Was ist Arbeit?

Wie definiert man Arbeit? Grundsatzfrage. Ist Arbeit nur eine Tätigkeit, für die ich bezahlt werde? Oder ist es vielmehr jede Tätigkeit, die einen Zustand oder ein Produkt  herstellt, der einem anderen zugute kommt oder ihn entlastet – die Erstellung eines Kunstwerkes – eine Anstrengung, die zur Zerstreuung oder zum Wohlbefinden eines anderen beiträgt – eine geistige Anstrengung, die der Gesellschaft hilft, sich weiter zu entwickeln – eine geistige Anstrengung, die eine Entdeckung beabsichtigt oder zur Folge hat.  Für mich ist das alles Arbeit. Was ich überhaupt nicht verstehe – warum hat die Höhe der Bezahlung einen höheren Wert als die Tätigkeit selbst?

Wenn zum Beispiel eine Frau bei anderen Leuten für Geld putzt, dann arbeitet sie – wenn sie nur zu Hause putzt, arbeitet sie nicht? Wenn ich die Kinder anderer Leute versorge und dafür bezahlt werde, dann arbeite ich – wenn ich mich um meine eigenen Kinder kümmere, dann arbeite ich nicht? Das ist doch bekloppt! Merkt Ihr´s noch? Sollten wir nicht endlich aufhören, alles über finanziellen Ertrag zu definieren und wertzuschätzen?  Das würde den Druck nehmen, ohne die Arbeit schwieriger zu machen.

Weiteres Verständnisproblem – warum wird das Herstellen, Produzieren, Erhalten weniger geachtet, als Kontrollieren, Hinterherschnüffeln, Verschieben virtueller Zahlen auf einem Bildschirm und andere sinnlose Tätigkeiten  – genauso wie das Helfen und Sorgen für andere Menschen gern gesehen wird, aber in dieser Gesellschaft nicht wirklich einen Wert besitzt, schon gar nicht einen angemessen bezahlten. Und seit wann genießt eigentlich der erfolgreiche Betrüger mehr Ansehen als der Betrogene, der nur auf Grund seiner eigenen Ehrlichkeit nie auf die Idee gekommen ist, hinter den schönen Worten könne eine böse Absicht lauern? Das war doch nicht immer so?

Ein Gedanke zu “Was ist Arbeit?

  1. Ich glaube, Arbeit hat viele Definitionen. Die physikalische Arbeit, Kraft mal Weg, ist die Überschaubarste. Bei der Leistung kommt die Zeit mit herein – analog jenseits der Physik die Leistungsgesellschaft.

    Die Arbeit als jede mehr oder weniger sinnvolle (?) Tätigkeit ist weitaus bekannter. Vorneweg natürlich die bezahlte Arbeit. Wobei die Wertschätzung gewaltig schief hängt, sicher. Bezeichnend für unser Land ist es, das so genannte schöpferische Arbeit in Produktion und Entwicklung gemeinsam mit der immer häufiger anzutreffenden Dienstleistung einen weitaus höheren Stellenwert in Euro und Cent hat als die Arbeit mit dem eigentlich wertvollsten, was Menschen haben können, mit Kindern. Oder mit alten Menschen.

    Für Kinder wird mittlerweile zunehmend mehr getan. Das ist allerdings nicht der Menschlichkeit geschuldet, sondern eher der Erkenntnis, das im Unterlassensfall die Folgekosten gesellschaftlich ungleich höher ausfallen. Das Land der Krämerseelen … ich bin weitestgehend desillusioniert, was staatliche Einsicht und Barmherzigkeit angeht. Auch die Prügelstrafe ist einst im letzten Jahrhundert nicht aus Barmherzigkeit abgeschafft worden, sondern war eher der Erkenntnis geschuldet, dass die armen Kinder nicht mehr richtig arbeiten konnten, wenn sie ständig verdroschen wurden. Alte Menschen haben nicht so ein Einsparpotential – dem entsprechend ist ihre Wertschätzung hier.

    Bevor hier ein einseitig negatives Bild entsteht – es gibt sie, die humane, barmherzige Arbeit an und mit den Menschen. Sie ist unauffällig und unspektakulär, setzt sich zusammen aus millionenfachen Engagement einzelner, allein oder in Gemeinschaften. Sie stehen, wenn überhaupt, dann nur selten im Rampenlicht – spektakuläre Drecksäcke haben es ungleich leichter, Aufmerksamkeit zu bekommen. Was der weit verbreiteten Sensationsgier geschuldet ist. Menschlich eben – leider.

    Für mich als Kind der Industrie, der Leistungsgesellschaft, stellt sich mit dem sich langsam, aber stetig näher rückenden Ruhe (?)- Stand immer intensiver die Frage, wie ich meine täglichen Fristverlängerungen jenseits der Erwerbstätigkeit nutzen möchte, falls meine höhere Macht mich lässt. Was passt zu mir, welche „Arbeit“ mit und für andere liegt mir und füllt mich aus – noch sind es nur Gedankenspiele, sind ja auch noch einige Jahre bis dahin.

    Abschreckendes Beispiel sind meine Eltern, die mit erreichen ihres Ruhestandes konsequent gemacht haben, was sie wollten, ohne je an andere zu denken. Und sich nun mit altersgemäß immer enger werdenden Aktionsradien wundern, wie gleichgültig sie eben jenen „anderen“ sind.

    Möchte anders „alt“ werden.
    Falls …

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