Horrorstunden

Gegen ein Uhr – erste Wachphase. Aufgewacht mit Herzklopfen und Atemnot. Herausgerissen aus einem Traum ohne Erinnerung. Nur die Stimmung ist geblieben. Ich suche nach dem Inhalt, kann ihn nicht finden. Aber ich will wissen, was da los war. Nur dann kann ich den Geist bezwingen. Ergebnislos. Sitze zusammen gerollt am äußersten Ende des Sofas, kaue an den Ärmeln meiner Jacke. Warte auf Beruhigung. Dann kurz auf die Terrasse, ich brauche Luft, frische Luft, kalte Luft. Meistens hilft das.

Heute nicht. Heute läuft das volle Programm ab. Es passiert nicht oft, aber ich könnte gut und gerne ganz darauf verzichten. Jeder Schmerz, den ich je verspürte, erfasst meinen Körper. Es beginnt mit den Kieferknochen, die sich verkrampfen. Nase und Schädel schmerzen, als hätte man mir gerade erst einen harten Schlag versetzt. Das Schlüsselbein  scheint ausgeklinkt, der Arm lässt sich nicht heben. Rücken und Hüfte fühlen sich seltsam verhakt an, wie nach dem Tritt damals. Jede Bewegung ist unerträglich. Sitzen geht plötzlich auch nicht mehr. Wehenschmerz, Magenkrämpfe, die Fußzehen werden nach oben gezogen. Das Gefühl, zu ersticken, der Hals zieht sich zu.

In den ersten Minuten weiß ich noch, es geht vorbei. Alles nur Projektion, Schmerzgedächtnis. Es nervt. Ich gehe, schleiche, humple im Kreis. Je länger es dauert, desto größer wird die Angst, es könne dieses Mal so bleiben. Für immer und immer und immer. Dann ist es vorbei, alles vollständig verschwunden. Ich bin wieder ich. Verrückt!

Ich habe Durst, unglaublichen Durst. Was war das nur für ein Traum? Ach, ist auch egal jetzt.

38 Gedanken zu “Horrorstunden

      1. Würdest du mir einen Link schicken zu deinen Büchern, hab gesucht. Bin glaub ich zu doof oder auch zu verwirrt, oder zu sehr Migräne oder zu wenig Schlaf, oder … ach lassen wir das. Mag gerne mehr lesen. Ach Schlaf, …. der süße Schlaf. So ersehnt, und doch so ermüdend.

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  1. Den Geist bezwingen…

    Worte, die mich hellhörig machen, liebe Caro. Ich kenne deine Geschichte nicht … je älter ein Mensch wird, desto mehr läuft an „Geschichte“ auf. Deine körperlichen Schmerzen und deine Träume zeugen von nicht Verarbeiteten, wenn offensichtlich keine organische Ursache erkennbar ist.

    Ich glaube nicht, dass der Geist bezwingbar ist. Wir haben die Fähigkeit, uns zu kon-zentrieren, uns auch „bewusst“ kraft des Geistes zu stabilisieren. Jedoch – der Geist, Ratio, ist nicht Chef. Er ist immer nur Werkzeug der Seele, die ihre eigene Sprache spricht.

    Ich kenne ähnliche Zustände aus der Endzeit meiner Sauferei…mir hat meine bedingungslose Kapitulation geholfen, anzunehmen, was war.

    Grüße ((()))

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Reiner,
      mit Geist bezwingen meinte ich nicht den eigenen, sondern den, der mich immer mal wieder zwickt und mich schwächen will. Länger als ein bis zwei Stunden schafft er es aber kaum mal.
      Meine Träume sind Warnung, zeugen meist von der Angst, noch einmal in die Lebensumstände zu geraten, aus denen ich mich herausgekämpft habe. Und sie vermischen sich mit einem Ereignis, das ich niemals akzeptieren werde und auch niemals vergessen will.
      Wie gesagt, es geschieht nur selten und macht mir klar, dass ich auf mich aufpassen muss, nicht alles alleine regeln sollte, nicht alles versuchen sollte zu verstehen und nicht jedem helfen kann.

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  2. Du sagst selbst was du brauchst, der Traum ist da eindeutig eine Warnung an dich selbst, ein Hinweis auf deine Gesundheit zu achten. Das fängt beim Denken an, Luft ist z. B. symbol. für das Denken, Wasser für Gefühle .. und so weiter …. wäre eine Deutungsmöglichkeit, und nicht ständig im selben Kreis herumlaufen … u.sw.
    Gruß

    Gefällt 3 Personen

      1. Verstehen. . grad das Thema hatte ich heute… Ich versteh ja immer, warum die alle so sind wie sie sind… und warum die machen was sie machen … und das hält mich dann fern davon, auch einfach mal sauer zu sein. .. und das ist letztlich nicht wirklich gesund für mich

        Gefällt 1 Person

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