Vergewaltigung/Entstellung der Sprache

Sprache wird vergewaltigt. Hab mir Worte notiert, die mich sofort aggressiv machen. Im Moment liegen militärische Begriffe „voll im Trend“. Z. B. sind alle möglichen mehr oder weniger gut „aufgestellt“. Was soll das? Verstehen die sich alle als Armee? Sind sie im Krieg? Wenn ja, gegen wen? Alles nur, um nicht zu sagen, wir als Team, Gruppe o. ä. sind der Aufgabe gewachsen – wohl weil es eh nicht stimmt. Wenn die Truppe nur gut aufgestellt ist, sagt das nämlich gar nichts aus über die Fähigkeiten, eine schwierige Situation zu bewältigen – alles bleibt im Nebel. Der Wille war da, irgendwie, irgendwo – aber es mangelte am Wesentlichen. So verstehe ich das. Das ist mir zuwider!!!

Dann will man uns ständig „abholen, wo wir stehen“.  Wenn ich irgendwo stehe, dann will ich dort stehen und keineswegs abgeholt werden. Soll ich rekrutiert werden ins Heer der Gleichgeschalteten, die keinen Widerspruch mehr wagen? Eigentlich meint Ihr, dass Ihr Euch herablassen müsst auf das Niveau der Massen. Das kann man natürlich nicht sagen. Warum eigentlich nicht? Wenn es doch so gemeint ist? Genau so wenig möchtet Ihr klar ausdrücken, dass man von den meisten nicht viel verlangen kann. Auch hier – warum eigentlich nicht? Verlangt doch etwas – vielleicht würdet Ihr Euch wundern!!!

Verlangt echte Leistung, nicht Unterwürfigkeit und Pseudo-Gehorsam. Die ganze Wahrheit scheint mir noch ganz woanders zu liegen. Ihr – die selbst ernannte Elite des Geldes und der Politik – habt im Grunde, bis auf wenige Ausnahmen, jeden Kontakt zum Großteil der Bevölkerung längst verloren und keine Ahnung, wie die „große Masse“ lebt oder leben muss – durch Eure Entscheidungen. Deshalb werden Kommissionen bemüht, die im besten Fall nach zwei Jahren und wer weiß wie viel Honorar einen Fixpunkt festlegen können, von dem aus abgeholt und mitgenommen werden soll –  an dem sich kritiklos orientiert wird, um noch mehr fragwürdige Entscheidungen zu treffen.

Masse/n klingt übrigens sehr nach Massentierhaltung.

Nachdem man uns dann „abgeholt“ hat, werden wir „mitgenommen“ – das nächste Schlagwort. Warum wollt Ihr uns mitnehmen? Bin ich jetzt verhaftet? Was hab ich mir zuschulden kommen lassen? Wie lautet die Anklage? Dass ich da, wo mich niemand wertschätzt, nicht mehr mitmache? Weil ich zu einer „bildungsfernen“ Gruppe gehöre, die mühsam versucht, sich einen Rest ihres Stolzes und ihrer Menschenwürde zu erhalten? Und wenn es nicht möglich ist innerhalb dieser Gesellschaft, dann eben außerhalb.  Ist es ein Wunder, dass man sich dann, auf welche Art auch immer, betäuben will, die schmerzhaften Gedanken endlich abschalten will – muss -, ohne die Folgen zu bedenken? Weil man eigentlich gar nicht mehr denken will? Weil man sonst verrückt zu werden droht? Darüber nachzudenken, würde sich vielleicht einmal lohnen.

Wie lange kann man solche Missachtung ertragen?  Natürlich wäre es am besten, den Kopf hochzureißen und zu sagen: „Jetzt erst recht. Ich werd beweisen, was ich kann, auch gegen alle Vorurteile und Widerstände!“ Aber nicht alle schaffen das. Die werden dann abgeholt.

Warum ich mich so aufrege? Ich bin doch gar nicht gemeint? Weil ich aus einer so genannten guten Familie stamme? Definiere „gute Familie“! Na und? Ich kenne aber genug Leute aus jeder Art von Familie, die ich absolut respektiere, die so viel auf dem Kasten haben und durch dieses Verhalten gnadenlos ausgebremst werden, bis ihnen Kraft, Hoffnung und das Vertrauen fehlen, sich irgendwann einmal beweisen zu können. Und da soll man sich nicht aufregen?

Überhaupt, ich zähle mich nach Euren Maßstäben auch zu der bildungsfernen Gesellschaft. Schließlich habe ich die Schule einfach verlassen. Und dabei habe ich in dieser Zeit mehr gelernt,  als in den ganzen Jahren zuvor. Freiwillig gelernt, gerne gelernt, weil ich etwas wissen wollte, weil mich die Dinge plötzlich interessiert haben. Weil ich nun weiß, ganz allein aus mir heraus, dass ich ohne Wissen dieser kranken Gesellschaft mit ihren falschen Vorbildern nichts, aber auch rein gar nichts entgegen zu setzen habe. Ihre Argumente nur entkräften kann, wenn ich mich wissensmäßig auf ihrer Ebenen finde – weil mir sonst erst gar nicht zugehört wird. Und weil ich das Gefühl hatte, etwas für mein Leben zu lernen – eine Premiere. Außerdem hat sich der Entdeckerwille meiner frühen Kindheit zurück gemeldet, seit ich mich dem – offensichtlich negativen – Einfluss der mich umgebenden Gesellschaft entzogen habe, der mich ständig einschränkte.

