Das alte Lied – von Schubert -,

es zieht sich durch mein Leben, es klingt in mir. In ganz dunklem, zähen Moll. Ich sang es oft in schweren Stunden, meist draußen auf dem Felde, ganz allein auf mich geworfen:

Der Wegweiser

Was vermeid‘ ich denn die Wege,
Wo die ander’n Wand’rer geh’n,
Suche mir versteckte Stege,
Durch verschneite Felsenhöh’n ?

Habe ja doch nichts begangen,
Daß ich Menschen sollte scheu’n, –
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenei’n ?

Weiser stehen auf den Straßen,
Weisen auf die Städte zu.
Und ich wandre sonder Maßen
Ohne Ruh‘ und suche Ruh‘.

Einen Weiser seh‘ ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.

Zurückgeworfen werde ich gerade in die Monate der Endphase unserer Tochter. Meine Mutter, gerade im Krankenhaus, rastet genauso psychotisch aus, ist in Raserei und leidet schwer an Verfolgungswahn. Ihre Demenz wird drastisch sichtbar in diesem ungewohnten Umfeld. Wieder muss ich diese Entscheidungen treffen: Schwere Beruhigungsmittel, nur keine Fixierung. Was kommt als Nächstes?

Warum noch einmal? Reicht es nicht langsam? Auf dem Sofa zusmmengesunken am gestrigen sehr späten Abend, flüsterten wir beide kraftlos: Wie bei Nele. Und alles war wieder da, das Grauen umfing uns.

Heute Mittag zeigten die Medis erste Wirkung. Und gottlob gibt es noch andere Melodien in meinem Leben, die sich auch wieder Gehör verschaffen werden.

7 Gedanken zu “Das alte Lied – von Schubert -,

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