Tausend Ideen

Tausend unterschiedliche Ideen, das sind unter Produktivitäts-Kriterien 999 zu viel. Von allen Seiten, an jedem Ort überfallen sie mich momentan, muss ich Notizen machen auf geeignetem und ungeeignetem Schreibmaterial. Kein Stift am Spiegel? Stichpunkte mit Kajal.

Überfallartig erscheint vor meinen Augen z. B. auch ein Bild zur Umgestaltung  eines Grabes, die sofort  umgesetzt werden muss. Jetzt, mitten in Sommer. Na gut, das könnte man in diesem Jahr glatt vergessen. Also dass Sommer ist. Dann stören auf einmal furchtbar die Gräser zwischen den Wegplatten, die zwanghaft entfernt werden. Sie werden sich sehr gewundert haben, die kleinen Halme nach Jahren des ruhigen Lebens zwischen diesen Steinen. Dieser  ungewöhnliche Hang zur Ordnung hat mir spätestens klargemacht, es stimmt etwas nicht – mit mir.

Eine neue Sportart? Aber sicher. Ich könnte etwas finden, was tägliche Übung erfordert. Oder vielleicht eine Gruppe finden/bilden, mit der man zusammen…? Gruppe? Verein? Ich? Also wirklich! Es reicht!

Es schleudert mich grad richtig durch. Dafür muss es einen Grund geben. Einen, den zu akzeptieren ich bereit bin. Ich befürchte nun, dass ich all diese Gedanken insgeheim herbeigerufen habe, um mich von der Weiterarbeit an meinem Romanprojekt abzuhalten. Nein, nicht ich als ich. Es ist der kleine Mann im Ohr, wie mein Opa ihn nannte. Den Kobold, der mir sinnlose Handlungen für sinnvoll, unwichtige als ganz furchtbar wichtig erklärt. Der  mich anstiftet, Dinge zu tun, die ich nicht oder nicht auf diese Weise tun will.

Man kennt das doch. Sobald Unangenehmes sich unaufhaltsam nähert, versucht man die Zeit anzuhalten oder wenigstens so zu tun, als wäre heute noch vorgestern. Man windet sich wie ein Aal, die Hände vor den Augen, um für das Unheil unsichtbar, nicht erreichbar zu sein. Es hinaus zu schieben, indem man sich ablenkt. Heute zu Tätigkeiten hetzt, die übermorgen unbedingt werden getan sein müssen.

So ungefähr möchte ich meinen jetzigen Zustand gefühlsmäßig beschreiben. Schon wieder so viele Worte und Begrifflichkeiten. Obwohl ein einziger einfacher Satz genügt hätte, der alles beinhaltet: Ich drücke mich.

Drücke mich vor dem, woran Lena sich wird erinnern müssen. An das Erscheinen des Mannes in ihrem Leben, der Hoffnung, Abenteuer und Glaubwürdigkeit versprach. Der, von dem sie sich einfangen ließ, weil er vorgab, ihre Maßstäbe/Überzeugungen zu respektieren, während sie kaum merklich in ein Netz aus anfangs unsichtbaren Fäden eingewickelt wurde. Jener, der fast ihren freien Willen brach.

So! Und jetzt, wie es hier so steht, das alles, schreibe ich heute weiter an meinem Text. Es ist noch früh, die Welt um mich herum schläft noch, den Garten hat der Regen gegossen, das Grab ist fertig, Tomaten und Gurken wurden gestern geerntet, die Trauben sind noch nicht süß genug, die Sonne schiebt sich gerade über die großen Tannen. Ran ans Werk! Aber erst noch einen großen Becher Kaffee.

Guten Morgen und einen schönen Sonntag wünsche ich.

16 Gedanken zu “Tausend Ideen

  1. Und, hast Du es geschafft? Ich habe heute den Tag genossen, die schöne Urlaubswoche mit den Freunden Revue passieren lassen und mich gefreut, als es endlich anfing zu regnen. So konnte ich mich erfolgreich vor den seit Tagen notwendigen Gartenarbeiten drücken. Es geht mir sehr gut damit 😊

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  2. Den kleinen Kobold kenne ich auch nur zu gut! Das schlimmste ist, dass es mich ärgert, mal wieder auf ihn hereingefallen zu sein.
    Da ich mich nicht mehr ärgern möchte schaue ich auf meiner ToDoListe, was noch drauf steht, obwohl alles drum herum schon durchgestrichen ist. Und dann mach ich es!
    Es geht mir danach immer besser, aber merken kann ich es mir nicht für das nächste Drück-Thema…

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    1. Vieles, was sinnvoll ist, mag ich nicht. Also tu ich es nicht. Listen gehören dazu. Die mache ich nur für Bürokram.
      Ich denk immer, während ich ne Liste machen, kann ich doch direkt was erledigen, was ich dann auch nicht immer tue. Lass mir halt nicht gern was vorschreiben, auch nicht von mir selbst. Schon ein wenig absonderlich, ich weiß.

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  3. Guten Morgen. Sind ja schon einige hier versammelt. Dann drück ich dir mal die Daumen das es mit dem Schreiben jetzt auch fluppt. Nicht das noch die Betten frisch bezogen werden müssen oder mal eben ein Kuchen gebacken werden muss für Besuch der nicht kommt. Lach. Aber solche Situationen kenn ich auch von mir. Eigentlich erledige ich immer alles sofort. Aber bei 1-2 Dingen habe ich auch die schieberitis. Naja, menschlich eben. LG, Nati

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  4. Na klar – alle wach 🌞

    Ich schreib morgens als erstes mal alles aus meinem Kopf in mein Tagebuch rein
    Dann vielleicht noch was in den Blog
    Und den Rest auf Zettel für Tisch und Pinwand
    Eventuell ruf ich dann noch ein, zwei Menschen an
    Ach ja – nicht zu vergessen zwei drei Kommentare in den Blogs die ich morgendlich lese
    Dann ist der Kopf frei und ich kann einfach machen 😊

    Einen guten Tag dir 💜

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