Notlügen

Ich lese gerade ein Buch über Vorurteile. Die eigenen Automatismen zu erkennen und schnell zu berichtigen ist mir wichtig.

Ein Kapitel widmet sich den sogenannten Notlügen, die bewusst oder unbewusst aus verschiedenen Gründen benutzt werden. Dabei fiel mir auf, dass auch sehr reflektierte Menschen in kulturellen Netzen hängen. So wurde zum Beispiel auf die Frage eines fülligen Menschen: „Macht mich die Hose dick?“ mit „Nein“ zu antworten als Notlüge erklärt.

Ist sie aber nicht. Es ist die logisch richtige und korrekte Antwort, die ich stets verwende. Es ist nie die Hose, die einen dick macht.

Ich antworte auf die Frage, wie es mir gehe nur mit „Gut“, wenn es stimmt. Natürlich weiß ich, dass der Fragende in der Regel gar nicht wissen will, wie es mir geht, das nur eine Höflichkeitsfloskel ist. Aber ich sage dann „passt schon“ oder „geht schon“. Das entspricht dann auch der Wahrheit, denn ginge es nicht, wäre ich nicht dort.

17 Gedanken zu “Notlügen

  1. Ich mag das sehr, meinem Gegenüber die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Nicht immer macht man sich damit Freunde, aber so gehts halt manchmal… Auch wenn im Restaurant das Essen halt mal nix war, darf man das doch sagen, oder?
    Noch schlimmer finde ich die Oberflächlichkeit in Amerika, die ich auf Geschäftsreisen oder bei Terminen mit Amerikanern immer wieder komisch finde. Dieses How Are U als Begrüssung und auch gerne mit einer Gegenfrage „How R U“ beantwortet ist nicht wirklich Interesse an seinem Gegenüber. Da kannst auch antworten, was Du willst… egal!

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  2. Muss, un‘ selbst?

    Könnt‘ ja jeder fragen und auf dicke Hose machen 😉

    Drüsenkrank seien sie, wurde mir erklärt. Die unglaublich fetten Nachbarn mit den dito geratenen Zwillingsmädchen, auf meine Nachfrage hin. Damals, als kleiner Junge. So die Rede meiner Mutter – worauf mein Vater nur meinte: „Harhar, krank … die fressen den Buko auffe Hand, schon auffe Straße aus’m Einkaufsbeutel“

    Sie waren ein Dream Team, meine Eltern, in Sachen Wahrheit 🙂

    Der Wind, der Wind, bläst Berge von Sand zusammen. Aber keine dicken Ärsche …

    Die Mecklenburger Variante meines Ex-Schwiegervaters 🙂

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  3. Manchmal muss man wohl auf Notlügen zurückgreifen. Aber ich denke, da gibt es auch Unterschiede. Wenn mich eine Arbeitskollegin, die ich nicht mag, heuchlerisch fragt, wie es mir geht, werde ich ihr sicher nicht das Herz ausschütten. Ansonsten bin ich aber ein sehr ehrlicher Mensch, leider eckt man damit auch oft an.

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      1. Sehr interessant finde ich, dass man nicht sagen „darf“ jemand ist dick
        Ich war sehr lange sehr dünn und durfte mir ständig anhören Du bist aber zuuuu dünn … Da kann man ja die Rippen fühlen etcpp …

        Gut war allerdings immer, wenn das ein Dicker zu mir gesagt hat
        An dir is aber nix dran
        An dir dafür umso mehr
        😜

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  4. Ich verabscheue die Frage „Wie geht es Dir?“, sofern sie nur als Floskel gemeint ist. Je nach Tagesform antworte ich dann auch schon mal mit: „Beschissen, aber danke.“ Denn frei nach Malmsheimer: Wer mir eine Frage stellt, sollte nicht überrascht sein, wenn er Zeuge eines Antwortversuches wird!

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