Neue Ideen aus dem Kultusministerium

Große Selbstbeweihräucherung im Provinzblatt. Gefeiert wird die Idee, dass jeder Schüler sein eigenes Tablet bekommt – schon in der Grundschule.

Ist das nicht eine tolle Idee? Bevor die Schüler richtig schreiben, lesen oder rechnen  können, bekommen sie ein Tablet. Wir haben in jedem Klassenraum 4 Computer und einen großen Computerraum, der ausgelastet ist. Es gibt Unterrichtsinhalte, bei denen der Einsatz von Computern wirklich sinnvoll ist zum Üben, weil das Kind sofort eine Rückmeldung erhält, ob es eine Frage richtig oder falsch beantwortet hat. Es gibt viele sinnvolle Lernspiele, die die Reaktion trainieren.

Aber diese Einrichtungen sind ausreichend m. E.  Sollten wir nicht lieber mehr Lehrkräfte einstellen, die erst einmal dafür sorgen, dass es mehr Ganztagsschulen geben kann, kleinere Klassen möglich werden, dass Ruhe in die Klassen kommt, die Schüler ihr Handwerk beherrschen und ihr Denken schulen, bevor wir Geld für solche Maßnahmen in der Grundschule ausgeben?

10 Gedanken zu “Neue Ideen aus dem Kultusministerium

  1. Liebe Caroline,

    gut, daß Du in der Lage bist, Dein Gehirn einzuschalten und die medial-digitale Selbstweihräucherung zu durchschauen.

    Sogenannte Medienpädagogen lobpreisen die „Medienkompetenz“ als das Bildungswerkzeug an sich. Diese Behauptung und dieses neue Bildungsexperiment stehen im Dienste kommerzieller Interessen und nicht im Interesse des Kindeswohles oder gar der Demokratisierung des Zuganges zu Wissen.

    Das leider weit verbreitete Mantra, daß man Kinder so früh wie nur möglich mit digitalen Medien vertraut machen soll, ist nichts weiter als eine Vermarktungsstrategie großer Elektronikkonzerne und Medienunternehmen, die sich ihre zukünftigen Konsumenten schon von ganz klein auf heranzüchten/herandigitalisieren wollen.

    Medienpädagogen, Medienexperten, E-Learning-Vertreter und Gewaltspiele-Verharmloser brauchen ganz dringend Nachhilfeunterricht in Neurobiologie und nicht noch mehr und noch jüngere kindliche Versuchskaninchen, die marktwirtschaftlichen Interessen preisgegeben werden.

    Nachfolgend der Link zu meiner Besprechung des wertvollen Buches von Manfred Spitzer: Digitale Demez:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/06/19/digitale-demenz/

    Nachtaktive Grüße 🙂

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  2. Tja, die Medienkompetenzen fördern die Damen und Herren der Politik (weil sie es selbst nicht so beherrschen?). Was den Schülerinnen und Schülern aber wirklich fehlt, zum Beispiel eine produktive Nutzung der Hände und mehr Ruhe (und Durchhaltevermögen) beim Lernen, da schaut niemand hin. Denn das zu fördern, wäre richtig teuer. Ach, ab dem kommenden Schuljahr werde ich mich auch wieder darum bemühen, die lieben Kinder mit Kultur und Kulturtechniken vertraut zu machen. Man wundert sich, welche Gräben sich da auch in älteren Klassen auftun…

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    1. Das sehe ich ähnlich, wobei ich diesen „Schreiben nach Gehör“-Unsinn oder „Lesen durch Schreiben“, wie das, glaube ich, im Fachterminus heißt, noch schlimmer finde als jegliche Verwendung technischer Hilfsmittel! Wobei das in einigen Bundesländern ja schon wieder verboten ist …

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      1. ‚Schreiben nach Gehör‘ hat viele Kinder zur LRS gebracht. Die Institute die dies wieder beheben müssen, was leider nicht wirklich klappt, bringt es ein Vermögen ein. Da müssen die Eltern pro Monat ordentlich bezahlen, ( hier im Ruhrgebiet bis 200€ pro Monat). Das haut finanziell ordentlich rein und die Eltern dürfen dafür blechen was die da oben verbockt haben. Sauerei.

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      2. Das ist auch so ein kulusministerial verordneter Blödsinn. Erst ist Rechtschreibung unwichtig und später werden Diktate geschrieben und benotet. Aber als verantwortungsbewusster Lehrer kann man es ja trotzdem anders machen. Es muss einem nur egal sein, was in der Personalakte steht. Mir war es immer egal, wenn es um das Wohl der mir anvertrauten Kinder ging.

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  3. Mein Eindruck ist, dass es heutzutage Schüler gibt, die nicht nur ein Tablet, sondern sogar ihren kompletten Schulabschluss bekommen, bevor sie richtig schreiben, lesen und rechnen können. 😉

    Aber ob man zwingend in der Grundschule Tablets austeilen muss, das ist eine berechtigte Frage. Es dürfte Eltern geben, die ihrem Nachwuchs diese Dinger im privaten Bereich aus gutem Grund verweigern, denen fällt die Schule so in den Rücken.

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    1. Dein Eindruck ist leider nicht ganz falsch. Wir leben in Zeiten, in denen eine Wiederholung möglichst nicht mehr stattfinden soll – womöglich damit man die Schülerzahlen nicht weiter erhöht – und Lehrer, die es befürworten unter Druck gesetzt werden, damit alle so schnell wie möglich durch das System geschleust werden.

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      1. Und in Zeiten, in denen es gesellschaftsfähig geworden ist, dass Eltern gegen die Zensuren ihrer Kinder vor Gericht ziehen! Hätte ich das meinen Eltern damals vorgeschlagen, wäre ich – im besten aller Fälle – ausgelacht worden. Aber vielleicht wurde dieses Phänomen ja durch die Entwicklung, die Du beschreibst, begünstigt!?

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      2. Das ist wohl eher der allgemeinen Anerkennung geschuldet, dass Schein wichtiger ist als Sein. Wenn der abiturlose Mensch nichts mehr gilt, werden dementsprechend die Interessen rücksichtslos durchgesetzt. Dabei ist auf beiden Seiten das Bewusstsein verloren gegangen, dass Lehrer und Eltern eigentlich ein gemeinsames Interesse haben, nämlich den besten Start für das Kind zu ermöglichen. das Gegeneinander überträgt sich der Logik folgend auch auf die Schüler. Das ist es, was ich Eltern und Kollegen immer wieder versuche klar zu machen. Und was soll ich sagen, es gelingt fast immer bei den Eltern.

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