Kampf der Gedanken

Ich bin ja daran gewöhnt, dass mein Bewusstsein in manchen Situationen im Minutentakt wechselt. Zwar verunsichert mich das nicht mehr, doch erlebe ich viele meiner Wahrnehmungen dennoch als überaus quälend oder hoffnungslos.

Manche Situtionen begünstigen einen solchen Zustand wie z. B. Übermüdung, zu viele Sinnesreize usw.. So kam es denn beim Flug von Singapur nach Deutschland zu folgendem inneren Widerstreit:

Ach, war das schön alles. Soviel erlebt, so viel gesehen,  so viel dazugelernt, die fernen Liebsten wiedergesehen, Freude erfahren. Aber wozu das Alles? Was verändert das? Wem hilft es? Letztendlich niemandem. Immer noch verhungert alle zehn Sekunden ein Kind und ich habe nur aus Neugier mehr gegessen, als ich zum Überleben brauche. Jetzt fahr ich zurück. Warum eigentlich? Dort wird mich das gleiche Elend, derselbe Druck erwarten wie zuvor. Nur um 17 Tage verschoben der ganze Mist.

Ich will da nicht wieder hin. Ach, halt die Klappe und erfüll deine Pflicht! Es erwartet mich doch auch Schönes! Meine anderen Kinder, der Garten, die Schule. Wir sind gesund und zusammen. Warum, wofür? Wie wär`s mit einer Landung mitten im Meer? Auf Nimmerwiedersehn? Mann, nein, ich will noch nicht weg sein, hab noch so viel vor, freu mich auf neue Projekte. Ach Projekte, ganz schön hochgestochen. Überhaupt sollte ich doch jetzt langsam mal zufrieden sein, aufhören zu suchen, mich einfach zurücklehnen. Zurücklehnen, ich? Von Erinnerungen zehren? Niemals nicht! Da kann ich ja gleich tot umfallen.  Will ich aber nicht.

Noch drei Stunden bis zur Landung. Ich freu mich. Schön war`s. Und den Rest kriegen wir auch noch gebacken. Irgendwie geht es immer weiter.

17 Gedanken zu “Kampf der Gedanken

  1. Was gibt es, worauf du dich zuhaus freuen kannst? Es gibt dort immer etwas oder jemanden! Weg von den miesen Gedanken, hin zur Freude.
    Ein Leben von Urlaub zu Urlaub oder von Wochenende zu Wochenende?
    Besser nicht… Das sind schon weit mehr Gedanken, als ich hier zu schreiben vorhatte.. Liebe Grüße, Annette

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    1. Ja schon. Seit zwanzig Jahren ist mein Vater nun schon tot und seither muss ich mich ständig gegen Übergriffe jeglicher Art wehren. Und es wird schlimmer, denn sie hat sich so sehr hineingesteigert in ihre Opferhaltung, dass sie mittlerweile in echter Panik ist und auch geistig und körperlich immer schwächer wird. Da sie unbedingt in ihrem Haus bleiben will, ich sie auf keinen Fall bevormunden werde, muss ich da einfach durch. Also hör ich jetzt auf zu jammern.

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      1. Ich seh das etwas anders … die äußeren Umstände kannst du nicht ändern … sie wird sich nicht ändern und du kannst sie ja schlecht vor den Bus schubsen … da würdest du im Leben nicht mehr froh …
        Aber … dass es dich so belastet … das Wort „Elend“ oben im Text … das hat mich erschreckt … das berührt mich …
        Und da könnte man vielleicht doch was dran machen

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      2. Habe stundenlang Musik gehört und nachgedacht – und mit meinem Mann gesprochen. ich muss es schaffen,die Dinge anders zu bewerten, gelassener zu reagieren. Die Schwierigkeit besteht für mich darin, dass ich mich oft so besetzt und von mir abgeschnitten fühle, wenn ich mit Forderungen überhäuft werde. Dann stürzt das alles über mir zusammen. Diese Zustände stehen in krassem Gegensatz zu meinem sonstigen Lebensgefühl, das eher heiter, beschwingt, zupackend ist.

