Zwischen den Jahren

Das ist ein Begriff, den ich als Kind nicht verstand. Schließlich war zwischen der letzten Sekunde des vergehenden Jahres und der ersten des nächsten nicht wirklich etwas vorhanden, was man als Zwischenzeit bezeichnen oder gar sinnvoll hätte nutzen können. Einmal geniest oder „Schwupp“ gesagt, schon war ein Jahr weg unnd ein neues da. Und auch die mysteriösen Vorschriften, dass man zwischen den Jahren nicht waschen dürfe, weil sonst jemand stirbt, keine Klöße kochen soll, weil sonst ungewollte Schwangerschaften einträten usw., hinderten mich daran, diese Bezeichnung ernst zu nehmen. Das kommt dabei raus, wenn du dir als Kind immer alles selbst erklären und auf eigene Logik zurückgreifen musst.

Seit einigen Jahren jedoch spüre ich, dass die Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag einem ganz eigenen Rhythmus folgen und uns – so wir es zulassen – ganz besonders fühlen lassen. Es ist wahrlich ein Bereich zwischen den Zeiten, zwischen den Welten. Er gibt uns die Möglichkeit, uns zu öffnen, Dinge wahrzunehmen und aufzunehmen, die uns im Alltäglichen gemeinhin verborgen bleiben.

In diesem Jahr zelebriere ich sie ganz bewusst, die Rauhnächte. Auch deshalb, weil meine liebste Kollegenfreundin mir zu Weihnachten ein besonderes Buch geschenkt hat, wie man achtsam durch die Rauhnächte geht. Für jeden Tag werden besondere Schritte, besondere Übungen aufgezeigt und begründet, die allesamt mir folgerichtig erscheinen. Bemerkenswert finde ich dabei, dass ich auch zuvor schon genau die Schritte intuitiv vollzog, die dort vorgeschlagen werden. Ohne dem übermäßige Bedeutung beizumessen – man kann dadurch weder die Zukunft planen noch praktische Dinge in die Wege leiten -, aber es bleibt zumindest bei mir die Tatsache bestehen, dass meine Wahrnehmung so weit geschärft wird, dass sich mein Blick auf die Dinge verändert, sie einen anderen Stellenwert bekommen und allein dadurch reale Verbesserung/Stärkung eintritt. Es mag sicher nicht für jeden hilfreich oder heilsam sein, für mich jedoch bewirken die Rauhnächte genau das: Sie heilen einiges und versetzen mich in die Lage, schmerzende Stachel ganz oder weiter heraus zu ziehen.

2 Gedanken zu “Zwischen den Jahren

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