Unecht

Jedes Mal, wenn mal wieder jemand seine (künstliche) Betroffenheit über Alltägliches zur Schau stellt, um mich mit vorgespielter Verletzlichkeit zu manipulieren/auszunutzen, fallen mir folgende Zeilen von Heinrich Heine (erstaunlicherweise nicht von Ringelnatz) ein:

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Und sollte ich zuvor noch unsicher gewesen sein, ob ich wohl doch darauf einsteigen sollte, beendet dieser Text die Zweifel und macht einem: Reiß dich zusammen! Platz.

Schließlich bin ich von Kindheit daran gewöhnt an dieses seufzend traurig gehauchte: Ich so sensibel, du unsensibel, hart – Ich ach so zart  und schwach, du stark – mach mal, du musst.

3 Gedanken zu “Unecht

  1. Sehr schön.
    Wobei auch ich eher auf Ringelnatz getippt hätte 🙂

    Sonst so?

    Großes Theater, emotionale Erpressung … nette Versuche. An guten Tagen wende ich mich ab und gehe meines Weges. An weniger Guten braucht es erst einen kurzen Dialog, um dahinter zu kommen … und dann zu gehen.

    Gefällt 2 Personen

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