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      3. Ich glaube, als Erstes steht die Frage „Bin ich bereit, mein Leid abzugeben? “
        – Denn das ist ein großer und mutiger Schritt – viele Menschen halten lieber fest am Schmerz … unbewusst … weil es leichter ist und vertraut …

        Der nächste Schritt wäre dann „Bin ich bereit, mir helfen zu lassen?“
        Wie wollen wir durch Anstrengung heraus kommen aus etwas, das tief in uns drin sitzt ?
        Je mehr wir dagegen gehen, umso größer und stärker wird es … Ja … Yoga und Meditation … aber wie viel braucht es davon und wie viel Zeit können wir dafür aufbringen in unserem ganz normalen täglichen Leben ?

        Hilfe von Gott und den Menschen
        Sich an Gott wenden und Ihn um Hilfe bitten
        Und/ oder sich Hilfe holen von Fachleuten
        Das kann es so viel leichter machen
        Denn vielleicht ist es viel leichter als wir denken

        Die Kreise durchbrechen
        Mit einem Blick und Hilfe von außen geht das viel besser

        Alles Liebe ❤

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      4. Ich kann beides insofern bejahen, als ich diese une´gesunde Fixiertheit gerne abgeben würde und mir auch schon öfter Hilfe geholt, delegiert, anders organisiert habe. Ein Bedürfnis, gebraucht zu werden oder von meiner Mutter geliebt zu werden, habe ich nicht. Wertschätzung für meinen Einsatz fordere ich. Leider haben alle Personen, die sich mal gekümmert haben, nach spätestens drei Monaten entnervt aufgegeben, weil sie nervlich am Ende waren oder plötzlich Herzprobleme bekamen. Es landet immer wieder bei mir.
        Richtig belastend sind nicht das Kochen und Organisieren, nicht mal mehr die Einkäufe und Besuche – das erledige ich einfach -, sondern die Erfahrung, dass es jederzeit zu Tag und Nacht jammernde, fordernde, anklagende Überfälle geben kann, die es erschweren, Luft zu holen, sich ganz auf Eigenes zu konzentrieren.
        Vielen Dank übrigens für deine Denkanstöße. Sie bedeuten mir viel.

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      5. Und wie wäre es mit Psychologischer Unterstützung ?
        Für dich
        Als Luxus sozusagen …
        Somatic Experiencing zum Beispiel ist eine Super Methode zur Heilung des Nerven Systems … und … wenn ich lese, du fühlst dich „besetzt“ und … wie war das .. von dir entfernt oder so ähnlich … das kann man heilen … heil machen … dich wieder ganz machen … deine natürlichen Grenzen reparieren …
        Hoffe, du fühlst dich nicht auf den Schlips getreten … aber ich denk mir … deine Mutter war ja schon immer deine Mutter … und da ist eventuell von Anfang an das Eine oder An schief gelaufen … und da kommt man nicht so leicht dran, einfach indem man sich vornimmt, anders damit umzugehen, anders zu reagieren …
        Es gibt sicher noch andere gute Methoden …
        Unterstützung FÜR DICH
        Für dein Inneres …
        Bei deiner LebensGeschichte hast du dir die doppelt und dreifach „verdient“

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      6. Da war von Beginn an alles falsch, das siehst du schon richtig. Sie hat sich stets als etwas inszeniert, was sie nicht ist. Dinge erzählt, die nicht stimmten, auf andere herabgeschaut. Das war mir unerträglich und manches Schauspiel hab ich ihr vermasselt. Ich war nie die Tochter, die sie sich gewünscht hätte, sie nicht die Mutter, die ich gebraucht hätte. Dass da keine Mutterliebe war, dafür kann sie nichts. Die kann man nicht erzwingen. Sie allerdings süßlich vorzuspielen, sobald Leute da waren, dafür schon. Aber auch das ist schon lange nicht mehr wichtig.

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  2. Ein wilder Affe, dein Geist. Das kenne ich … gerade aus besagten Zeiten von Übermüdung und viel los drumherum. Meditation und Yoga können helfen … ganz wichtig: Nicht schimpfen mit dem Geist, wenn er noch ein Weilchen so tut, wie er will 😉

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