Ich will kein Weihnachten

Ich will kein Weihnachten, an dem man nur gezwungener Maßen zusammenkommt,

an dem es nur um die teuersten Geschenke geht und das festlichste Outfit,

kein Fest der erzwungenen vorgeführten Kinderauftritte – möglichst noch in Konkurrenz zueinander,

an dem Beschenkte beleidigt sind, weil die Gaben nicht wertvoll genug sind,

an dem verdrängte Konflikte aufbrechen und man sich gegenseitig verletzt, nachdem das letzte mit schmerzenden Schnörkeln überfrachtete Weihnachtslied von der CD geflohen ist und der Alkohol die Zungen gelockert hat,

an dem der Tannenbaum, verkommen zum Statussymbol, vollkommen in den Trendfarben leuchtet,

an dem eine überarbeitete, entnervte Hausfrau froh ist, wenn endlich alle fort sind und sie dieses Ereignis für ein Jahr vergessen kann.

 

Ich will ein Weihnachten, das ein frohes Fest ist. Bei dem es darum geht, in Liebe diejenigen zusammen zu führen, die sich lange nicht gesehen haben,

wo die Kinder fröhlich, unbekümmert spielen und lachen,

wo zusammen gekocht und gegessen wird, auch diskutiert, aber über die wichtigen Dinge des Lebens und mit Respekt voreinander,

einen Heiligabend, an dem man spät auseinandergeht und glücklich ist, mal wieder ganz tief drinnen daheim zu sein,

einen ersten Feiertag, der mich ganz ruhig werden lässt und meine Seele öffnet,

an dem ich in aller Frühe auf dem Sofa sitze, ganz für mich, frischen Kaffee trinke, Plätzchen esse und in einem Buch lese, bevor die Kinder aufwachen und ein fröhlicher Sturm mich packt,

an dem ich spüre, was Weihnachten mir wirklich bedeutet, ich gut sein möchte für immer,

an dem ich versöhnt bin mit allen Widernissen und Verletzungen, Vergangenes vergangen sein lasse,

tiefen Frieden fühle und diesen auch anderen schenken will,

an dem die Hoffnung wieder aufblüht, dass alles gut wird und schon richtig sein wird.

Ich danke meinen Großeltern, besonders meiner Oma und  meiner geliebten Tante Martha, dass sie mich solche wahrhaftigen Feste haben erleben lassen und mir so besondere Gefühle schenkten, die mir Kraft gegeben, alles überdauert haben.

Noch ist es nicht so weit in mir, aber ich fühle es kommen. Es kommt immer.

 

 

23 Gedanken zu “Ich will kein Weihnachten

  1. Ich habe soeben zu deinem Blog gefunden und kann diesem Text nur aus vollstem Herzen zustimmen. (Dabei bin ich nicht mal Christ, eher so was wie ein konfessionsloser Hippie… aber war Jesus das nicht eigentlich auch?)
    Vielleicht willst du ja mal auf meinem Blog vorbeischauen, ist recht neu und daher noch nicht so viel los, dafür aber alles mit Mühe, Liebe und viel Zeit gestaltet. Ich lege außerdem Wert auf viel richtig geschriebenen Text und wenig Bild, etwas, das mir hier auch gut gefällt 🙂

    Einen schönen dritten Adventsabend wünscht
    kolumnalpolitik

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich denke immer: warum kommen Familie unter dem Zwang der Feiertage zusammen, wenn im Vorfeld schon auszumalen ist, dass es Streit geben wird? Warum lassen diese Familien es nicht einfach sein? Sie könnten sich doch an anderen Tagen treffen, und vielleicht auch nicht alle zusammen… sie könnten mal zurückschauen auf vergangene Jahre und Veränderungen herbeirufen um des Friedens willen… Ausdrücke wie, „das macht man so“ oder „zu Weihnacht kommt man nun mal zusammen“ sind falsch am Platz, wenn Streit bereits vorprogrammiert ist. Aber gut, Selbstreflexion und Mut zur Veränderung sind ja bekanntlich nicht jedermanns Sache. LG Ela🎅

    Gefällt 4 Personen

  3. Nun ja. Zusammenkommen … kann man wohl auch innerlich. Ich werde Heiligabend nach dem Familiengottesdienst mit mir und meinem verstorbenen Mann verbringen, allein vor meinem Baum ein paar Lieder singen, ohne CD, denn ich habe keinen Player, ein paar Kekse essen, einige Leute anrufen – meine Tochter samt Enkeln, meine Eltern, meine Geschwister, die Geschwister meines Mannes – ich werde die echten Kerzen etwa halb abbrennen lassen, sie dann ausblasen und schlafen gehen. Vielleicht zünde ich auch noch eine oder zwei Wunderkerzen an. Wenigstens bleibt zu hoffen, dass ich nicht mit mir in Streit gerate.

    Gefällt 4 Personen

      1. In meiner Ursprungsfamilie war Weihnachten immer Streitnachten. Es gab immer Ärger und alles geschah unter Zwang. Glücklicherweise ist meine jetzige Familie da auf dem richtigen Weg. Alle Beteiligten wollen einfach nur eine nette Zeit miteinander verbringen.

        Gefällt 3 Personen

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