Neuseeland IV

Den Rest unserer Reise schildere ich in einer Zusammenfassung.

Zurück in Wellington suchten wir Ostereier am Strand, aßen in einem abgefahrenen, total einfachen improvisierten Strandlokal mit skurrilem Publikum und verlebten einen ungewohnt ruhigen restlichen Ostersonntag zu Hause. In der beginnenden Abenddämmerung – meine Unruhezeit – trieb es meinen Mann und mich noch einmal raus an die Lyall-Bay, wo sich eine Menge Surfer im Wasser versammelt hatten. Komisch, das Meer war eigentlich recht ruhig. Die Surfer standen oder lagen weit draußen auf ihren Brettern und warteten fast regungslos. Langsam wurden die Wellen wilder und höher. Kaum eine Viertelstunden später waren sie zu einer beachtlichen Brandung geworden und ein tolles Schauspiel begann.  Wie auf Kommando schwammen die Menschen hastig auf die Wellen zu, erhoben sich mit einem Schwung und ritten auf den Wellen entlang. Der Eine länger, der Andere nur ganz kurz. Es war schon fast dunkel, als die letzten sich aus dem Wasser begaben.

Am nächsten Tag, nach einem sehr frühen Boxtraining meines Sohnes und einer ebeno frühen Suche unsererseits nach einer „deutschen“ Bäckerei fuhren wir über Lower und Upper Hutt in die Berge und darüber hinaus. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele verschiedene Landschaften ich an diesem Tag zu sehen bekam. Durch ein langes, mit Weiden bewachsenes Flusstal ging es auf immer schmaleren Straßen in extrem windige Höhen durch Wäldermit riesigen Baumfarnen und ausladenden bizarren Baumgestalten auf die Spitze des Geländes zu. So manches Mal wurde unsere kleine, leichte Mietkutsche von Böen erfasst, die sie zur Seite hüpfen ließen. Nicht so ganz angenehm bei engen, gewundenen Straßen, die in der Regel seitlich gleich tiefe Gräben haben. Belohnt wurden wir mit einem sagenhaften Blick in die Täler und Schluchten, die hinter und noch vor uns lagen. Und immer schien die Sonne. Auf dem weiteren Weg entlang der Ausläufer des Tararua Forest Parks vorbei an der Stadt Masterton zum an der Ostküste gelegenen  Castlepoint durchquerten wir weitere verwunschene Wälder und kamen schließlich in ein Gebiet mit Farmen und Kuhweiden, an deren Rändern sich steile Weidegebiete mit Schafherden in die Höhe schraubten und die mich so stark an Tirol erinnerten. Weiter ging es vorbei an Weingütern und durch malerische Kleinstädte mit mildem Klima und wunderbar friedvoller Atmosphäre der Küste entgegen. In einer machten wir halt, auch weil die Kinder Hunger bekommen hatten. Hier konnte man das nahe Meer schon ahnen. Besonders aufgefallen ist mir der gut erhaltene Bau des Hotels White Swan, dessen Terrasse gänzlich von einem breiten weißen Holzbalkon beschattet wurde. Ein wunderschönes Haus  mit ebenfalls friedlicher, hoffnungsvoller Ausstrahlung.

Schließlich erreichten wir einen breiten Sandstrand mit einem Leuchtturm am Ende. Als wir – zu Fuß – dort anlangten, sahen wir, dass der Strand auf der anderen Seite der Siedlung noch breiter weiterging. Er war gesäumt von imposanten durchbrochenen Felsen. Auch hier waren Surfer zugange, einige Familien hatten sich auf Strandmöbeln oder einfach Handtüchern gelagert, die Kinder spielten am Wasser und an kleinen Höhlen am Rande, Hunde liefen herum,  ein Quad zog eine kleine Wanne mit zwei juchzenden Kindern, zwei Crossmaschinen lieferten sich ein Rennen. Die beiden jungen Fahrer winkten uns zu, als sie uns lachen sahen. Dennoch wirkte alles ruhig und gelassen, fern jeder Gereiztheit oder Aufregung. Am Ende dieses Strandes erhob sich ein bewachsener Berg. Unsere Kinder beschlossen, dort hinauf zu gehen. Wir blieben am Strand und liefen, liefen, liefen, hatten solche Freude. Wer weiß schon, wann wir mal wieder an einem solchen Meer sein werden.

Was für ein Tag. Die vielen Eindrücke hatten mir fast die Sinne vernebelt.

Ich denke, wir haben alle Strände von Wellington gesehen, jeder war anders, auf seine Art besonders. Dann waren wir noch auf einem ganz speziellen Markt, am Hafen, haben viele interessante Lokale besucht, ich habe das Studio besucht, das meine Schwiegertochter als personal trainee zusammen mit einer Freundin betreibt, die wundervolle Kita, in der meine Enkel Englisch und Maori lernen und völlig unge(be)zwungen jeden Tag etwas Neues lernen und Naturexkursionen machen.

Und wir haben so vor uns hin gesponnen, dass wir eines Tages mehrere Monate im Jahr dort verbringen möchten. Sicher hab ich noch ganz viel vergessen. Ich hoffe, es ist trotzdem ein spannender Bericht geworden.

 

7 Gedanken zu “Neuseeland IV

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