Ein unabhängiges Leben?

Eins ist mir grad klar geworden: Meine Vorstellung von einem unabhängigem Leben ist nur mit Verzicht auf scheinbar selbstverständliche Dinge zu erreichen, die allerdings bei genauem Nachdenken gut verzichtbar sind. Man muss einfach nur für andere Voraussetzungen sorgen und sich bewusst organisieren.

Keine Kredite, Kreditkarten, Ratenkäufe, Leasingverträge – erst sparen, dann überlegt kaufen – unabhängig von Banken – ohne drohende Überschuldung leben.

Kein BAFÖG – diese „segensreiche“ Konstruktion der finanziellen Förderung treibt einen ebenfalls in geplante Abhängigkeit. Führt dazu, dass man bereits vor dem ersten Gehalt eine Menge Schulden angesammelt hat, die zurück zu zahlen sind. Das wiederum bewirkt Existenzsorgen von Anfang an – verhindert eine freie Auswahl der Arbeitsstelle oder eine längere Suche nach der richtigen Beschäftigung bzw. kurzfristige Wechsel. Da man zur Rückzahlung auf ein gewisses Einkommen angewiesen ist, hängt man schnell in einer Endlosschleife, in der man sich Skrupel nur noch schwer leisten kann – die jeden Widerspruch im Keim erstickt. Studieren geht durchaus ohne Zuschuss – man muss halt in den Semesterferien arbeiten, um sich selbst zu finanzieren – dazu das Kindergeld von den Eltern und ein bisschen Bescheidenheit – dann klappt alles. Und mal ehrlich – man braucht keinen Einser im Examen, um ein aufregendes, sinnvolles, anständiges Leben zu führen. Sagt über die Qualität eines Menschen und seinen Charakter nichts aus, außer bei ausgewiesenen Genies, und denen sei ihr Talent gegönnt. Ist auch kein leichtes Leben.

Außerdem würdet Ihr trotzdem ausgenutzt als Langzeit-Praktikanten, Ärzte im Praktikum, in Rechtsanwalts-Kanzleien und Wirtschaftsunternehmen. Dabei müsst Ihr ständig buckeln – sonst keine Chance auf Festanstellung. Das Alles so lange, bis Ihr so  viel Neid und Frust aufgebaut habt, dass Ihr nach Erreichen des Ziels auch nur noch nach unten treten und endlich einmal Andere unterdrücken wollt. Ist auch eine Art der Erziehung zu Folgschaft und Kritiklosigkeit – weil sie Euch damit brechen – so seid Ihr dann auch nur Sklaven Eurer Herrn – reiche Sklaven – aber eben nicht mehr als Sklaven. Wollt Ihr wirklich so werden? Was bleibt dann noch übrig von Euren Träumen? Und ich bin sicher- die meisten hatten mal welche, die über „reich werden“ hinausgingen. Macht Euch das einmal bewusst – ich habe es gerade getan – hier beim Schreiben wurde es mir klar.

Nebenbei – Handwerker sterben aus – bald fehlen so viele fähige Leute – dann steigt deren Wert in der Gesellschaft wieder und auch das Einkommen. Lieber ein geachteter, solider Handwerker als ein mittelmäßiger Hochschulabsolvent, der bei seltsamen, sinnlosen Bürotätigkeiten seine Lebenszeit verschwendet. Also ich wäre stolz auf solch einen Vater.

Gemüse und Kräuter selber ziehen – geht auch auf dem Balkon und der Terrasse. Auf jeden Fall kann man dann sicher sein, möglichst wenig Gift in seinem Körper anzusammeln. Selber kochen, schnell mit einfachen Gerichten kann man auch – findet sich Vieles in alten Kochbüchern – dient auch der Gesundheit – ist gesünder und billiger als Fertiggerichte. Allein schlichter Pizzateig kann so flott und völlig ohne Maschinen hergestellt und tagelang im Kühlschrank aufbewahrt werden – kein Vergleich mit Fertigpizza!

