Singapur

Aufenthalt in Singapur von 7.00 Uhr morgens bis Mitternacht hatten wir ganz bewusst gewählt, um uns diese Stadt einmal anzusehen. Nun haben wir weder Interesse an der Formel 1-Strecke oder berühmten Hochhäusern, noch wollten wir einkaufen. Uns geht es immer mehr um die Atmosphäre einer Stadt. Ich hatte ja so meine Vorurteile bzgl. der strengen Gesetze dort. Geplant hatten wir, einige Stunden an einem Strand auszuruhen und dann Little India, das arabische Viertel sowie Chinatown zu besuchen, das alles auf uns wirken zu lassen und uns an verschiedenem streetfood zu erfreuen. Möglichst alles zu Fuß, um das Leben aufzusaugen. Nur keine der angebotenen kostenlosen Stadtrundfahrten mit Horden anderer Touristen. Vielleicht keine allzu gute Entscheidung? Dazu hatte ich meinen großen Rucksack geschultert mit Handtüchern, den Papieren und dickeren Sachen für den Weiterflug bzw. die Ankunft in Deutschland. So weit so gut.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass wir diese gewaltige Stadt als unerwartet leise erlebt haben, selbst Baumaschinen verursachten kaum störende Geräusche. Die Menschen waren trotz aller Geschäftigkeit überaus zugewandt, ja geradezu fürsorglich. Alle wirkten freundlich und gelassen, nicht so gehetzt wie in unseren Großstädten. Das hat mich sehr überrascht, hatte ich doch Bewohner erwartet, die ängstlich darauf achten, nur keinen Fehler zu machen. Das gilt sowohl für Personal an Flughafen, Bahnhöfen als auch Privatpersonen. Kaum machten wir einen verunsicherten oder verzweifelten Eindruck, wurden wir herzlich angesprochen, ob wir uns verlaufen hätten, wie man uns helfen könne. Beeindruckend.

Als wir das Flughafengebäude verließen, liefen wir gegen eine Wand aus Hitze und Schwüle – 34°C im Schatten und 85% Luftfeuchtigkeit. Tapfer trotteten wir los Richtung Hafen, gerieten jedoch allerorten an Barrieren, wo wir nicht weiterkamen. Entweder  trafen wir auf riesige Baustellen oder die Straße hörte einfach auf, sodass wir vor einer Mauer standen und umkehren mussten. Bei unseren Umwegen liefen wir über Wohnanlagen mit herrlichem tropischen Baumbestand, durch überdachte Zuwege und sahen überall lediglich überdachte Vorräume mit Steinbänken und Tischen, oft mit eingelassenem Schachbrett und Grill- und Kochstellen. Auch durch alte Stadtteile – die gibt es tatsächlich noch – und vorbei an Ausläufern des Flusses führte uns der Weg. Irgendwann brauchten wir dringend einen Kaffee. Wir betraten ein kleines Lokal, vor dem zwar einige nette Tische und Stühle standen, verdrückten uns jedoch lieber in den kühleren Innenraum. Mein Mann hatte zwischenzeitlich in einem Hauseingang sein nasses T-Shirt gegen ein frisches ausgewechselt. Wir machten Witze darüber, ob uns wohl gleich die Moralpolizei verhaften würde. Es ging bereits langsam auf Mittag zu und wir hatten noch immer nicht den Hafen gesehen, wussten nicht einmal mehr, ob wir überhaupt in der Nähe waren. Das nennt man wohl orientierungslos.

Dennoch war es schön, kräfteraubend aber schön. Der dunkle Innenraum des Cafés war sehr anheimelnd. Die beiden jungen Besitzerinnen hatten sich offensichtlich dem Kaffee als solches verschrieben. Es gab 20 verchiedene Sorten, an den Wänden hingen Landkarten und Fotos der verschiedenen Anbaugebiete. In einer zarten Vitrine lockte uns Cheesecake, selbstgebacken – im Gastraum in einem Backofen – und in verschiedenen Variationen. Den mussten wir natürlich auch probieren, genau wie vier Kaffeesorten. Hier hatten sich ganz offensichtlich zwei junge Frauen einen Traum erfüllt. Sie waren so entzückend und anmutig in ihrer Freude über ihre Arbeit, ihr Werk und unser Interesse daran. Gestärkt und angesteckt von dieser Lebensfreude verließen wir den Ort.

