Forderungen

Rückerstattung, Klagen, Zuschüsse, Schadenersatz, Schmerzensgeld. Es wird zu viel gefordert und geklagt in unseren westlichen Gesellschaften.  Gerade so, als sei gegen jede Ungerechtigkeit des Lebens, jeden manchmal biologisch bedingten Nachteil eine bestimmte Geldsumme das Mittel, diese aus der Welt zu schaffen. Aber auch unter anderen Aspekten wird zunehmend gefordert. Rückerstattung bei Versicherungen, wenn man diese nicht in Anspruch nehmen muss, was ja eigentlich schon Glück bedeutet und Grund zur Freude sein sollte. Nein, das genügt nicht, bedeutet nichts, wenn nicht gleichzeitig Geld hinzukommt.

Wenn ich bedenke, wieviel Energie da verschwendet wird, mit der man Positives hätte schaffen können. Darüber hinaus ist diese Sichtweise in vielen Fällen äußerst kurzsichtig. Das geforderte/erklagte Geld wird durch Preiserhöhungen wieder aus der Tasche gezogen. Oder noch schlimmer, wenn es sich nämlich um solidarische Töpfe handelt, in die eingezahlt wird. Dann ist für die wirklich Bedürftigen nicht mehr genügend Geld da. Hierbei wird vergessen, dass jeder kurzfristig in eine missliche Lage geraten kann. Und auch hier kommt es unweigerlich zu Beitragssteigerungen. Also was wurde dann letztlich gewonnen?

Kann man nicht einfach glücklich und zufrieden sein, wenn alles in Ordnung, man gesund ist und nichts zu Bruch ging? Kann man nicht weniger Gesegneten den größeren Anteil überlassen? Oder haben wir uns von jedem solidarischen Gedanken, den Mitmenschen auch als solchen zu sehen, verabschiedet?

Ich rede hier übrigens nicht von Ansprüchen bei schweren Schäden, Arztfehlern usw.

11 Gedanken zu “Forderungen

  1. Und so geht das Ganze auch im Schulalltag ab. Es ist dieses Nicht akzeptieren von bestimmten Gegebenheiten, die nun mal da sind, um ein Zusammenleben zu regeln. Da wird dieses gefordert und jenes, dann kommen die Eltern und fordern noch ein. Und dann stellen sie in der Regel ihre Forderungen gleich in der obersten Etage anstatt mal im Klassenverband zu bleiben. Fordern, fordern, fordern. Aber wenn du darum bittest, bis zu einem bestimmten Termin ein unterschriebenes Schriftstück zurückzugeben oder Geld für die vereinbarte Klassenfahrt zu überweisen, dann kommt auf kein Geben. Gestern habe ich im Radio gehört, dass es Eltern im Kindergarten gibt, die von den Erzieherinnnen fordern, dass sie die Toilettenbrillen föhnen, damit diese warm sind, wenn die Kleinen sich darauf setzen. Ist das nicht irre?

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      1. Sie wachsen auf in dem Bewusstsein, Superstar oder Topmodel zu sein, auf jeden Fall, mehr als jeder andere. Sie werden inszeniert, gefilmt und für jeden Pups gefeiert von Beginn an. Dann kommt der tiefe Sturz in die Realität. Sehr schmerzhaft und für viele kaum zu ertragen. Aber meist wird der Schein – ohne Substanz – gewahrt.
        Das Schlimmste ist, dass es um die Kinder gar nicht geht, sondern um Selbstdarstellung und Statement der eigenen „überragenden“ Gene. Versagt das Kind hierbei, stellt es diese infrage. Dann wird es ganz übel.
        Wenn zu Beginn des zweiten Schuljahres schon bestimmt ist und als Forderung an die Lehrer herangetragen wird, dass das Kind auf jeden Fall in Oxford studieren muss, bedeutet das ungeheuren Druck.
        Die schwierigsten Gespräche sind für mich immer die, in denen ich Eltern klarmachen will, dass sie ihr Kind überfordern und ihm schaden.

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      2. Das ist wirklich schlimm.
        Und ich habe das Gefühl das es immer schlimmer wird.
        Heftig finde ich auch wenn es um Kindergeburtstage geht. Da wird aufgefahren und Mottopartys veranstaltet, da wird einem schlecht.
        Bei der Firmung meines Ältesten letzte Woche habe ich auch wieder von Geschenken gehört, das ich mich frage, wie die baldigen Azubis gucken wenn sie für 400€ im Monat arbeiten gehen.

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      3. Allein das Theater am ersten Schultag! Jedes Jahr furchterregender. Für die Kinder teilweise totale Überforderung.
        Wer hat in zwei Monaten Bastelabenden die aufwändigste Schultüte gebastelt? Der liebt das Kind am meisten?
        Und nach zwei Wochen kommen sie heim und sagen:“Schule ist doof.“

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      4. Bin ich froh das meine Groß sind.
        In der heutigen Zeit möchte ich kein Kleinkind mehr haben.
        Überall muss man sich rechtfertigen warum man dieses oder jenes macht oder nicht macht.

        Ich habe mich mal etwas länger mit einem 90 Jährigen unterhalten. Was der mir alles aus seiner Kindheit erzählte, dürften die heutigen Kinder gar nicht mehr. Da würden alle sofort schreien: Tierquäler, was für Eltern, ich ruf die Polizei, der ist doch krank, usw…
        Dabei entgeht unseren heutigen Kindern so viele Erlebnisse und Erfahrungen.

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  2. Ich verstehe was du meinst und finde, dass das schon bei ganz kleinen Dingen beginnt: ich bin mit meinen Kindern und einer Freundin und deren Kindern im indoor Spielplatz. Es gibt einen Kleinkinderbereich, 0-5 Jahre. Ihr Älteste ist 13, Rollstuhlkind, schwer behindert, sie war ein extremes Frühchen. Sie sitzt also im Kleinkinderbereich (laufen, toben etc kann sie sowieso nicht, mit Mühe und Spezialschuhen ein paar Schritte gehen) und spielt mit übergroßen Legosteinen. Friedlich, für sich selbst, meistens schaut sie ins Narrenkastl. Ein Vater eines Kleinkindes holt die Managerin des indoor Spielplatzes, weil das Kind offensichtlich älter als 5 ist und dort nicht sitzen darf!
    Sie muss weg! Sie weiß gar nicht was die Aufregung soll. Statt dass der Mann froh ist ein gesundes Kind zu haben!

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      1. Wir haben uns beide kein Blatt vor den Mund genommen, aber Regel ist Regel blablabla und das Mädchen war dann schon so verstört. Die Managerin hat sich 1000 Mal entschuldigt und Münzen zum Scooter fahren geschenkt, davon hatten halt nur unsere anderen Kinder was.

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