Tabu

Gestern traf ich ein Mädel, das schon lange keins mehr ist – für mich aber immer noch. Sie ist eine Schulfreundin unseres Ältesten und hat- wie einige andere auch – eine Weile mit uns zusammen gelebt, als die Familie auseinanderbrach. Wurde gewissermaßen auch von mir großgezogen. Sie ist eine selbstbewusste, manchmal resolute Person, die ihren Weg gemacht hat. Es war ein schönes Wiedersehen und wir haben viele Erinnerungen, auch sehr lustige, ausgetauscht.

Als sie mit zwanzig ihren ersten festen Freund hatte, der ihr gnadenlos ergeben war, haben wir oft Spieleabende veranstaltet. Am liebsten spielten wir neben Canasta das Spiel „Tabu“ als Partnerspiel. Dabei muss ein Partner einen Begriff umschreiben, der andere ihn erraten, während der Sand durch eine Eieruhr rinnt und die Zeit abläuft. Ihren Charakter und den der Beziehung sowie die doch sehr unterschiedliche Wahrnehmung erklärt am besten eine Spielphase:

Der Begriff, den er erraten sollte, war „brutal“. Sie brachte Umschreibungen ohne Ende, ohne dass er den Begriff erraten konnte. Schließlich rief sie ungehalten: „Was bist du, wenn du mir eine knallst?“ „Mutig?“ war seine zögerliche Antwort. Irgendwie war das komisch und traurig zugleich für mich, weil es so bezeichnend erschien.

Gottlob hat sie sich später für einen Mann entschieden, der ihr ebenbürtig ist. Zwei unglückliche Menschen weniger.

 

 

6 Gedanken zu “Tabu

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