Ne me touche pas!

Schüleraustausch in Lyon. Lena erlebt aufregende Wochen in ihrer Gastfamilie. Auf einer großen Hochzeitsfeier kommt es jedoch unter massivem Alkoholeinfluss auch zu einem unerfreulichen Erlebnis. Ihr wütender Standard-Spruch bei unerwünschter Annäherung: „Rühr mich nicht an!“, zeigt auf französisch keine Wirkung, eine andere eindeutige Warnung fällt ihr nicht ein in der fremden, noch recht neuen Sprache.

„Auf zwei Etagen feierte eine unüberschaubare Anzahl an Gästen die Vermählung von Brigittes Cousine Claire. Sechs Stunden lang wurde gegessen – mit wenigen Unterbrechungen. Es war ein fröhliches Fest.

Am Abend dann versammelten sich die jungen Leute im Obergeschoss und es wurde ausgelassen getanzt. Es floss auch so Einiges an Alkohol bei dieser Gelegenheit. Lena machte sich nichts aus Alkohol, Kontrollverlust war ihr zuwider. Sie liebte es zu tanzen und nutzte die Gelegenheit dazu ausgiebig und hemmungslos. Das wurde offensichtlich von einem der Gäste missverstanden. Zu später Stunde, mit dem Rücken an der kalten Wand, stand Lena auf dem Balkon, um sich abzukühlen. Während sie ganz in Gedanken versunken war, stand urplötzlich ein großer Kerl vor ihr, dessen Blick ihr so gar nicht gefiel. Da war so ein gefährliches, leicht irres Blitzen in seinen Augen. „Fass mich nicht an!“, konnte Lena noch zischen, einen Schritt nach vorne versuchend, da packte er auch schon ihre Arme. Mit dem Rücken an der Wand war ihre Wehrfähigkeit sehr eingeschränkt. Was hieß nur: Bei Drei knallt`s! auf Französisch? Lena versuchte ihn wegzudrücken und trat als Nächstes fest gegen sein Schienbein. Das schien ihn allerdings noch mehr anzuspornen. Er folgte ihrem weggedrehten Kopf mit seinem und plötzlich spürte sie die Spitze seiner Zunge in ihrem Mund. War das eklig! Lena biss zu. Ein Schmerzensschrei ertönte. Augenblicklich war sie wieder frei. Der hatte sie doch nicht mehr alle. Na super! Hinter den Scheiben standen Leute und lachten, klatschten ihr Beifall. Es hatte sich um eine Wette gehandelt. Wie krank war das denn? Lena war sauer, richtig sauer.

Wenigstens Brigitte hatte sich später bei ihr entschuldigt. Sie war nicht im Raum gewesen und hatte von all dem nichts  mitbekommen. Solche Wetten, meinte sie, seien allgemein auf Partys üblich. Wenigstens hätte sie gewonnen. Brigitte fand Lenas Aktion genial. Ebenso wie alle anderen im Jugendhaus, die bereits am kommenden Tag über alles informiert waren. Lena jedoch erklärte solche Übergriffe als widerlich und warnte jeden, ihr ungebeten zu nahe zu kommen. „Wer mich anfasst, bestimme ich – immer!“, war ihre unmissverständliche Ansage.“

16 Gedanken zu “Ne me touche pas!

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