Scham

Kaum einer wird es nicht kennen, dieses vernichtende Gefühl von Scham, wenn man schändlich und vorsätzlich betrogen wurde. Stärker als die Demütigung, zehrender als der Zorn, schmerzlicher als die Enttäuschung – jedenfalls bei mir. Alle hatten es gewusst. Alle außer mir. Kaum Mut, sich in die Öffentlichkeit zu wagen. Scheinbar alle Augen mitleidig auf mich gerichtet. Nur einmal empfunden so unsagbar stark. Versagen. Schuld.

Dann die befreiende Erkenntnis. Am Tiefkühlschrank bei HL. Tief tauchte ich ein in den Schrank, um nur nicht angesehen zu werden, sog die kalte Luft in mein heißes Hirn. Es muss ein seltsamer Anblick gewesen sein.

Plötzlich blitzartiges Erwachen aus dem Alb. Warum ich, wofür hatte ich mich zu schämen? Verantwortung liegt doch bei dem, der Unrecht tut. Nichts mehr mit dem Bewusstsein des armen Opfers. Also dachte ich wütend und trotzig, schäm du dich oder lass es auch. Ich bin stark. Ich bin echt. Ich bin genau richtig. Ich bin frei! Und ich lachte laut auf.

 

11 Gedanken zu “Scham

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