Wie aber jetzt weiter? Die Uhr lief. Ein paar Leute bei einer Bushaltestelle, in deren Schatten wir anhielten, sprachen uns an und wiesen den Weg, suchten uns den richtigen Bus heraus, der uns ganz in die Nähes des Hafens bringen sollte. An der Endhaltestelle lag noch ein Stück vor uns, aber man konnte das Meer schon sehen. Man hatte uns auf unser Befragen zum relaxen einen „beach“ empfohlen, den man von diesem Hafen aus erreichen konnte. Nach dem langem, Schweiß treibendem Marsch dort angekommen stellte sich aber heraus, dass die entsprechende kleine Insel ein riesiger Vergnügungspark war und es dort gar keinen Strand gab. Nicht so ganz unsere Vorstellung von relaxen.

Danach fuhren wir dann mit der U-Bahn nach Chinatown. Gelaufen waren wir genug. Das war schon sehr beeindruckend dort und wir haben einiges an streetfood probiert. Ein Gewusel in riesigen Hallen, eine Garküche neben der anderen, Geruchsekstase, rauchende Kessel, schwitzende, hart arbeitende Köche, die gewaltige Eisenpfannen über Gasflammen schwangen, und Frauen mit druchdringendem Organ, die Bestellungen aufnahmen und Gerichte ausriefen. Und alles funktionierte reibungslos. Wir probierten so viel wir konnten, nicht alles war mit unserem Geschmack kompatibel, anderes gewöhnungsbedürftig. Ein ganz besonderes Erlebnis. Und diese wunderbaren Kinder überall, die mein Herz aufblühen lassen, wo immer ich auch bin. Als wir die Hallen verließen und auf dem Absatz einer Treppe zu  mit tausenden von Lampions behangenen Straßen weiter durch Chinatown gehen wollten, ging es meinem Mann plötzlich gar nicht gut. Sein Kreislauf drohte schlapp zu machen. So verzichteten wir auf den Besuch dieser Straßen und ich zog ihn in eine klimatisierte Passage. An einer Wasserstelle kühlten wir unsere Handgelenke mit dem kalten Wasser. Eine Weile hielten wir uns dort auf und besahen uns mit geheucheltem Interesse die Auslagen der Geschäfte an, um nicht unhöflich zu sein. Irgendwie doof. Aber sich dort aufzuhalten und durchzulaufen, ohne alles eines Blickes zu würdigen geht doch auch nicht.

Wir beschlossen dann, unsere Exkursion abzuschließen und mit der U-Bahn zum Flughafen zurück zu fahren, um die verbleibenden Stunden in der Kühle klimatisierter Räume zu verbringen, was ich eigentlich gar nicht leiden kann. Aber wir trafen es gut. Es waren noch zwei Massagesessel frei, in denen wir dann doch noch „relaxen“ und schlafen konnten. erst als ich so entspannt dalag, merkte ich, wie geschlaucht auch ich war. Letzten Endes sind wir wohl für Mammutstädte nicht geschaffen. Ein ebenso langer Marsch am Berg oder am Meer hätte uns nicht annähernd so erschöpft.

Das Einzige, was mich in Singapur gestört oder vielmehr erschreckt hat, waren Durchsagen in der Bahn, dass man unverzüglich einen Notknopf drücken solle, wenn man eine seltsame Person oder einen merkwürdigen Gegenstand sähe.

Fotos liefere ich morgen nach, sobald mein Mann sie mir überträgt.

 

 

4 Gedanken zu “Singapur

  1. Spannender Bericht, danke! Ich war vor Jahren Mal ein paar Stunden dort auf dem Flughafen und erinnere mich gern an eine Blumenterrasse, die dort angelegt war. Nicht sehr „natürlich“, aber eine Augenweide während einer langen Reise. LG, Ruby

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