Nachbarschaft II

Ilanahs Beitrag hat mich inspiriert, folgende Begebenheit zu schildern:

Auch ich bin jemandes Nachbarin. Gottlob ist unser Grundstück 1.600 qm groß, sodass ich eher eine entfernte Nachbarin bin. Wir wohnen in einem kleinen Dorf und haben freundlichen, aber nicht engen Kontakt. Gerade so, wie wir es schätzen. Guten Tag und guten Weg und Hilfe, wenn es nötig ist.

Rechter Hand wohnt eine nette kleine Familie mit einer nicht ganz so netten Schwiegermutter in der Einliegerwohnung.  Die Frau kann mich nicht leiden, ich bin ihr suspekt. Weil ich mich mit jüngeren Männern abgebe. Nun ist es nur ein jüngerer Mann, mit dem ich auch seit 27 Jahren verheiratet bin. Alle anderen jüngeren Männer, die bisweilen dieses Haus besuchen, sind für gewöhnlich meine drei Söhne. Manchmal noch der Schornsteinfeger, aber der steigt mir nur aufs Dach. Aber wir wollen uns nicht an solchem Kleinkram festbeißen. Und man muss ja auch gar nicht alle Menschen mögen.

Nun war die nette kleine Familie für zwei Wochen im Urlaub und Schwiegermutter allein zu Haus. Ich muss noch etwas ausholen und erklären, dass es sich um sehr ordentliche Menschen handelt, die immer alles wegräumen vor dem Regen und niemals irgendwo unnötig Licht brennen lassen würden. Ohne dass ich das bewerte, ist es wichtig für den Verlauf der Ereignisse.

Also eines Nachts – ich machte gerade eine meiner Schlafpausen und schrieb an meinem Laptop -, fiel mir ein ungewohntes Licht auf. Licht in Keller und Vorflur. Was konnte das bedeuten?

– erstens Einbrecher: Ich guckte eine Weile, ob im Rest des Hauses Licht von Taschenlampen auftauchte – Fehlanzeige.

– zweitens: Beim Blumengießen war vergessen worden, das Licht wieder auszuschalten. Kann passieren. Muss nicht weiter beunruhigen.

Allerdings war in der darauf folgenden Nacht das Licht immer noch an. Es hätte also durchaus sein können, dass die Frau einen Unfall oder gesundheitliche Probleme hatte, worauf sie das Licht nicht mehr hätte ausschalten können.

Also marschierte ich am nächsten Morgen los und klingelte. Klingelte einmal – wartete – klingelte ein zweites Mal. Dann eine verhaltene Stimme : „Ja bitte?“ Ich erklärte, wer ich sei, dass seit zwei Nächten ein Licht in Keller und Vorraum brenne und ich mich erkundigen wolle, ob alles in Ordnung sei. Und oh Wunder! Blitzschnell wurde die Tür geöffnet und eine sichtlich verdutzte Frau stand vor mir.  Sie hatte tatsächlich vergessen, das Licht zu löschen und bedankte sich vielmals bei mir dafür, dass ich vorbei gekommen sei. Dann bat sie mich noch, ihrem Sohn nichts davon zu erzählen. Als ich ihr daraufhin sagte, Kinder müssten nicht alles wissen, lachte sie gar ein wenig.

Ich glaube, ich habe einen neuen Fan. Na ja, ist jetzt vielleicht auch übertrieben. Und auch völlig wurscht! Jedenfalls finde ich, dass Sympathie in einem Notfall keine Rolle spielt.

 

 

 

 

 

 

11 Gedanken zu “Nachbarschaft II

  1. Erstmal gut, dass du genügend Abstand hast zu den Nachbarn, das ist viel wert.

    Und ich finde es klasse, dass dir das Licht aufgefallen ist, es hätte ja wirklich was passiert sein können. Und es hat immerhin dazu geführt, dass du der Frau nicht mehr so suspekt bist 😉

    Es ist toll, wenn Menschen ihre Meinung ändern können, das ist nicht selbstverständlich. Meine strohhirnige „nette“ Nachbarin ändert sich nicht, bei ihr sind immer die anderen doof und an allem schuld.

    Gefällt 1 Person

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