„Einen guten Job machen“ finde ich auch unterirdisch Das klingt so minderwertig. Entweder ich arbeite gut oder schlecht. Wenn es nur ein Job ist, was ist es dann wert? Kurzfristige Befriedigung höchstens. Für Wen? Einen Job mache ich, wenn ich gerade mal Geld brauche. Etwas, das ich vielleicht gar nicht machen will, aber muss, um finanzielle Engpässe zu überbrücken. Das ist nichts, auf das ich bauen sein  – im schlechtesten Fall sogar etwas, das ich für den Rest meines Lebens verbergen möchte. Kann das ein Ziel sein? Kann man darauf stolz sein? Ich nicht!  Wenn Ihr eine echte Leistung loben wollt, dann doch richtig und aufrichtig. Wenn nicht, lasst es einfach, sagt lieber gar nichts als so eine Sülze abzusondern.

Oder das Wort „Transparenz“, das uns zurzeit ständig um die Ohren gehauen wird. Wie wird das eingesetzt? Man erfährt – oft nur zum Teil – von Vorfällen, Zuständen, Umständen, Machenschaften, die nicht in Ordnung sind. Dann geschieht – nichts!!! Außer einer kurzfristigen gesellschaftlichen Empörung sehe ich keinerlei Konsequenzen und kaum Veränderungen. Was bedeutet also die viel gelobte Transparenz? Dass das Volk einigermaßen ruhig gestellt wird durch die Vorspiegelung, der Einfluss wachse. Aber in Wahrheit heißt „Transparenz“ bis jetzt nur, dass wir dabei zugucken dürfen, wie wir beschissen werden. Wann wehren wir uns endlich dagegen?

Angstbegriffe – auch sehr beliebt. „Bedrohung der Sicherheitslage“ – was heißt das konkret? Eigentlich sagt dieser Begriff gar nichts aus. Weder über Zustand der Sicherheitslage, noch Ausmaß und Gesicht der Bedrohung. Dass er trotzdem funktioniert, liegt in der Kombination der Worte „Bedrohung“ und „Sicherheit“. Und  schon kann man uns alles unterjubeln, was unsere Freiheit einschränkt.

Es gibt keine absolute Sicherheit. Das Leben endet zwangsläufig mit dem Tod. Wann genau das sein wird, wissen wir nicht. Es sei denn, wir geben uns selbst die Kugel. Wir müssen übrigens auch dann sterben, wenn wir eine Lebensversicherung haben –  Versicherungen sind in den seltensten Fällen ein Schutz – schon gar nicht vor dem Ereignis selbst. Gebe ich jetzt mal zu bedenken.

 

 

14 Gedanken zu “Vergewaltigung/Entstellung der Sprache

  1. Hier wurde aus Versehen ein wichtiger Kommentar von sprachventil gelöscht, was mir gar nicht gefällt. Eigentlich war ich gerade dabei, eine weitere Antwort zu schreiben.
    Folgendes: Man lässt uns die Oberfläche von etwas sehen, dann folgt das Nächste, das Nächste usw. Es wird in keiner Weise differenziert/in die Tiefe gegangen. Statt dessen wird so „kommuniziert“, dass darin schon unterschwellig enthalten ist, wie wir darüber zu denken/urteilen haben. Durch die ständige Abfolge neuer Berichte entsteht so das Bewusstsein, über alles informiert zu sein und so schauen wir über alles hinweg, ohne wirklich etwas zu wissen.

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  2. Ich finde es sehr gut, wie du über die Macht der Worte schreibst. Deswegen bin ich auch echt über die Einleitung und das Wort „Vergewaltigung“ gestolpert. Als ich den Text gelesen habe und natürlich auch sonst deine Texte denke, verstehe ich schon, in welche Richtung deine Gedanken gehen und unterschreibe das. Ich hoffe, du verstehst meine Anmerkung auch^^

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    1. Vergewaltigung ist eine massive Gewalttat, die das ursprüngliche Wesen völlig zerstört/abtötet und nur noch eine geschundene Hülle übrig lässt. (Betrifft es Menschen, so rangiert sie bei mir aus besagten Gründen gleich hinter Mord).Das geschieht auch mit Sprache, wenn diese vom Wesen der Verständigung abgeschnitten und Manipulationswerkzeug zur Nicht-Verständigung wird.

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  3. unterirdische manipulation zur betäubung und abstumpfung. liest man z, b. schlagzeilen oder studiert ein tv programm oder nachrichten allgemein, merkt man sehr schnell, wie es um die ethik bestellt ist. es ist wirklich düster. seit auf der hut, lasst euch nicht anstecken, und auch nicht mit regressiver wut re-agieren, denn das ist genau die nahrung für die selbe verusachende akkumulation !

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  4. Sehr gut, spricht mir aus der Seele !
    Wir lassen uns nicht abholen.
    Und mitnehmen schon gar nicht 🙂

    Es ist dies die Sprache der Arroganz, der Macht, die uns auf unsere Rolle als Stimmvieh und Konsument reduzieren möchte. Wer nicht drin ist, ist eben draußen, @ bildungsfern …

    Und ja, wir leben in einer Vorkriegszeit, der Sprache nach, die uns in der Nachkriegszeit in die Wiege gelegt wurde. So vieles ist militärisch durchsetzt, auch in meiner Sprache.

    Danke für diese sehr guten Wutzeilen, liebe Caro !

    PS:
    Vom rumstehen, abholen und mitnehmen wollen 🙂
    Für alle, die diesbezüglich so ihre Absichten haben:

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