Unverständnis

Wir werden in den letzten Tagen so zugetextet mit Aufrufen und Nachrichten zu den Wahlen – selbsternannte Experten dürfen hier nicht fehlen -, dass ich mich am liebsten ganz rausziehen würde aus jeglicher Berichterstattung. Aber ich kann mich nicht wirklich aufs Schreiben konzentrieren. Immer wieder schalte ich also trotzdem auf Nachrichtensender, um zu sehen, welche Nachrichten wie platziert werden, welche Absicht dahinter steht und denke darüber nach, was sie bewirken werden. Wohl wissend, dass meine persönlichen Überlegungen nichts am Wahlausgang ändern. Also könnte ich eigentlich ganz gelassen bleiben.

Aber von Gelassenheit keine Spur – isch resch misch so uff! Man beachte die Häufung von sch, die mir zu Beginn in Südhessen so viele Verständnisprobleme bereitet haben. Ich verstehe, dass auf Befragen angegeben wird, noch unentschieden zu sein. Manchmal hat man einfach keine Lust auf Diskussionen. Nicht verstehen kann ich, wie man noch immer unentschieden sein kann. Welche Offenbarung , noch dazu ehrlich gemeinte, wird denn noch erwartet?

Es waren vier (zwölf?) Jahre Zeit zu beobachten, wohin die Reise geht. Wenn ich das Ganze betrachte, habe ich mir doch längst eine Meinung gebildet über das, was ich will oder eben nicht will. Was m. E. wichtig für eine positive gesellschaftliche Entwicklung ist. Lege ich mein Augenmerk natürlich nur auf meine persönlichen Interessen oder Vorteile, warte ich bis zum letzten Tag auf die Ankündigung einer Steuersenkung (oder einer Mauer) oder  Gehaltsversprechen  – nicht Zusagen, nur Versprechen – für meinen eigenen Berufsstand. Dabei wird allerdings übersehen, dass es u. U. ganz andere Veränderungen geben wird, die das Leben dauerhaft viel nachhaltiger negativ beeinflussen werden. Ich selber habe übrigens den Sozialomaten ausprobiert, um zu sehen, wem meine Entscheidungen nützen oder schaden, ob ich irgendwo falsch liege, und fand das recht interessant.

Ich versteh`s nicht!

12 Gedanken zu “Unverständnis

  1. Mir geht das Getöse auch auf die Nerven. Zumal mir klar ist, welche Partei ich morgen wählen werde. Nicht aus „vollem Herzen“, darum geht es in der Politik nicht. Weil sie meinen Werten und Überzeugungen am nächsten stehen.

    Zwar war ich kurz versucht, die SPD zu wählen. Sympathisch ist er mir schon, der Martin S. Allein mein gutes Gedächtnis hindert mich daran, ihnen als Akt des Mitleids sozusagen meine Stimme zu geben. Schulz ist nicht die SPD und die SPD ist nicht Schulz. Tagtäglich sehe ich die Folgen der letzten SPD-geführten Regierung direkt vor meiner Nase, in meinem beruflichen Umfeld. Da hält sich mein Mitleid für die große, alte Partei schon sehr in Grenzen und ich wähle lieber die, welche sich als einzige Partei nicht zufrieden geben mit den herrschenden Zuständen.

    🙂 Grüße.

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  2. Ich habe auch per Briefwahl gewählt. Eine starke Opposition wäre gut, aber wie ich es sehe, läuft alles auf große Koalition hinaus, schade. Schlimm finde ich den furchtbaren Hass, der in der Bevölkerung lodert. Aber wenn ich dann in den Wahlsendungen die Selbsbeweihräucherung der verschidenen Politiker sehe, kann ich mir schon vorstellen, wo bei manchem der Hass herkommt. Viele arbeiten fleißig und müssen trotzdem aufstocken, bekommen im Alter Grundsicherung und stehen damit auf gleicher Stufe wie die notorischen Nichtstuer, die ich in meiner beruflichen Tätigkeit in zweiter und dritter Generation kennen lernen durfte. Da könnte ganz schnell was geändert werden, wenn man das wollte.

