Rabeneltern

Diskussion in der Schule – Öffnungszeiten von Kitas bis 22.00 Uhr. Schlimm! Diese Eltern! Ich denke mir: Dieses Gegeneinander! Dieses beschränkte Denken von 12 bis Mittag, immer nur den eigenen Blickwinkel. Es gibt in diesem Land nicht nur Beamte mit sicherem Arbeitsplatz. An jeder Fehlentwicklung sollen die Eltern die alleinige Schuld tragen. Viele der heutigen Kindheitsprobleme verursacht doch dieses beknackte Schulsystem. Dieses jetzt nicht direkt. In manchen Fällen aber indirekt schon.

Ich sag jetzt was. Nicht meine ersten Gedanken, das würde nichts bewegen. Versuche das immer möglichst sachlich.

„Ja schlimme Entwicklung. Bis dahin stimme ich zu. Aber ist der wirkliche Skandal nicht die Tatsache, dass so viele darauf angewiesen sind? Ohne Bedarf gäbe es dieses Angebot nicht. Die Eltern nehmen doch nicht aus lauter Langeweile zweite oder dritte Jobs an, die bis in den späten Abend andauern. Dahinter steckt Not, Geldnot.

Wie, sie sollen dann halt keine Kinder in die Welt setzen, wenn sie nicht genug haben?  Wie oft ist bei Familiengründung noch alles im Lot, gut geplant. Doch es gibt da so Dinge wie plötzliche Arbeitslosigkeit, Konkurse, Krankheit, pflegebedürftige Angehörige, Trennungen. Und plötzlich ist alles anders, nur die Verpflichtungen bleiben.

Wir verschärfen das auch noch durch unzählige Arbeitshefte statt eines Buches, kostenpflichtige Theaterbesuche statt mehr Wandertagen, extra Turnkleidung, zwei paar Turnschuhe, Klassenfahrten weit weg mit Unterhaltungsprogramm statt in die nähere Umgebung mit Natur, normalem Spielen und Vorlesen usw.. Da die meisten Eltern etwas Besseres wollen für ihre Kinder und bei uns Ganztagsschulen mit kostenlosem, möglichst selbst gekochtem Mittagessen fehlen, geben sie dann auch noch viel Geld für Nachhilfestunden aus.

Dürfen wir wirklich über diese Eltern urteilen? Ohne jemals in ihren Schuhen gesteckt zu haben? Ich habe es, das ist bekannt. Sollten wir nicht lieber zusammenhalten und uns gemeinsam für bessere Löhne, Unterstützung für Alleinerziehende, längeres gemeinsames Lernen und Ganztagsschulen einsetzen?“

Es folgt intensives Nachdenken. Doch dann fängt schon die Konferenz an, die nur halb so lange dauern würde, wenn man sich auf zielführende Beiträge beschränken würde.  Nie ist Zeit für die wirklich wichtigen Dinge, die ganze Generationen formen oder verderben. Ich bin dafür, Administratives abzukürzen und lieber zusätzlich den Punkt „Gesellschaft verändern“ aufzunehmen, um darüber nachzudenken, wie wir die Gesellschaft wieder menschlich machen können.

Während ausufernd über die Anschaffung eines neuen Lehrwerkes – wieder mit teuren Arbeitsheften – geredet wird, fällt mit ein Elterngespräch ein, an dem ich mit der gut situierten Klassenlehrerin teilnahm. Die alleinerziehende Mutter von zwei sehr lebendigen Jungen hatte um eine Beratung gebeten. Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, als die Kollegin davon sprach, dass die Buben sicher gut in dem tollen Tennisverein oder Reitverein am Ort aufgehoben wären.

Wir müssen wieder sozial zusammenrücken – da hilft längeres gemeinsames Lernen auch -, um andere Lebenswirklichkeiten nachempfinden und uns gegenseitig unterstützen zu können.

26 Gedanken zu “Rabeneltern

    1. Die Kinder sind die Opfer, besonders wenn Lehrer diese Einstellung haben. Mir bricht das Herz, wenn so ein Kind vor mir steht und sagt, es habe die Turnschuhe vergessen und lieber einen Strich riskiert, als zu sagen, dass die Schuhe zu klein sind und Mama kein Geld für neue hat. Deshalb hab ich angeregt, dass in einer Kiste ausgemusterte Turnschuhe gesammelt werden, damit jedes sich ohne großes Aufsehen passende herausholen kann. Da meinten schon wieder einige Kollegen, dadurch würden Kinder ermutigt, undiszipliniert zu sein. Echt deutsches Problem. Es ist zu viel Dummheit in der Welt.

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  1. Ganz toll geschrieben!!!

    Für viele ist es leichter mit dem Finger auf andere zu zeigen, statt mal darüber nachzudenken, wie es im Anderen aussieht.

    Traurig, dass es immer die Kinder sind, die es ausbaden müssen. Da muss wirklich vieles geändert werden.

    Auch ich finde die Mehrgenerationenhäuser eine gute Alternative, alle profitieren davon.

