Nach oben

Soweit ich zurückdenken kann, steht diese Erinnerung einer unabänderlichen Sehnsucht. Nach oben – immer wollte ich nach oben. Nicht in der Welt des Scheins, nicht für andere, nur für mich, mein inneres Erleben und Wachsen. Unter Anstrengungen, die mich beflügelten, die Höhen erklimmen, um in die Weite zu blicken, Neues zu entdecken, den Blick zu weiten, die anderen Seiten wahrzunehmen und im Aufsaugen jegliche Enge zu überwinden. Die Spannung, was sich bei Ansicht vom höchsten Punkt Überraschendes zeigen sollte, ist mir bis heute geblieben – auch das dem Augenblick innewohnende Glück, ja geradezu der Glückseligkeit.

Ob schon als Dreijährige zum Schrecken der Erwachsenen auf den höchsten Bäumen, an den Ästen schaukelnd, oder möglichst auf der Spitze von Kirchtürmen, Burgtürmen, diese bisweilen umrundend, auch mal mit teils geschlossenen Augen. Ich erinnere mich gut, wie ich von Kirchtürmen auf die umliegenden Häuser, in deren Fenster schaute und in jedem eine eigene Geschichte sah mit ganz eigenen Gesetzen und Verwicklungen. Glück, Unglück, Verzeiflung und auch Bosheit roch. Und dann die Berge, seit ich diese zum ersten Mal sehen, fühlen und riechen durfte. Nicht ausschließen kann ich, dass auch Übermut und Muterprobung in Erwartung eines gottesgerichtlichen Urteils eine Rolle spielten. Ganz sicher sogar war es bisweilen so.

Später kam der Drang hinzu, auf jeder Ebene diese Erfahrung weiterzugeben. Nicht im beschränkt Sichtbaren der Täler stecken zu bleiben, die Vielfalt des Sichtbaren, Denkbaren, Erlebbaren zu betrachten, aufzunehmen oder eben zu verwerfen, wenn es nicht der eigenen Natur gemäß war. Aber wenigstens zu wissen, was Leben alles sein kann.

6 Gedanken zu “Nach oben

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