Es ist vollbracht

Sechs gnadenlose Wochen sind vorbei. Zeit zum Durchatmen. Kaum einen Tag kam ich vor 19.00 Uhr nach Hause, hier blieb so vieles stehen und liegen. Kein Wochenende, keine Feiertage.

Seit 10 Tagen ist meine Mutter aus dem Krankenhaus zurück. Sehr schwach, verwirrt, vergesslich. Ich schreibe jeden Schritt auf einen Block. Mein Schatzi hat während ihres Aufenthaltes eine Video-Überwachungsanlage eingebaut, die Wand dazu aufgestämmt, Leitungen verlegt, alles wieder neu verputzt und gestrichen. Die Anlage fotografiert jeden, der vor der Tür steht. Damit wollten wir die Angst vor Eindringlingen vermindern, was tatsächlich funktioniert hat. Währenddessen habe ich Arztgespräche geführt, über den Sozialdienst Pflegebett, Toilettenstuhl u. a. organisiert, bei der Pflegekasse  Verhinderungspflege beantragt, ebenso so eine Neubegutachtung zur Erweiterung des Pflegegrades, mit der Pflegeberatung das Vorgehen zwecks Zuschuss zu einem Badumbau beraten. Hätte nicht gedacht, wieviel man da falsch machen kann. Dann einen Pflegedienst gesucht – gar nicht so einfach -, der morgens und abends kommt, einen Rollator organisiert, die Krankenhauswäsche mitgenommen, gewaschen, wieder hingebracht, Blumen gegossen, Freunde informiert, die alle sehr gesprächig sind. Eine neue Vorsorgevollmacht geschrieben, die Patientenverfügung erneuert, mit der Bank gesprochen über Kontovollmacht – sie machen ihre eigenen, erkennen die andere trotz amtlicher Beglaubigung nicht an.

Nach mehreren Gesprächen war meine Mutter bereit, ihr Schlafzimmer ins Erdgeschoss neben das dortige Duschbad zu verlagern. So haben wir am Pfingstwochenende das Atelierzimmer ausgeräumt, Möbel abgebaut, neue besorgt, Bilder abgehängt, aufgehängt, Unmengen an Farben, Stoffen, unbehandelter Keramik, Wandtellern, Rahmen, Gestellen,  Ton-Igelchen und Vögelchen, ca. 150 bemalte Hühner- und Enteneier usw. sorgsam verpackt, Dokumentationen und Zeitungsausschnitte sowie bemalte Postkarten archiviert und in zuvor freigeräumten Schubladen verstaut.

Nun sind die Tage durchgetaktet, ich habe mehr Freiraum, das Zimmer gefällt und zum ersten Mal in meinem Leben finde ich meine Mutter voll ehrlicher Dankbarkeit, dass wir ihr ermöglichen, in ihrem Haus zu bleiben und jede Form von Misstrauen scheint von ihr gewichen, ein schönes Gefühl.

Heute war nun der letzte Termin für einen Vertrag für die nächsten Monate und dem richtigen Ausfüllen der Antragsformulare. Es ist vollbracht und ich bin ziemlich stolz auf uns und erleichtert. Die Noten sind fertig, Klassenkonferenzen abgehalten, das Auto hat endlich eine neue Frontscheibe. Und am Wochenende fahren wir nach Tirol.

9 Gedanken zu “Es ist vollbracht

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