Rückschläge

Kaum zu Hause geht das alte Elend wieder los. Die ewig alten Geschichten. Die Mutter hat ja so gelitten. Und die fremden Männer im Haus. Die Giftgasanschläge. Ein altes Weidenkörbchen, das aus dem Haus gestohlen wurde, obwohl die Tür nicht zu öffnen ist, wenn innen ein Schlüssel steckt. Nur jemand mit Schlüssel kann…, womit wir wieder bei mir, meinem Mann oder meinen Cousins wären. Mitternächtliche Anrufe. Reden über Selbstmord.

Sie will nicht allein bleiben, aber in keinen Seniorenstift. Eine fremde Person kommt ihr aber auch nicht ins Haus. Soll heißen, sie will mich mal wieder dazu kriegen, bei ihr zu wohnen und meinen Mann hier allein zu lassen. Es dauere ja eh nicht mehr lang, sie sei so müde. Das bin ich langsam auch, aber das interessiert nicht, hat nie interessiert. Auch nicht, als Nele krank und pflegebedürftig war. Keine Hilfe – niemals. Bat ich darum, inszenierte sie wieder eine Krankheit. Gut, das ist Geschichte – doch es kommt manchmal wieder hoch.

Ich werde auch das überstehen, es wird sich biologisch lösen. Finde es schlimm, so zu denken. In Neuseeland hatte ich weder Rückenschmerzen noch Herzflattern, keine Übelkeit und meine Hände lösten sich nicht auf. Schmerzen, die nur mit heißem, sehr heißem Wasser zu übertönen sind. Ein tolles Gefühl, ich will das nicht alles zurück. Doch es ist wieder da.

Trotzdem werde ich diesen Sonntag genießen, werde mit meinem Mann auf der Terrasse Kaffee und einen Martini trinken, frischen Kirschkuchen essen und die Zeiten zwischen den Anrufen und Anfechtungen genießen. Und mir immer mal sagen, dass es für sie auch nicht leichter wird oder so. Oder ich hau einen Wutsatz raus. Auch das tut gut. Mir jedenfalls.

16 Gedanken zu “Rückschläge

    1. Da ist etwas Wahres dran. Den habe ich jedoch schon bemüht, als ich nach Neuseeland geflogen bin und jedes Mal, wenn ich für ein Wochende nach Tirol verschwinde. Auch dass ich nicht auf meinen geliebten Garten verzichte, um mehr Zeit für ihren zu haben zeigt ein gewisses Maß an Egoismus. Wenn ich mein Maß dabei überschreite, endet das nur in einem schlechten Gewissen, welches mich länger beeinträchtigt als gewisse Dinge zähneknirschend und mit einem gewissen Zorn hinzunehmen. Selbst ständig meine Grenzen darzulegen, macht mittlerweile kaum noch Sinn, da am nächsten Tag alles wieder vergessen ist.

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  1. Es ist schwer … Deine Geschichte erinnert mich an einen Freund, dessen Vater in seinen letzten Lebensjahren ebenso stur und uneinsichtig unterwegs war. Bei Dir kommen noch diese massiven Erpressungsversuche hinzu. Mein Freund hat seinem Vater damals klar eröffnet, dass, sollte er weiterhin Hilfe verweigern und uneinsichtig bleiben, er zu seinem eigenen Schutz unter Vormundschaft gestellt würde. Das hat geholfen … Manche brauchen den ganz dicken Knüppel.

    Es ist von außen schnell gesagt, ich weiß. Aber Du leidest und das berührt mich. Ich wünsche dir Beharrlichkeit und Entschlusskraft, dich den Anwürfen deiner Mutter zu widersetzen.

    Lieben Gruß.

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    1. Unser Spruch lautet. Wenn ich so werde, erschießt mich. Wobei ich Gift bevorzugen möchte, aber das klingt nicht drastisch genug. Wir haben unsere Kinder aus der Pflicht entlassen, für uns zu sorgen. Nebenbei, bei meiner Mutter ist das keine alleinige Alterserscheinung. Sie war immer nur auf sich bezogen und hat so viele Lügen gestrickt, dass sie sich darin verstrickt hat. Traurig, aber selbstgemacht.

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      1. Ich verstehe. Sie hat immer Erwartungen, die keiner oder nur schlecht erfüllt werden. Auf ganzer Linie also eine energieraubende Person.
        Du tust gut daran, dich zurückzulehnen und zu genießen, nörgeln wird sie so oder so.

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