Entscheidungsängste

Sophie lotet ihre Möglichkeiten aus:

Weitere Einschränkungen bei der Berufswahl – kein Handwerk – wegen Unfähigkeit – keine Medizin auf Grund der Hierarchie und geforderten Unterwürfigkeit– hätt ich massig Probleme – Lehrerin – bei meinen Erfahrungen mit diesem System auch nicht wirklich vorstellbar – eigene Schule  gründen wär vielleicht eine Lösung. Bei Strafverfolgung wär  ich auch nicht wirklich gut aufgehoben – sehe so viel nicht ein – halte es für überflüssig – fehlt Flexibilität – Brauer oder Winzer – fehlt mir völlig der Bezug – Bauer fällt auch weg – kein Bauernhof in der Verwandtschaft – aus Bereich Kunst liegt mir Musik machen am meisten – aber Zukunftsaussichten sind Glücksache.

Seelsorger ist auch nicht meins – will Menschen nicht erklären- wie sie in den beschissenen Verhältnissen einigermaßen zurechtkommen – will Verhältnisse verändern! Und Verkehrsbetriebe/Verteilungsbetriebe – na ja – eher nicht – wenig spannend, sehr fad. Viel bleibt nicht mehr übrig – will genug verdienen, um meinen Lebensunterhalt ohne Zuschuss zu bestreiten – nicht auf alle Luxusgegenstände verzichten – schneller Computer und Internet sind mir schon wichtig – ein paar andere Dinge auch noch. Wie schon gesagt, will nicht ganz unten sein – etwas tun, was Bedeutung hat – was hat überhaupt Bedeutung? Oh Mann!

Möchte auch die Welt kennenlernen, in der ich meinen Platz suche – vielleicht liegt der ja ganz fern von hier in einem stillen Tal der Mongolei – oder im brasilianischen Regenwald – oder  hier gleich um die Ecke. Und wenn ich ihn gar nicht finde – wenn es ihn gar nicht gibt – wenn ich überhaupt keine Zukunft habe – wenn es die Unabhängigkeit, die ich suche, nicht gibt? Was, wenn alles umsonst ist – ich auch im Hamsterrad lande – all die quälenden Gedanken umsonst sind –  ich niemals vertrauen kann – ich für immer allein bleibe – oder schlimmer – auch kreuzunglückliche Kinder produziere – die sich ebenso das Hirn zermartern – ebenso ohne Erfolg – schon wieder kurz davor, verrückt zu werden?

Und wenn ich gar nichts verändern kann – wie lange halte ich es aus, diese Bilder einer Welt zu sehen, wie sie sich mir darstellt?  Sehe verhungernde Kinder, verzweifelte Mütter mit ihren toten Babys im Arm, ausgemergelte Großeltern. Sehe sterbende Tiere, ausgetrocknetes, aufgerissenes Land, fürchterliche Überschwemmungen. Sehe Kindersoldaten, zum Töten abgerichtet, die kindlichen Seelen vernichtet. Sehe geschändete, missbrauchte Kinder in Häusern, auf Plätzen, in den Straßen der Weltstädte, allein, abgeschrieben, ohne jeden Schutz – auch ihre Seelen wurden getötet.  Sehe Kinder in Kriegsgebieten, verwundet, mit fehlenden Armen oder Beinen, elternlos, blankes Entsetzen in weit aufgerissenen Augen. Was soll nur aus ihnen werden? Was soll aus mir werden? Ich hab so entsetzliche Angst! Sie schnürt mir die Luft ab!  Und dieser unbändige Hass auf diejenigen, die damit Politik machen, sich daran bereichern und oft diese Zustände ganz bewusst steuern, jede Form von Menschenwürde mit Füßen treten. Ich  muss irgendetwas tun, um mich aus dieser Qual zu befreien.  Das Blut kocht, pocht heiß in meinen Adern, mein Kopf explodiert!

Und so viele intelligente, vorausschauende Menschen können oder wollen das schreiende Unrecht, den Niedergang jeglicher Menschlichkeit nicht verhindern. Zu viele schauen bei unserer  eigenen Selbstvernichtung zu, noch mehr schauen einfach weg, lenken sich ab. Wie soll ich da etwas tun können? Verdammt, das hat doch alles keinen Sinn – das ist schon viel zu weit gegangen! Kein Platz für mich in dieser Welt – es wird immer deutlicher –  hab keine Lust mehr – werde so traurig – bin so müde – fühle so unsäglichen Schmerz – am besten beende ich dieses sinnlose . ….————————————–

6 Gedanken zu “Entscheidungsängste

  1. Kürzlich habe ich gelesen, jede Generation gehe davon aus, am Rande einer Katastrophe zu stehen.
    In unserem eigenen kleinen Kosmos können wir viel bewirken, wenn wir dafür den Blick vom großen Ganzen auf das direkte Umfeld lenken und dort tun, was wir dort Gutes tun können.

    Gefällt 2 Personen

  2. Pffff … starker Tobak.

    Die Suche nach einem Platz, das Elend der Welt, die eigenen Möglichkeiten. Zu große Ziele lassen resignieren, machen müde.

    Vielleicht einer nur, eine …
    Junge, Mädchen, alter Mann / alte Frau
    ein hoch verschuldeter Mensch
    ein kranker Mensch
    ein Mensch in einer Lebenskrise
    nur einem Menschen helfen

    Reicht schon, fürs erste.
    Wenn das ein paar mehr machen
    wird es weniger
    Das Elend

    Gefällt 3 Personen

    1. Womit wir wieder beim Einpendeln wären und Einsichten, die Erfahrung lehrt. Aber macht sich ein junger Mensch zum ersten Mal bewusst, wieviel Leid und Ungerechtigkeit herrscht, so wäre der Ansatz : Es reicht schon, einem zu helfen. der erste Schritt in Selbstzufriedenheit und letztendlich Nichtstun. ich habe mir bis weit ins Erwachsenenalter anhören müssen: Du kannst nicht das Elend der ganzen Welt tragen und nicht jedem helfen. Nein, aber so vielen wie möglich. ich will es aber weiterhin fühlen, das Elend, es soll mich berühren/empören, damit ich weitergehe, Schritt für Schritt. Den Weg der Verzweiflung fast bis zur Resignation bin ich gegangen und habe dann erkannt, dass ich so gar keine Energie mehr habe, um zu verändern. Es sorgte aber auch dafür, dass ich nicht abstumpfte. Aber das, wie gesagt, lehrt das Leben.

      Gefällt 1 Person

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