Modewörter/Sprachgebrauch – harmlos?

Nachdem ich heute mehrfach auf Beiträge gestoßen bin, in denen es um die Definition von Begriffen oder idiotische vernebelnde Wortschöpfungen ging, sodass mein Unmut – moderat ausgedrückt – stetig wuchs, füge ich einen Tagebuchauszug von Sophia ein, der sich auch damit befasst. Was  mich extrem ärgert, ist die Tatsache, dass durch plötzlich in allen Bereichen gleich gebrauchten Begriffen manipulativ und unterschwellig Stimmungen in der Gesellschaft erzeugt oder verstärkt werden:

 

„Sprache wird vergewaltigt. Hab mir Worte notiert, die mich sofort aggressiv machen. Im Moment liegen militärische Begriffe „voll im Trend“. Z. B. sind alle möglichen mehr oder weniger gut „aufgestellt“. Was soll das? Verstehen die sich alle als Armee? Sind sie im Krieg? Wenn ja, gegen wen? Alles nur, um nicht zu sagen, wir als Team, Gruppe o. ä. sind der Aufgabe gewachsen – wohl weil es eh nicht stimmt. Wenn die Truppe nur gut aufgestellt ist, sagt das nämlich gar nichts aus über die Fähigkeiten, eine schwierige Situation zu bewältigen – alles bleibt im Nebel. Der Wille war da, irgendwie, irgendwo – aber es mangelte am Wesentlichen. So verstehe ich das. Das ist mir zuwider!!!

Dann will man uns ständig „abholen, wo wir stehen“. Wenn ich irgendwo stehe, dann will ich dort stehen und keineswegs abgeholt werden. Soll ich rekrutiert werden ins Heer der Gleichgeschalteten, die keinen Widerspruch mehr wagen? Eigentlich meint Ihr, dass Ihr Euch herablassen müsst auf das Niveau der Massen. Das kann man natürlich nicht sagen. Warum eigentlich nicht? Wenn es doch so gemeint ist? Genau so wenig möchtet Ihr klar ausdrücken, dass man von den meisten nicht viel verlangen kann. Auch hier – warum eigentlich nicht? Verlangt doch etwas – vielleicht würdet Ihr Euch wundern!!!

Verlangt echte Leistung, nicht Unterwürfigkeit und Pseudo-Gehorsam. Die ganze Wahrheit scheint mir noch ganz woanders zu liegen. Ihr – die selbst ernannte Elite des Geldes und der Politik – habt im Grunde, bis auf wenige Ausnahmen, jeden Kontakt zum Großteil der Bevölkerung längst verloren und keine Ahnung, wie die „große Masse“ lebt oder leben muss – durch Eure Entscheidungen. Deshalb werden Kommissionen bemüht, die im besten Fall nach zwei Jahren und wer weiß wie viel Honorar einen Fixpunkt festlegen können, von dem aus abgeholt und mitgenommen werden soll – an dem sich kritiklos orientiert wird, um noch mehr fragwürdige Entscheidungen zu treffen.

Masse/n klingt übrigens sehr nach Massentierhaltung.

Nachdem man uns dann „abgeholt“ hat, werden wir „mitgenommen“ – das nächste Schlagwort. Warum wollt Ihr uns mitnehmen? Bin ich jetzt verhaftet? Was hab ich mir zuschulden kommen lassen? Wie lautet die Anklage? Dass ich da, wo mich niemand wertschätzt, nicht mehr mitmache? Weil ich zu einer „bildungsfernen“ Gruppe gehöre, die mühsam versucht, sich einen Rest ihres Stolzes und ihrer Menschenwürde zu erhalten? Und wenn es nicht möglich ist innerhalb dieser Gesellschaft, dann eben außerhalb. Ist es ein Wunder, dass man sich dann, auf welche Art auch immer, betäuben will, die schmerzhaften Gedanken endlich abschalten will – muss -, ohne die Folgen zu bedenken? Weil man eigentlich gar nicht mehr denken will? Weil man sonst verrückt zu werden droht? Darüber nachzudenken, würde sich vielleicht einmal lohnen.

Wie lange kann man solche Missachtung ertragen? Natürlich wäre es am besten, den Kopf hochzureißen und zu sagen: „Jetzt erst recht. Ich werd beweisen, was ich kann, auch gegen alle Vorurteile und Widerstände!“ Aber nicht alle schaffen das. Die werden dann abgeholt.

Warum ich mich so aufrege? Ich bin doch gar nicht gemeint? Weil ich aus einer so genannten guten Familie stamme? Definiere „gute Familie“! Na und? Ich kenne aber genug Leute aus jeder Art von Familie, die ich absolut respektiere, die so viel auf dem Kasten haben und durch dieses Verhalten gnadenlos ausgebremst werden, bis ihnen Kraft, Hoffnung und das Vertrauen fehlen, sich irgendwann einmal beweisen zu können. Und da soll man sich nicht aufregen?

