.

6 Gedanken zu “Kreuzung

  1. Liebe Caro, Eure Entscheidung ist sicherlich richtig. Aus eigener Erfahrung und aus der vieler Kollegen weiß ich, dass diejenigen, die sich am meisten kümmern, es am schwersten haben, was die Anerkennung betrifft. Du hast Dich schon so lange so sehr gekümmert, dass Du kein schlechter Gewissen haben musst. Schwer wird es trotzdem. Eine Bekannte hatte ihre Mutter zur Kurzzeitpflege ins Heim gebracht. Da fand sie es so schön, dass sie nicht mehr nach Hause wollte. Vielleicht ist das ja auch für Euch eine Option.

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  2. Das Schlimmste an all dem ist auch, dass du vor dir selbst ständig deine Entscheidung immer wieder und wieder rechtfertigen muss, um nicht in einem Sumpf aus schlechtem Gewissen, Verpflichtungsdenken, Gefühö des Rabenkinddaseins und dann doch auch Mitgefühl unterzugehen.
    Es ist richtig! Es ist eigenverantwortlich! Es ist Selbstfürsorge!
    Und niemand kann behaupten, du hättest dich nicht gekümmert – jetzt ist eben etwas Neues dran! Veränderungen gehören nun mal zum Leben dazu, auch wenn aufgeprägte/soziale Verhaltensmuster/Gedanken das gerne verhindern wollen.

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