Der Tipp mit dem Sekt und andere Weihnachtspannen

Mein Aufgabenbereich war an Heiligabend noch etwas umfangreicher als gewöhnlich. Kunden und Nachbarn beschenken, Festessen vorbereiten und tausend plötzliche Wünsche berücksichtigen. Trotzdem den Nachmittag mit den Kindern nutzen. Vorlesen, Plätzchen essen, Kakao trinken, unterhalten, um Hektik an diesem schönen Tag zu vermeiden. Kurz vor dem Abmarsch zum Krippenspiel mit anständig gekleideter, aufgeregter Kinderschar konnte ich schnell duschen, um danach mit noch feuchtem Haar den großen Eingangsbereich zu wischen, rückwärts dem Ausgang entgegen. Routine.

Entsprechend schnell meldete sich nach Festmahl, Bescherung und Heimfahrt der Eltern eine bleierne Müdigkeit. So folgte ich dem Rat der Nachbarinnen mittleren Alters, Sekt zu trinken, um den Kreislauf anzuregen. Als ich verdreht auf dem Sofa wieder aufwachte, fand ich meine Kinder schlafend: auf einer Treppenstufe, den Teddy im Arm; unter dem Tisch, Seite an Seite mit den Hunden; zu meinen Füßen mit dem Kopf auf dem Seeräuberschiff; auf der Galerie neben dem Kassettenrecorder, der selbsttätig die Kassette „drehte“ und aus welchem Benjamin Blümchen trötete.

Weitere Pannen:

– als der neue Backofen auf die falsche Zeit eingestellt, die Gans entgegen der Erwartung noch kalt war und meine Eltern nicht zur gewohnten Zeit essen konnten bzw. sich erst einmal auf Schmalzbrot beschränken mussten.

– als zum Kaffeetrinken Salz in der Zuckerdose war.

– als ich technik-resistente Mutter zwei Kinder unbeabsichtigt zum Weinen brachte, weil die doofen Fernlenkjeeps ohne Batterien nicht funktionierten.

– als die Mini-Kanonenkugeln der Ritterburg im gesamten Wohnbereich als abendfüllendes Programm mühsam von allen gesucht werden mussten, um den Bruder zu besänftigen.

– als meine Eltern entgegen meiner Bitte eine Märchenschallplatte kauften und auflegten und drei Kinder bitterlich weinten, weil Schneewittchen vor Schmerzen schrie (Künstlerische Freiheit?).

 

Aber wundervoll war es, wenn ich mit meinen Kindern nach dem Krippenspiel aus der Dorfkirche kam und es zu schneien begonnen hatte. Wenn wir beseelt und  fröhlich singend nach Hause gingen. Und ich lachte innerlich noch jedes Jahr, weil der Pfarrer in einem Gottesdienst erzählt hatte, wie enttäuscht er war, als er im Krippenspiel nicht den Jesus, sondern nur den Tannenbaum spielen durfte. Worauf ein alter Bauer, zugleich sein Schwiegervater, gerufen hatte: „Unn so isses aach bis heit gebliwwe!“

2 Gedanken zu “Der Tipp mit dem Sekt und andere Weihnachtspannen

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