Große Freiheit – kleine Freiheiten

Freiheit bedeutet Selbstbestimmung. Wie das Wort schon beinhaltet, bestimme ich über mich selbst, meine Taten, nicht aber über die anderer Menschen.  Das schließt Rücksichtslosigkeit aus, nicht aber Gewissen, Anstand, Moral und Mitgefühl.

Am besten beschreibt es das Bild der sich überschneidenden Kreise. Meine Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit des Mitmenschen beschneidet oder einschränkt. Das empfinde ich nicht als Zwang, sondern als Naturgesetz.

Für mich bedeutet Freiheit auch, ohne Uhr zu leben, ganz nach meiner gefühlten Zeit. Das ist nicht durchgängig möglich – macht aber nix -. Ich will mich weder bei Terminen unnnötigerweise verspäten noch jemanden auf mich warten lassen oder ihn versetzen. Denn ich respektiere auch die Zeit des Mitmenschen, will diese nicht verschwenden.

Freiheit gründet auf Unabhängigkeit und Eigenverantwortung. Frei getroffene Entscheidungen gegen Konventionen können unbequeme Konsequenzen haben. Diese habe ich zu tragen. Niemandem außer mir kann ich die Verantwortung anlasten.

Freiheit verlangt unter Umständen Verzicht, Loslassen,  kann Verlust bedeuten. Und dennoch: Ich wollte nicht anders leben, brauche die Freiheit, um atmen zu können. Es ist wundervoll, sich nur vor sich selbst und dem eigenen Gewissen rechtfertigen zu müssen. Wenn ich mich pampern lasse aus Bequemlichkeit, bin ich nicht mehr unabhängig und frei.

Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif.

Und dann gibt es noch die kleinen Freiheiten zum Auftanken. Wenn ich zum Beispiel einen an sich unnötigen Umweg fahre, die Musik laut aufgedreht und mich schönen Erinnerungen hingebe. Wenn ich trotz Haialarm und Angst weit hinaus schwimme, bis hinter das letzte vor Anker liegende Boot. Wenn ich das Putzen und Aufräumen einfach lasse und einen ganzen Tag mit Kindern spiele. Wenn ich in Konferenzen laut einem allgemeinen Konsens widerspreche und damit längst fällige Diskussionen und Gedanken anstoße. Wenn ich etwas verschenke, weil ich es spontan möchte, zu Feiern aber nichts mitbringe. Wenn ich in einem Restaurant einfach tanze, weil die Musik mich trägt, fortträgt. Wenn ich auf Partys, bei denen ich zurückfahre, in einer Ecke schlafe, weil es langweilig wird. Das sind nur einige Beispiele, die mir spontan eingefallen sind.

3 Gedanken zu “Große Freiheit – kleine Freiheiten

  1. Ein großer Anhänger des Glaubens an die innere Freiheit des Geistes…

    So in etwas steht es bei „über mich“. Kommt hin, bis heute, und darf da stehen bleiben. Wobei sich die Vorstellung von Freiheit verändert hat. Nicht die der äußeren Freiheit, hier gelten immer noch meine alten Vorstellungen von Verhältnismäßigkeit, Verantwortung, Augenmaß, Intuition und Mathematik. Vor allem: Keine Macht den Banken, über mich.

    Bei der inneren Freiheit sieht es ein wenig anders aus. Immer mehr muss, darf ich erkennen, wie sehr „zwangsgesteuert“ ich in vielen Bereichen meines Gefühlslebens doch bin. Konditionierung ist ein anderes Wort dafür, was es ebenso trifft. Mir hier Freiheit zu verschaffen, ist eine Lebensaufgabe, scheint es. Kapitulation vor dem vorhandenen ist, wie so oft, der Schlüssel zum Wandel. Um ein Gefäß neu zu füllen, muss es zuerst einmal geleert werden – so frei, wie ich gerne wäre, bin ich lange nicht. Wandel hier ist ein zähes Geschäft und ohne Geduld geht es gar nicht.

    Es nimmt kein Ende – oder doch, vielleicht beim letzten Atemzug …
    Sei herzlich gegrüßt.

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  2. Grenzen der Freiheit schützen

    Die FREIHEIT in einer Gesellschaft
    muss in ihren GRENZEN gesehen, gelebt und geschützt werden.
    Die FREIHEIT aber über ihre GRENZEN hinaus
    zu idealisieren oder gar zu instrumentalisieren,
    birgt die GEFAHR einer sich schleichend entwickelnden
    strukturellen VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT
    in POLITIK und WIRTSCHAFT,
    bis hinein in die FAMILIEN in sich …
    ___
    © PachT 2008

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