Politik oder was man dafür hält

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Sehe gerade Debatte im Bundestag und lerne. Fernsehen kann ja doch ganz spannend sein über „Simpsons“, „Big Bang Theory“ und „South Park“  hinaus. Es geht um Banken, Steuern, Rüstung. Alles nicht gerade unwichtig. Verstehe noch zu wenig, muss mich unbedingt besser informieren. Bin nicht sicher, ob das nur auf mich zutrifft.  Und dann guck sie dir an: Selbstdarstellung bei den Rednern, totales Desinteresse bei den Gegenparteien. Ab und zu ein Aufschrei, wenn Alarmwörter doch ans Ohr dringen.  Kein Wunder, dass für das Volk nix funktioniert im Land. Keinerlei Wunsch erkennbar, fremde Argumente zu überdenken für die beste Lösung. Aber es kommt auch wenig Konkretes, bla, bla, bla. So viel schlechtes Benehmen und Unhöflichkeit auf einem Haufen – quatschen, telefonieren, surfen, Mails schreiben. Da haben ja wohl Schule und Elternhaus versagt. Aber über uns meckern!

Ganz schön viele leere Plätze. Wo sind die alle? Werden doch dafür bezahlt. Na ja, Politiker werden ja selbst dann noch bezahlt, wenn sie gar nicht mehr im Amt sind. Wer hat das denn festgelegt? Haben sich wohl wegen Rückenschmerzen befreien lassen. Kein Wunder, das kommt vom vielen Wegducken, Buckeln und Kriechen vor Banken, Großkonzernen und Lobbyisten. Nicht etwa aus einer gewissen Ängstlichkeit vor der Übermacht, die könnte man als kleine Charakterschwäche noch verzeihen. Es handelt sich wohl eher um einen Mangel an Charakter bzw. bewusste Ignoranz gegenüber der Bevölkerung aus purem Eigennutz.

Denke nicht, dass ich damit irgendjemandem Unrecht tue. Schließlich starten die meisten nach Beendigung ihrer politischen Laufbahn eine Karriere als Berater oder Vorsitzende im Vorstand großer Firmen oder Lobbygruppierungen. Ob das einen Unterschied machen würde, wenn man den Laden ab sofort einfach schließt?  Ist doch alles nur ein Riesenschaulaufen. Beschlossen und verhandelt wird im Geheimen, die neuen Gesetze werden dann irgendwann später mit Hilfe von  Schreibern so geschickt und unkonkret in Interviews „kommuniziert“, dass man kaum überschauen kann, was  für Folgen daraus entstehen.

Ja Interviews, auch so`n Ding. Muss man sich wirklich mal voll konzentriert anhören. Du kriegst doch als Journalist kaum mal ne Antwort auf deine Fragen. Auch das eine bodenlose Unverschämtheit! Das macht mich so aggressiv! Auch kein Beruf für mich, jedenfalls nicht in dieser Form. Ich würde glaub ich bei fast Jedem aufhören mit den Worten: „Da Sie offensichtlich nicht vorhaben, genau auf meine Fragen zu antworten, breche ich das Interview an dieser Stelle ab. Für den Zuschauer und für mich ist das auf diesem Niveau Zeitverschwendung und eine Beleidigung der Intelligenz.“ Aber die stecken ja auch alle in ihren Anhängigkeiten fest.

Wenn der Chef vom Sender sehr viel Nähe zur Politik hat, riskieren sie u.U. eine Kündigung. Frage mich nur, ob es das nicht im Sinn der Sache wert ist? Wo bleibt der freie, wahrhaftige Journalismus? Ich hör mir dieses verlogene Rumgeeiere  jedenfalls nicht mehr an.  Mit den Nachrichten ist es genau das Gleiche. Trennt man Fakten von manipulativen Sätzen, schrumpft der Informationsgehalt auf ein Minimum. Und selbst diese Trennung ist gar nicht mal so einfach.

Ein Beispiel: Ehemaliger Politiker hat Vorsitz in Großkonzern übernommen. Er bringt`s nicht, Konzern macht zweimal hintereinander riesige Verluste. Betrieb trennt sich umgehend vor Beendigung des Vertrages von dem Mann. Meldung 1: Herr Soundso hat auf Grund einer zweiten Gewinnwarnung seinen Posten „freiwillig zur Verfügung gestellt“. Wer soll das denn glauben?  Meldung 2: Firma XY musste  zum zweiten Mal eine Gewinnwarnung herausgeben. Der Vorstandsvorsitzende Soundso gibt seinen Vorstandsposten mit sofortiger Wirkung auf. Was für eine Frechheit! Hier werden sogar Ursache und Wirkung sowie die Verantwortung dem Leser/Zuhörer geschickt verdreht untergejubelt.  Man muss also entweder genau zuhören, klar und logisch alles überdenken oder besser gar nicht mehr zuhören. Noch härter manipuliert wird nur noch bei Berichterstattung über Kriege, die mit Vorliebe „Konflikte“ genannt werden und bei den jährlichen Warnungen vor weltumspannenden drohenden Seuchen mit dem dringenden Rat, sich umgehend impfen zu lassen. Wem nützt das? Na eh klar!

Habe  längst die Angewohnheit, bei allen mir wichtigen Meldungen eine Grundsatzfrage zu stellen. Welchen Interessen nützt der Vorgang und wer profitiert davon? Dann kann ich einigermaßen herauskriegen, was gelogen ist und was nicht. Aber wer hat schon so viel Zeit?  Ist wohl auch gar nicht erwünscht.

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Politik oder was man dafür hält

  1. Sie haben mal einen Bericht gebracht das die Politiker gerne zum Wochenende sich noch eintragen für die und die Sitzung um das Geld zu kassieren, dann aber eiligst nachhause düsen. So entsteht dann der leere Saal. Irgendwann steht derjenige alleine vorne. Hauptsache noch mal kassiert. Stell dir mal vor du machst das.

    Was ich auch überaus gut finde sind die Mega hohen Abfindungen die der Vorstand erhält obwohl er die Firma in den Sand gesetzt hat. Das wäre für uns Kleinen doch auch mal was. Du setzt einen großen Deal deines Chefs in den Sand, er feuert dich und dafür erhältst du noch einen satten Bonus Das du gar nicht mehr arbeiten gehen musst. Besser kann es dich gar nicht laufen.

    Den Journalisten wird bei uns auch alles in den Mund gelegt um das Volk ruhig zu halten. Ist schon lange nichts mehr mit Redefreiheit und ehrlichen Journalismus.

    Willkommen im Leben.

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