Überhaupt, ich zähle mich nach Euren Maßstäben auch zu der bildungsfernen Gesellschaft. Schließlich habe ich die Schule einfach verlassen. Und dabei habe ich in dieser Zeit mehr gelernt, als in den ganzen Jahren zuvor. Freiwillig gelernt, gerne gelernt, weil ich etwas wissen wollte, weil mich die Dinge plötzlich interessiert haben. Weil ich nun weiß, ganz allein aus mir heraus, dass ich ohne Wissen dieser kranken Gesellschaft mit ihren falschen Vorbildern nichts, aber auch rein gar nichts entgegen zu setzen habe. Ihre Argumente nur entkräften kann, wenn ich mich wissensmäßig auf ihrer Ebenen finde – weil mir sonst erst gar nicht zugehört wird. Und weil ich das Gefühl hatte, etwas für mein Leben zu lernen – eine Premiere. Außerdem hat sich der Entdeckerwille meiner frühen Kindheit zurück gemeldet, seit ich mich dem – offensichtlich negativen – Einfluss der mich umgebenden Gesellschaft entzogen habe, der mich ständig einschränkte.

„Einen guten Job machen“ finde ich auch unterirdisch Das klingt so minderwertig. Entweder ich arbeite gut oder schlecht. Wenn es nur ein Job ist, was ist es dann wert? Kurzfristige Befriedigung höchstens. Für Wen? Einen Job mache ich, wenn ich gerade mal Geld brauche. Etwas, das ich vielleicht gar nicht machen will, aber muss, um finanzielle Engpässe zu überbrücken. Das ist nichts, auf das ich bauen sein – im schlechtesten Fall sogar etwas, das ich für den Rest meines Lebens verbergen möchte. Kann das ein Ziel sein? Kann man darauf stolz sein? Ich nicht! Wenn Ihr eine echte Leistung loben wollt, dann doch richtig und aufrichtig. Wenn nicht, lasst es einfach, sagt lieber gar nichts als so eine Sülze abzusondern.

Oder das Wort „Transparenz“, das uns zurzeit ständig um die Ohren gehauen wird. Wie wird das eingesetzt? Man erfährt – oft nur zum Teil – von Vorfällen, Zuständen, Umständen, Machenschaften, die nicht in Ordnung sind. Dann geschieht – nichts!!! Außer einer kurzfristigen gesellschaftlichen Empörung sehe ich keinerlei Konsequenzen und kaum Veränderungen. Was bedeutet also die viel gelobte Transparenz? Dass das Volk einigermaßen ruhig gestellt wird durch die Vorspiegelung, der Einfluss wachse. Aber in Wahrheit heißt „Transparenz“ bis jetzt nur, dass wir dabei zugucken dürfen, wie wir beschissen werden. Wann wehren wir uns endlich dagegen?

Angstbegriffe – auch sehr beliebt. „Bedrohung der Sicherheitslage“ – was heißt das konkret? Eigentlich sagt dieser Begriff gar nichts aus. Weder über Zustand der Sicherheitslage, noch Ausmaß und Gesicht der Bedrohung. Dass er trotzdem funktioniert, liegt in der Kombination der Worte „Bedrohung“ und „Sicherheit“. Und schon kann man uns alles unterjubeln, was unsere Freiheit einschränkt.

Es gibt keine absolute Sicherheit. Das Leben endet zwangsläufig mit dem Tod. Wann genau das sein wird, wissen wir nicht. Es sei denn, wir geben uns selbst die Kugel. Wir müssen übrigens auch dann sterben, wenn wir eine Lebensversicherung haben – Versicherungen sind in den seltensten Fällen ein Schutz – schon gar nicht vor dem Ereignis selbst. Gebe ich jetzt mal zu bedenken.“

aus „Vorbilder? Fehlanzeige!“

 

 

22 Gedanken zu “Modewörter/Sprachgebrauch – harmlos?

  1. „An der Sprache, erkennt man den Geist der Zeit!“

    Naja, ist ja sehr von „Vorteil“, wenn man solche Worte gebraucht.
    Bei Gott, ich bin wirklich kein Verschwörer, odg. Aber manchmal erkennt man eben doch, auf was so die Bevölkerung, vorbereitet odg., wie man es nennen mag, werden soll.

    Wie du richtig sagst. Warum kommen jetzt ständig Militärische Begriffe in unserem Wortschatz vor?!

    So wie man spricht, arbeitet ja das Unterbewusstsein fleißig mit, was dazu führt, das man eben Unterbewusst, sich auf etwas einstellt, ausführt, usw.

    Man Betrachte den Sprachgebrauch und die Veränderung der Deutschen Sprache und die gehäufte Benutzung einzelner vieler Wörter vor der entstehung des Dritten Reiches und währenddessen.