Bei Eigentum unabhängig von Versorgern werden – eigenen Solarstrom produzieren – Brunnen bohren – Sammelbecken anlegen – eigenes kleines Kraftwerk im Keller – ist alles machbar – hab mich gut informiert. Bauen möglichst mit Hilfe von Nachbarn und Freunden – nur möglich bei guter sozialer Verzahnung – muss durch gegenseitige Hilfe aufgebaut werden – dadurch kostengünstige Erstellung möglich. Gute soziale Kontakte, die auf Gegenseitigkeit und Vertrauen basieren, machen uns in vielen Bereichen des Lebens unabhängig von Institutionen, Vermittlern – sparen Geld – viel Geld – bewirken Verständnis für andere Lebensentwürfe – das bringt neue Ideen – mehr Freiheit und Lebensqualität durch weniger Angst vor dem Unvorhersehbaren – Kinderbetreuung, Altenpflege, Krankenbetreuung usw. Für solche Kontakte muss mir mein späterer Beruf auch noch Zeit lassen.

Der Plan steht, es ist alles berücksichtigt, was ich zu diesem Zeitpunkt bewerten kann.  Bald muss ich nach Hause zurück – Zeit für eine endgültige Entscheidung. Sollte schon vor dem nächsten Halbjahr stattfinden – verliere sonst zu viel Zeit – die wichtigsten Gedanken sind abgeschlossen – viele Erkenntnisse, Erfahrungen gesammelt- muss bald in der Realität fortgesetzt werden. Erklären sollte ich mich meinen Eltern wohl – Bedingungen für meine Rückkehr will ich auch aushandeln. Habe mir Einiges vorgenommen –

Stopp! Hab gerade so eine Idee. In einer Sendung wurde eben gesagt, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Ja, und die Ärmeren schämen sich dafür,  weil die Gesellschaft denjenigen huldigt, die betrügen, lügen, tricksen – aber nur, wenn sie dadurch viel Geld gemacht haben – wie unwürdig! Kann man das nicht umkehren? Ich meine so, dass es wieder angesagt ist, einfach zu leben, wenig zu besitzen und anständig etwas Richtiges zu arbeiten – dass diese Bevölkerungsgruppen wieder hoch geachtet werden – dass man möglichst viel selber kann – das technische System könnte ja mal zusammenbrechen – was dann? Das geht jetzt weg von Eigentlichen – ist aber auch nicht unwichtig.

Das könnte ähnlich laufen wie bei den Pelzen – Pelzträger wurden mal sehr bewundert und beneidet – das hat sich völlig umgekehrt – auch nur durch ein paar Wenige, die das Bewusstsein geschärft haben.

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4 Gedanken zu “Ein unabhängiges Leben?

  1. Ich denke, es ist wichtig, die notwendigen Abhängigkeiten anzuerkennen
    Ich muss essen um zu leben
    Ich muss schlafen um zu leben
    Ich brauche eine Wohnung zum drin wohnen (noch zumindest … meine Ideal-Vorstellung wäre wohnungsfrei, aber nicht in Deutschland …

    Ganz unabhängig geht nicht im menschlichen Leben
    Aber so wenig wie möglich
    Und diese Abhängigkeiten sind nicht in den Dingen sondern in meinem Verhältnis dazu

    Gestern wurde mir klar:
    Ich habe nichts zu verlieren
    Es gibt nichts, dass mich umbringen würde, würde ich es verlieren … nicht geistig, nicht seelisch …
    Denn … bei mir kommt das daher, dass ich inzwischen weiß –
    Alles was mir genommen werden könnte ( bei mir eh schon nicht mehr ganz so viel 😉
    Wird mir genommen von Gott mit einem Grund
    Ich hänge schon an kaum noch was, was mir weh täte
    Und selbst das … hätte seinen Grund

    Alles Liebe ❤

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  2. Gefällt mir – so unabhängig als möglich zu leben. Es bleibt schon noch einiges übrig, aber die gröbsten Stolperfallen in Richtung Knechtschaft lassen sich gut vermeiden, eben jene von Dir angesprochenen Kredite.

    Ansonsten – freue ich mich über jeden jungen Menschen, der einigermaßen realistisch von seinen Eltern auf dem Weg gebracht wurde. Mit Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse in der Gesellschaft und in der Industrie, dem Handwerk. Nischen aufspüren will gelernt sein, Mangelberufe erkennen und zupacken.

    Sekundärtugenden – sind kein Schulwissen. Sie wollen vorgelebt werden, auf eine Weise, die glaubhaft ist. Ohne sie geht nichts …

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