Unterschlagung

Eigentlich sollte es nicht wichtig sein. Es fühlt sich falsch an. Und ja, es kränkt mich auch. Albern, genau betrachtet. Ändert aber nichts. Würde ich ja niemals sagen. Könnte Druck bewirken. Druck will ich nicht.

Mir scheint, wenn man zu verständnisvoll und bescheiden ist, alles akzeptiert, wird man einfach unterschlagen. Ach was man, ich werde unterschlagen, so als wäre ich nicht existent. Es fällt mir zunehmend auf. Komisch. Krise? Nicht wirklich, aber ich verstehe es nicht.

Ich habe ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu meinen Familienmitgliedern. Sie erzählen mir Dinge, die andere nie zu hören bekämen, kommen mit ihren Problemen zu mir. Oft kann ich Lösungen anleiern, bewusst machen, helfen. Und wir haben zusammen auch oft mächtig viel Spaß.

Doch in öffentlichen Postings, Stellungnahmen, Erklärungen komme ich nicht vor. Da erscheinen nur diejenigen, die sonst beleidigt wären, sich beschweren, die Wert darauf legen und es einfordern. Dann zweifle ich. Vielleicht ist meine ganze Zuwendung, sind meine Anstrengungen gar nichts wert – nur in meiner Einbildung?

Vielleicht ist das des Rätsels Lösung: Ich lege eigentlich keinen Wert darauf, stehe nicht gerne im Mittelpunkt oder in der Öffentlichkeit, brauche keine offizielle Anerkennung, weiß ja, wer ich bin, was ich kann.

Warum also treibt mich das so um?

 

 

14 Gedanken zu “Unterschlagung

  1. Wir sind alle Menschen. Wir brauchen Aufmerksamkeit. Bleibt diese aus, sind wir potentiell lebensbedroht – ein Baby ist binnen Tagen bis Stunden tot, ein Erwachsener hatte bis vor wenigen tausend Jahren eine Lebenserwartung von 12 Stunde, wenn er von seiner Gruppe getrennt war. Und bloß weil Kirchen und ähnliche Institutionen, geschmückt mit Kant‘scher Logik uns etwas anderes erzählen wollen, wird diese Erfahrung, die uns in den Genen liegt, nicht einfach überschrieben. In der Regel sind wir weder heilig noch ein Meister einer Mysterienschule. Also ist dieses Gefühl völlig berechtigt und es hat seinen Sinn.
    Das die Anderen dem nicht nachkommen, liegt in der Regel an ihrer eigenen „Bedürftigkeit“. Sie wollen lieber erst nehmen und dann – wenn sie selbst genug haben – vielleicht auch etwas geben.
    Nur zugeben, das will meist keiner.
    Deshalb vielen Dank für Deine Gedanken
    🙏👍🤗

    Gefällt 1 Person

  2. So ein Gefühl kenn ich auch. Als Mutter ist man halt da und alles ist selbstverständlich was man macht. Ist ja alles keine Arbeit, ist ja meine Aufgabe. Nichts besonderes und auch nicht erwähnenswert. Warum soll man dann noch irgendwo besonders erwähnt oder gemeint sein? Ich mag ja nicht im Mittelpunkt stehen, aber mal erwähnen was da alles so nebenbei alles gemacht wird oder mal eben schnell noch gefordert wird, wäre doch schön. Wenn ich dann Abends mich weigere und denen sage mach selber, dann wird gemerkt das es Arbeit ist. Wird allerdings genauso schnell wieder vergessen.

    Gefällt 2 Personen

  3. Weil wir beides sind

    Wir wissen es besser, wir haben Verständnis, wir brauchen das nicht, wir stehen da drüber
    Aber wir sind halt auch noch Mensch und als solche finden wir das ätzend

    Wie lösen wir das auf ?

    Meiner Erfahrung nach nur, indem wir uns all diese dämlichen menschlichen Gefühle einfach mal ERLAUBEN
    Volle Kanne 😊
    Alle hehren Ansprüche an uns selbst mal kurz in den Schrank packen, schimpfen wie ein Rohrspatz, sch… auf eigentlich …
    Bei mir funktioniert das
    Ich steiger mich da mal voll rein – tob mich politisch voll unkorrekt aus –
    Und dann schlägt das ganz von alleine wieder um und ich kann über mich lachen, wie ich da das Rumpelstilzchen mach
    Und WEIß wieder, das das ganz arme Menschen sind, die noch einen weiten Weg haben zum Licht
    Denn du hast ja Recht –
    Das is ätzend was die machen.

    Gefällt 1 Person

    1. So funktioniert das bei mir auch. Heute morgen auf dem Weg zur Schule laut, sehr laut, Hard Rock gehört. Dann ging`s mir wieder richtig gut.
      Da mein Ältester mit Familie in Neuseeland lebt, haben wir solche Familien-mails, die jeder lesen kann. Gestern Abend hat meine 14-jährige Enkelin, mit der ich sehr eng bin, eine geschrieben und mit Fotos bestückt. Viele Fotos, die ich mir gewünscht hatte mit ihrem geblümten Hosenanzug, die ich mir gewünscht hatte. Ich weiß, dass die hauptsächlich für mich waren. Aber kein Wort an mich, als müsse man mich verstecken. Dann zwei mit einem neuen Mantel und dem Text an die anderen Großeltern, die sie schon immer vergeblich von mir abschirmen wollten: Liebe Oma und Opa. Hier der Mantel, den Ihr so gern sehen wolltet. Spinn ich? Und dann eine Aufzählung, wen sie alles vermisst – ohne mich. Privat schrieb sie mir vor zwei Wochen, dass wir uns unbedingt vor Weihnachten noch einmal alleine treffen wollen. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Im Sommer mit meiner geliebten Schwiegertochter, die 10 Tage bei uns war, das gleiche Spiel. Sie fand es so schön und entspannend hier, wie frei wir miteinander umgehen. Nur einen Tag war sie bei ihren Eltern und hat abends schon angerufen, wie unwohl sie sich fühlt, ich solle sie abholen. Auf facebook dann große Freude über abgelegtes Examen und Dank an ihre Eltern/Geschwister und die tolle Feier. Hä?
      Da war die große Tour durchs Land des Selbstmitleids mal wieder fällig.

      Gefällt mir

      1. Gestern beim Spaziergang mit einer Freundin –
        Vater, Mutter, Kind – Vater machte Sohn zur Sau
        Als wir noch mal an denen vorbei kamen, machte Vater Mutter zur Sau:
        „Du hast da ein Kind, aus dem nichts werden kann “
        Uns beiden gefror das Blut in den Adern
        Das kennen wir … eingetrichtert wurde es uns … immer wieder … du bist zu nichts nutze, du bist nichts wert …
        Heute bin ich es mir wert
        Ich will RESPEKT.
        Selbst-Mitleid ?
        Oder ist es nicht einfach Selbst-Wert-Gefühl
        Ich bin das auch mal wert, mir leid zu tun, nich immer nur die anderen

        Gefällt 3 Personen

  4. Das kenne ich … mittlerweile geht es in Ordnung, weil auch ich nicht sehr gerne im Zentrum aller Aufmerksamkeit stehe. Wobei – wenn ich von etwas wirklich tief überzeugt bin, dann geht es gut. Was mich stört, ist, wenn mein liebster Vorgesetzter „ich“ sagt und dann zu mir kommt mit „mach`mal“, um dann anschließend wieder einmal der tollste zu sein.

    Was soll`s. Geld stimmt, fertig.

    Grüße & einen guten Morgen Dir.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s