Goldene Felder

Gestern streifte ich durch Weizenfelder. Sie leuchteten golden in der Sonne und bliesen ihre Wärme über die Feldwege. Am Waldrand aß ich Himbeeren und Walderdbeeren. Ich fühlte mich glücklich und in meine Kindheit zurück versetzt. Es liegt daran, dass das Korn in diesem Jahr nicht so hoch steht wie in den Vorjahren. Die Ähren sind dennoch sehr voll.

Als ich ein Kind war, stand das Korn auch noch niedrig. Es war durchzogen von Mohnblumen und Kornblumen sowie von kleinblütigen Pflanzen, die wir Quecken nannten. So herrlich sah das aus, dass ich hüpfte, tanzte und sang vor Glück. Am Rande wuchs Kamille in gewaltigen Mengen, die ich oft sammelte und an  die Apotheke verkaufte zur Aufbesserung des  Taschengeldes. Das war aus heutiger Sicht eine meditative Tätigkeit, bei der ich meinen Gedanken nachhing und sich Geschichten vor meinen Augen öffneten.

In meiner frühen Jugend dann war es vorbei mit der Herrlichkeit. Die Bauern waren dem Düngewahn verfallen. Außerdem sollte der Ertrag erhöht werden, die Platz stehlenden Blumen mussten weg. Die Frucht wurde immer höher, war so leichter durch die neuen Mähdrescher zu fassen. Die Natur wurde der Maschine angepasst. Ich konnte es nicht fassen, fand es unglaublich dumm und kurzsichtig. Denn die verschiedenen anderen Pflanzen stützen ja auch das Korn. Und Jahr um Jahr habe ich beobachtet, wie jeder  scharfe Wind die hohe Frucht bar ihrer Stützen in breiten Schneisen niederdrückte, wo es durch den Regen nass wurde und nicht mehr zu gebrauchen war. Höherer Ertrag? Ich bezweifle es bis heute.

In diesem Jahr der kurzen Halme jedoch steht alles ohne Schneisen den Unwettern zum Trotz. Und auch ein paar Kornblumen sah ich wieder blitzen. Ob diese Beobachtung zu einem breiten Ruck in der Landwirtschaft führt und sich großflächig etwas ändern wird? Eher nicht. Aber ich habe in diesem Sommer meine Felder wieder und ihr Anblick macht mich froh.

 

3 Gedanken zu “Goldene Felder

  1. Macht mich auch traurig, die von dir beschriebenen Felder aus der Kinder-und Jugendzeit nicht mehr zu sehen. Es wird so eng gesät, dass noch nicht mal Feldmäuse durchkönnen und der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht.
    Schön, dass du wenigstens das Gefühl hattest, die Felder deiner Kindheit seien wieder da in diesem trockenen Sommer. 🙂

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  2. Wie schön
    Ich kann es sehen
    Danke ❤
    … ein schöner Anblick, nachdem mein Radio mir gerade sagte, des trockenen Wetters wegen seien die Weihnachtsbäume für dieses Jahr schon kurz vor dem vertrocknen ….
    Wenn ich jesoch bedenke …
    Dann bleiben ihnen wenigstens die Kugeln und das Gesinge erspart, bevor sie dann eh entsorgt werden 🤔
    Wünsche dir noch viele schöne Momente in Wäldern und Feldern ❤

    Gefällt 1 Person

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