    GlG 🙂

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  2. Guten Tag Caroline,
    was mich interessieren würde ist die Herkunft der Diskrepanz bei uns Deutschen, die dem von Dir zitierten Buddha – Spruch in der mittelfristigen Vergangenheit stets nur bis zur Mitte folgen: aus Gedanken werden Worte, aber Taten? Mitnichten. Diese Dilemma begleitet mich auch schon einige Jahrzehnte. Noch sehe ich kein Licht am Horizont. Nur meinen Einfluss auf die jungen Menschen, meine Kinder, und jene, mit denen ich sonst Umgang pflege, kann ich in jedem Moment zu selbständigem Denken verleiten, indem einige freche, unbequeme Fragen aufhorchen lassen 😉
    Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und ich bin schon ziemlich positiv veranlagt… 😊
    Liebe Grüße Olaf

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    1. Spürbar verändern können wir glaube ich immer nur im engsten Kreis. Aber auch dies wird weiter getragen – im besten Fall. Bis gesamt-gesellschaftliches Bewusstsein sich spürbar dreht, braucht es lange. Umso wichtiger ist es, dass alle Bewussten nicht aufgeben und die fortgesetzte Manipulation sichtbar machen Wir können eh nur unser Bestes geben – mehr geht nicht.

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  3. Gut gebrüllt, Löwin 🙂
    .
    Sprache ist manipulativ, immer schon gewesen. Zu wissen, WER man ist und WAS man kann, erhebt einen Menschen ein wenig über diese Niederungen. Ebenso der Gebrauch klarer Worte und Ansagen, nicht solche pisslauwarmen, Gesellschafts-fähigen Umschreibungen.

    Ich kann mich über diesen Zeitgeist-Scheiß den ganzen Tag empören. Oder kann es sein lassen. Die, welche solche Worte benutzen oder benutzen lassen, schert meine Empörung nicht. Sie sitzen des Abends so oder so in ihrer Badewanne und kratzen sich selbstzufrieden pfeifend den fetten Wanst. Kann ich es auch lassen, mit der Empörung,

    Vielleicht an alle jene ein kleiner, musikalischer Gruß:

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    1. Das stammt ja aus meinem Jugendroman, dem Tagebuch einer Achtzehnjährigen. Die kann noch so schön radikal urteilen und beurteilen. Allerdings denke ich nicht großartig anders als Sophia, auch wenn ich die Schule nicht geschmissen habe. Oft sind es die besonders Klugen, die die Schule verlassen, um in ihrem freien Denken nicht vollständig demontiert zu werden.

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      1. Wenn du musst, machst du oder du gehst ein. Wenn man als Einzelkind sehr viel Zeit hat, Erwachsene zu beobachten, davon absolut abgetörnt ist und genug unter Lehrern gelitten hat, die Fähigkeiten einschränken, dann musst du dir deinen eigenen Plan machen.
        Also ich hatte mit achtzehn, eigentlich mit sechzehn die Eckdaten dessen was ich auf gar keinen Fall will und einen Basisplan. Nicht dass der besonders gut funktioniert hat. Aber wenigstens waren es meine eigenen Fehler, die ich ausbaden musste. Mit 19 habe ich meinen ersten Mann kennengelernt, angefangen zu studieren und mit 20 ganz bewusst mein erstes Kind bekommen. Mein Studium hab ich in der Regelzeit abgeschlossen. Mit 33 hatte ich fünf Kinder und hab den Mann rausgeschmissen.
        Aus meinen Fehlern habe ich gelernt und einiges besser gemacht. An meinen Überzeugungen hat sich nur wenig geändert, seit ich jung war.

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      2. Ich musste auch früh erwachsen werden. Habe meinen Mann zum Glück schon mit 15 kennengelernt, mit 20 geheiratet. Aber das politische oder gesellschaftliche Denken war bei mir mit 18 noch nicht so. Ich habe auch immer gewusst was ich wollte oder nicht und alles geplant. Was mir zum Glück auch alles gut gelungen ist. Das glückliche Leben fing aber erst mit dem kennenlernen meines Mannes an.

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  4. „Dann will man uns ständig „abholen, wo wir stehen“. Wenn ich irgendwo stehe, dann will ich dort stehen und keineswegs abgeholt werden.“
    😆

    überhaupt – sehr guter Text!

    … eines meiner liebsten Wörter ist Lebens-Versicherung 😆

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  5. „Achte auf Gedanken, sie werden zu Worten, achte auf Worte, sie werden zu Taten … “ Frei nach Buddha. Ich versteh genau, was du schreibst. Wozu eine Sprache „des Krieges“ in aller Munde, der G’schaftlhubers ala Politiker und Manager … u.s.w. anstatt eine Sprache der Liebe? Danke für diesen Beitrag liebe Caroline.

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