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      1. Oh, da hatte ich die Brille wohl noch nicht richtig auf der Nase. 24h-kita für Schichtarbeiter finde ich völlig in Ordnung. Ich möchte im Krankenhaus auch nachts gut betreut werden. In der DDR gab es das auch schon, das Kind musste aber eine bestimmte Anzahl von Stunden (6 oder 8?) zu Hause verbringen,so dass die Mutter nachts arbeiten und tags schlafen konnte. Hier in Demmin soll eine solche Einrichtung jetzt neu entstehen, habe ich kürzlich gelesen.

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      2. Meine Töchter konnten zu DDR-Zeiten regelmäßig ins Ferienlager fahren. Die Große heulte jedes Mal herzzerfetzend am Bahnhof und schrieb danach begeisterte Briefe und Karten und kam gut erholt zurück. Die Jüngere konnte es kaum erwarten, in den Zug zu steigen und sich zu verabschieden.

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  2. Ich wäre schon froh, wenn es überall Nachmittagsbetreung mit kontrollierten Hausaufgaben gäbe. Meine beiden Enkel gehen in den Hort bis zur vierten Klasse, genau wie die beiden älteren Schwestern und früher meine Töchter. Die gesetzlich zugesicherte Deutschstunde für die diagnostizierte Rechtschreibschwäche des Älteren kann wegen Lehrer mangels oft nicht gewährleistet werden. Ausfall von Unterricht bei allen Enkeln ist an der Tagesordnung, weil es generell zu wenig Lehrer gibt
    Hier müsste dringenden etwas getan werden. Für meine in Schleswig-Holstein lebenden Enkelinnen gibt es keine Nachmittagsbetreung. Da müsste sich dringend etwas tun.
    Betreuung in der Schule bis 22.00 Uhr halte ich für bedenklich. Ein Kind braucht seinen Schlaf und muss um 8.00 h wieder fit sein. Hier muss es andere Lösungen geben. Meine Schwester arbeitete lange Zeit als Kinderfrau für 3,00€ die Stunde und betreute die Kinder in deren Wohnung, wo sie rechtzeitig ins Bett kamen. Sie half damit den Müttern und besserte ihre Rente etwas auf. Beide Seinen waren zufrieden. Eine bessere Unterstützungen Alleinerziehender wäre die Lösung, entweder durch Geld, damit eine ordentliche individuelle Kinderbetreung

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    1. Unsere Betreuung geht bis 17.00 Uhr. Theoretisch können dort Hausaufgaben gemacht werden. Praktisch jedoch ist es zu voll und zu laut für die meisten Kinder. Also müssen viele Aufgaben noch zu Hause erledigt werden. Die Ganztagsschule würde diesen ganzen Druck aus den Familien nehmen, damit sie die wenigen gemeinsamen Stunden genießen können.

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  3. Es gibt aber auch viele, sehr viele Berufe wo man Wechseldienst hat, Sonntags- & Feiertags arbeiten muss. Es gibt so viele die kein normales Wochenende kennen. Von wegen Freitag 16 Uhr ab nach Hause.
    Die Kinder die bis 22 Uhr in der Kita bleiben kommen dafür dann auch später, es ist kein abschieben. Es ist notwendig.
    Im Osten gibt es auch Kitas wo es selbstverständlich ist das die Kinder dort auch übernachten können, wenn es die Arbeit erfordert.

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    1. als die Kinder um zehn abends abzuholen, damit ihre Nachtruhe nicht gestört ist. Am besten fände ich es, man konnte mehr in sozialer Gemeinschaft lösen. Mehrgenerationenhäuser sehe ich hier als gute Alternative. Aber auch durch Familien in der Nachbarschaft, die ebenfalls Kinder haben. Ein, zwei mehr an manchen Tagen oder zum Essen spielt doch keine Rolle. Wichtig für die Kinder ist doch die Sicherheit, dass immer jemand für sie da ist und sie sich nicht als Problem empfinden.

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      1. Das klingt natürlich alles so leicht wenn man drüber nachdenkt. Aber jemanden zu finden ist dann schon schwerer.
        Ich bin froh das meine schon so groß sind, die bleiben gerne mal alleine.
        Wenn ich heute sehe wie schwer es schon allein ist einen Kita-Platz zu bekommen, wegen dem Anrecht für die U3 Kinder, wird das Andere auch nicht einfacher sein.

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      2. Es ist eine Sache der Wahrnehmung und des Willens und natürlich auch der zunehmenden Bürokratie mit ihren blödsinnigen Vorschriften.
        Ich hatte es in unserer Sackgasse mit 14 Kindern so eingeführt, dass immer jemand für Kinder da war. Meistens ich, weil ich durch unsere Selbständigkeit mir meine Zeit einteilen und vieles abends erledigen konnte. Und damit Eltern auch mal ausgehen und an sich selbst denken konnten, schliefen dann auch am Wochenende mal 6, 7 Kinder in einer Familie. Das war total entspannt. Man musste nie Angst haben bei Verzögerungen, Verspätungen und die Kinder fühlten sich wohl.

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      3. Das hört sich echt gut an. So Sackgassen habe ihre eigene Welt. Das kenn ich von einer Freundin, da funktioniert die Gemeinschaft auch ganz gut.

        Bei uns ist es schon schwer das sich die Kinder mal treffen, da müssen erst Termine gemacht werden und im Kalender geguckt werden wer wann mal Zeit hat.

        Das war früher einfacher, man ist raus gegangen und irgendeiner war immer da.

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