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  3. Tatsächlich habe ich mich herausgezogen aus den ganzen medialen Berichterstattungen, Diskussionen usw. Diese ganzen Phrasen, Parolen und Argumentationen. Sie regen mich auf. Sie tun mir nicht. Ich hab schon längst per Briefwahl, bin einen Kompromiss eingegangen, weil mir keine Partei wirklich überzeugt. Von daher soll der Wahlzirkus seinen Lauf nehmen, ich bin erschöpft.

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    1. Diese Diskussionen schau ich mir eh nicht an. Nur heiße Luft. Aber andere Nachrichten wie Zusagen an USA, Probe-Einführung Ceta und Übernahme Air Berlin, Koop. der Stahlriesen, dann mit Sitz in Niederlanden und Produktion in GB sehe ich mir genau an. Sie sind u. U. mit dem Verlust vieler Arbeitsplätze verbunden oder umgehen deutsche Umweltschutzstandards. Da überleg ich mir dann schon, ob das Einfluss auf das Wahlverhalten hat.

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  4. Schwierig
    Es gibt keine Partei, die ich aus vollem Herzen wählen kann
    Weil das System Sch… ist… das System der Partei-Politik funktioniert nicht
    Demokratie hat sich selbst weg-demokratisiert – alle müssen alles im Auge behalten und was dabei raus kommt kann nur dermaßen verwässert sein, das kein Geschmack und keine Farbe mehr zu erkennen ist
    Ein besseres System haben wir aber auch nicht
    Der allwissende Diktator reinen Herzens und selbstloser Absicht ist nicht in Sicht
    Medien – pppppppfffffffffffff !!!!!
    soll ich jetzt lachen oder weinen?

    Was tun?
    Nicht wählen ist für mich keine Alternative
    Boykott funktioniert nur, wenn genügend boykottieren
    Also habe ich gewählt
    Und denk seit dem nicht weiter drüber nach
    Es ist ein Frust und bleibt ein Frust
    Ich seh da kein Licht am Ende des Tunnels

    Alles Liebe ❤

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    1. Da hast du schon recht. Demokratie ist für mich auch etwas anderes und eine Lichtgestalt entdecke ich auch nirgends. Die großen Geister sind weggestorben. Schwierig fand ich es auch. Nach den Wahlen haben wir so gut wie kein Mitbestimmungsrecht mehr, ganz gleich was die Politiker machen. Eigentlich wurden sie ja nur für das legitimiert, was sie umzusetzen versprochen haben. Eine Möglichkeit zum Abwählen bei Zuwiderhandlung würde mir gefallen. Aber wir hängen drin in diesem System und mir wäre es eine Freude, wenn das Wahlergebnis so aussehen würde, dass es zu einer Veränderung dieses Systems kommen könnte. Davon ist allerdings nicht auszugehen. Also habe ich bei meiner Entscheidung alles gestrichen, was ich auf keinen Fall will.
      Letzten Endes muss halt jeder versuchen, Veränderungen hin zu mehr Menschlichkeit und Miteinander in seinem eigenen kleinen Rahmen vorzunehmen.

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      1. Die Veränderung muss von Innen kommen und umfassend sein und das kanm nur in einem jeden Einzelnen geschehen
        Gesetze, Regeln, Erlasse… können nichts nützen wenn die Menschen nicht mitmachen.
        Wir müssen beharrlich bleiben und dürfen uns nicht irritieren lassen in unserem eigenen Sein
        Jute statt Plastik ist auch ein Aspekt
        Vor allem aber Mit-Menschlichkeit
        Uns gegenseitig mitkriegen und einander helfen
        Familie Mensch
        Als das werden wir leben oder untergehen

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