Thorsten

In der Zwischenzeit ist Thorsten aufgetaucht. Er ist ein ehemaliger Bandkollege von Leon, dem Schlagzeuger, der nach der Lehre als Chemikant nicht übernommen wurde und nach mehreren schlecht bezahlten Zeitarbeitsstellen im ehemaligen Ausbildungsbetrieb eine Festanstellung forderte und nun gar keine Arbeit mehr hat. Thorsten ist schon dreißig und wirkt unter uns wie so ein lockerer Aufsichtstyp im Ferienlager. Wenn ich das aus der Entfernung richtig verstanden habe, will er die Band wieder zusammen bringen und Leon als Drummer dabei haben. Ich hätte jetzt erwartet, dass Leon sich total darüber freut. Aber Leon wirkt richtig sauer. Er blafft Thorsten an:

„Du warst es doch, der erst alles kaputt gemacht hat, als wir gerade ein paar Auftritte in Aussicht hatten – du mit deinem Personal Management – wolltest doch ganz groß rauskommen. Und jetzt kommst du wieder angekrochen. Scheiße Mann! Du hast damals alle unsere Hoffnungen zerstört! Geh weg!“

„Hey Leon, ich weiß das doch. Du hast jedes Recht, mich anzuschreien. Aber bei mir hat sich damals alles überschnitten. Als ich das Angebot bekommen habe, war ich absolut blank. War zwar nur ein Praktikum für ein Jahr, aber wenigstens nicht ganz ohne Bezahlung. Außerdem hatte ich Druck von meinen Eltern, die mein ganzes Studium bezahlt haben und auch mal Erfolge sehen wollten. Ich mag meine Eltern, so ein Stress zermürbt mich.

Außerdem hat man mir versprochen, dass ich gute Aussichten auf eine Festanstellung hätte, wenn ich mich richtig reinkniee und auch zu Überstunden bereit bin. Da musste ich mich entscheiden. Für Musik war einfach keine Zeit mehr. War dann alles ein Riesenbeschiss. Als das Jahr um war, stand schon der nächste Uni-Absolvent auf der Matte, um meinen Platz einzunehmen. Im letzten Jahr habe ich über 50 Bewerbungen geschrieben, war auch bei einigen Bewerbungsgesprächen, aber keine feste Stelle in Sicht. Glaubst du denn, mir geht`s gut damit?“

„Du wirst heute überall beschissen, es gibt nur noch Sklavenarbeit. Studiert oder nicht. Hättest du wissen können. Also, wie stellst du dir das jetzt vor?“

„Willst du`s nur wissen oder bist du dabei?“

„Lass erst mal hören. Dann denk ich vielleicht drüber nach.“

„Du bist immer noch so ein harter Knochen. Das war schon mal kein Nein.“

„Aber auch kein Ja!“

 

 

3 Gedanken zu “Thorsten

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