Sonntagsblümchentext mit Nachtrag

Veilchen und Vergissmeinnicht (Buchstabe V in den verschiedenen Lautformen – schon klar, oder?)

Victoria geht heute aus

und sucht sich einen Blumenstrauß,

läuft vierzig Schritte aus der Stadt,

weil Vater heut Geburtstag hat,

wird vierundvierzig Jahre alt,

viele Geschenke bekommt er bald.

Sie stand heut Morgen auf um acht

und hat das Frühstück schon gemacht,

den Tisch gedeckt in violett,

ein paar Blumen wären nett.

Die große Wiese ist ja voll,

sie weiß nicht, was sie nehmen soll.

Der Vogel Victor kommt und spricht:

„Nimm Veilchen und Vergissmeinnicht!

Die passen schließlich ganz genau

zu Vaters Augen, himmelblau.“

Die findet auch Victoria schön,

pflückt schnell und will nach Hause gehen.

Doch werden sie noch gut aussehen,

wenn sie dann in der Vase stehen?

Victoria muss sich nun beeilen

und kann nicht länger hier verweilen.

Ne Stunde schon vergangen ist,

vielleicht hat man sie schon vermisst.

Sie schließt die Tür auf, läuft ins Zimmer-

die Eltern schlafen ja noch immer!

Victoria mag nicht mehr warten

und wird jetzt einen Weckruf starten,

verlangt von beiden, aufzustehen,

sie solln die Überraschung sehen.

Die Eltern sehr verwundert sind

umarmen stolz ihr braves Kind.

 

Ich frage mich ernsthaft, wie lange unsere Kinder und Enkel noch so unbefangen, ungehindert, solche kleinen Ausflüge werden unternehmen können.  Einige können/dürfen das jetzt schon nicht mehr.

Wenn wir die Entwicklung nicht stoppen, werden die Victorias der Zukunft mit einem Chip unter Haut versehen sein, durch Videoüberwachung in keinem Raum mehr für sich sein, das Haus ohne Freigabe der dreifach gesicherten Alarmanlage nicht verlassen können, permanent mit dem GPS-Handy keinen unbeobachteten Schritt mehr gehen können. Jedes noch so kleine Vergehen wird in den Algorithmen gespeichert sein, bis sämtliche Systeme eines Tages zusammenbrechen oder für immer. Auf solchen Streichen baut dann die gesamte Persönlichkeitsbeurteilung auf, die das ganze Leben bestimmen wird. Die Anzahl der gekauften Schokoriegel oder Gummibärchen wird über die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge bestimmen und über das Anrecht auf ärztliche Behandlung.

Das könnte ich jetzt noch lange so weiter führen, aber ich mag nicht mehr. So etwas kann man doch nicht wirklich wollen!

 

 

 

 

 

18 Gedanken zu “Sonntagsblümchentext mit Nachtrag

  1. Klasse Beitrag!
    Von mir aus hättest Du ruhig weiter ausführen können…. und die Verse waren so schnell zu Ende, schade.
    Wenn doch nur alle wach genug wären (und nicht dicht vor Sorge, wie ich meine Miete zahlen soll… usw.) und sehen und hören könnten, was um sie herum geschieht, dann stünden wir alle in einer Reihe und wurden uns DAS alles nicht mehr gefallen lassen.
    Aber ich freue mich, dass auch ich es im Kleinen manchmal schaffe, mich zu wehren.
    In diesem Sinne: Weitermachen!

    Gefällt 1 Person

    1. Das mit dem Gemeinschaftsgefühl ist zur Zeit ein Hauptproblem, weil sich fast alle Gruppen medial gegeneinander aufhetzen lassen, obwohl genau betrachtet unsere Grundbedürfnisse auf der elementaren Ebene alle relativ gleich sind. Hier wird systematisch unterschwellig zum Verteilungskampf geblasen, damit die Menschen sich nicht gemeinsam gegen Unrecht zur Wehr setzen.
      Bitte schick mir doch mal deine mail-Adresse für eine PN.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich boykottiere im kleinen. Als meine Jungs noch keiner waren gingen wir mal zu einem Fleischer. Da meine Jungs die Wurst interessant fanden gingen sie ganz nah an die Fleischtheke. Sofort wurden sie angeschimpft das die Scheibe frisch geputzt sei. (Wohlgemerkt mitten am Tag, nicht kurz vor Ladenschluss). Seitdem habe ich diesen Laden nie wieder betreten.

    Gefällt 2 Personen

  3. Heinz Erhard- Tradition – geht ganz gut, gell 😉

    Ich möchte nur eine Korrektur einfügen –
    Es gibt keine Schokoriegel mehr zu kaufen
    Es gibt überhaupt nix mehr zu kaufen
    Die Lebensmittel werden automatisch nachgeliefert, kontrolliert wird das ganze per SAP

    Gefällt 3 Personen

      1. Auf jeden Fall!
        So boykottiere ich jetzt auch diesen Schauspieler, guck – hab glatt den Namen vergessen – ah – Tom Cruise heißter – nachdem mir eine Freundin was erzählt hat über – wie heißt noch mal diese Sekte? … egal… Das sind halt diese Kleinigkeiten, die ein Leben ausmachen, mit dem ich leben kann – ohne „das nützt ja eh nix“ und „was kannst duuuuu schon bewirken“

        Gefällt 1 Person

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