Silvestertag

Am frühen Morgen des letzten Tages hat sich dichter Nebel auf Täler und Höhen gelegt, der alles verbirgt. Der gleiche Zustand hat sich meines Kopfes bemächtigt. Unheimlich! Angst, Entsetzen – über mich – sind geblieben von einem Traum, der nicht mehr zu fassen ist. Und Schuld! Natürlich. Was auch sonst? Wieder so ein diffuses Schuld-Ding. Kaum etwas Anderes kann mich so aus der Fassung bringen, mich fast orientierungslos krampfhaft rotieren lassen. Von außen seh ich mir zu. Kopfschüttelnd.

Doch Kaffee kochen funktioniert wie gewohnt. Mit der größten Tasse voll dampfenden Gebräus und einer Zigarette setze ich mich auf die Bank am Balkon. Starre blicklos auf dunkle Äste der Linde, die einzig sichtbar sind. Was war das nur für ein Traum? Wo ist der Film dazu geblieben? Ich will das jetzt wissen! Wer bin ich wirklich? Wie nah bin ich am Abdrehen? Ach, keine Panik. Ruhig bleiben. Nicht näher als in all den Jahren zuvor.

Ich kenne diese Zustände, dennoch schrecken sie mich. Bald wird es vorübergehen und ich werde wieder Herr sein in meinem inneren Haus.

Eine plötzliche Bewegung weckt meine Aufmerksamkeit. Ein Rabe hat sich auf einen Ast mitten im Baum gesetzt. Er sieht zu mir herüber, nickt mir zu. Möcht ich meinen, möcht ich glauben. Ein Bild blitzt kurz auf. Einen Eimer mit Unrat habe ich ausgeschüttet, ein kleines Kind dann fest in den Arm genommen. Jawoll, weg mit dem ganzen Mist. Der mich immer wieder verunsichern will.

Stunde um Stunde wird es heller, sogar die Sonne kommt heraus. Ein Stückchen fahren, dann laufen und die herrliche Gegend genießen, Hirn auslüften, Treffen mit Freunden. Später dann kommen die Jungs der Bauern und räuchern Haus, Wohnung und Ställe aus. Wie wunderbar! Wie sinnig gerade heute.

Der Jahreswechsel kann kommen. Ich bin so weit. Und gut wird es werden, das Neue Jahr – nicht nur – aber doch auch.

 

3 Gedanken zu “Silvestertag

  1. Gelesen und mit-gefühlt … ich kenne solche Träume. Solche und andere. Vor dem Tage weichen sie zurück,aber sie verschwinden nicht. Manchmal kommen mir auch meine Zweifel an meinen Gemüt-Zuständen. Andererseits ist es recht eindeutig – was ich nicht erkennen kann oder möchte, kommt mich des Nachts heim-suchen. Gut verpackt in abenteuerlichen Bildern.

    Wir sind so viel mehr als Ratio und Wille.
    Es gibt viel zu schauen …

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