Passend zum Wetter

Susi Sonntag sucht den Sommer

Susi Sonntag ist schon groß. Sie ist vier Jahre alt. Seit Tagen freut sie sich auf diesen Morgen. Heute beginnen nämlich für ihre große Schwester Sabrina die Sommerferien. Also kommt an diesem Tag auch der Sommer. Endlich kann Susi dann wieder all die schönen Dinge tun, an die sie sich vom vergangenen Jahr noch erinnert. Ganz früh ist sie aufgestanden, um nur ja nichts zu verpassen. Susi weiß, im Sommer ist es sehr warm. Man muss nur Shorts und T-Shirt anziehen. In Null-Komma-nix ist man fertig. Schuhe und Strümpfe braucht man auch nicht, höchstens Sandalen.

Wenn man nicht so viel anhat, wird auch nicht so viel dreckig. Susi hat also weniger Ärger und mehr Spaß. Mama hat weniger Wäsche und mehr Zeit für sie. Ach ja – der Sommer! Ganz viel Lust zu singen spürt sie plötzlich. Aber alle schlafen noch, deshalb schluckt Susi die fröhlichen Töne lieber hinunter.

Ganz früh ist sie aufgestanden, um nur nichts vom ersten Sommertag zu verpassen. Gleich will sie auf die Wiese laufen. Aber was für eine Enttäuschung! Es regnet und ist unverschämt kühl. Genau wie in den Tagen vorher. Wo ist bloß die Sonne und wo versteckt sich der Sommer? Schnell läuft Susi wieder ins Zimmer, zieht  sich schnell an und über alles noch etwas drüber. Zum Schluss noch die Gummistiefel – fertig!

Angestrengt denkt sie nach. Sie ist fest entschlossen, den Sommer zu suchen. Irgendwo muss er schließlich sein. Aber wo soll sie nachsehen? Im letzten Jahr war er auf der großen Wiese am Spielplatz, wo sie alle zusammen ein Picknick und lustige Spiele gemacht haben, bis die Sonne unterging. Da muss er sein. Susi saust los. Am Spielplatz angekommen muss sie feststellen, dass es hier genauso aussieht wie in ihrer Straße.

Ist der Sommer etwa bei der Eisdiele auf der großen Terrasse, wo Susi jedes Jahr ein neues Lieblingseis entdeckt? Aber auch dort keine Spur von ihm. Die Tür ist verschlossen, die Terrassenmöbel sind zusammen gestellt und mit Eisenketten an der Hauswand befestigt. Wieder nichts!

Nun fällt ihr nur noch das Schwimmbad ein, da ist er im vergangenen Jahr lange gewesen. Jeden Samstag und Sonntag hat sie dort mit ihren Spielkameraden im Planschbecken und auf der Rutsche getobt. Dienstags und Donnerstags ist Schwimmkurs gewesen. Susi hatte sogar das Seepferdchen geschafft. Nach dem Schwimmen gab es als Belohnung immer Würstchen und Pommes frites. Das war köstlich. Auch super Tischtennisplatten gab es dort. Zwar konnte sie noch nicht spielen, aber es war sehr spaßig, dort ganz schnell hoch zu klettern und wieder runter zu springen. Am lustigsten war das, wenn die Großen gerade einen Ball schlagen wollten und man alles durcheinander gebracht hatte. Dann schrien sie nämlich wild und spielten Fangen mit ihr, kriegten sie aber nie.

All diese Gedanken schweben durch Susis Kopf, während sie aus der Stadt hinaus läuft, durch Felder und Wiesen dem Schwimmbad entgegen. Langsam kommt es ihr schon komisch vor, dass sich auf dem Weg nicht ein einziger Sonnenstrahl zeigt. Da stimmt was nicht. Irgendwo muss doch der Anfang sein von ihrem Sommer. Die schlimme Ahnung wird zur Gewissheit. Nirgends auch nur ein Zipfel vom Sommer zu sehen. Susi setzt sich erschöpft unter einen Baum, sie ist jetzt wirklich traurig. Was hat das zu bedeuten? Sollte er vielleicht gar nicht kommen? Die Füße schmerzen, Susi friert außen in den klitschnassen Kleidern und innen drin von der Enttäuschung. Sooo müde ist sie. Hoffentlich schafft sie noch den Weg nach Hause. Mühsam steht sie auf und macht sich auf den Heimweg.

In Susis Straße herrscht helle Aufregung, als sie später total durchnässt wieder erscheint.. Die Eltern haben schon überall nach ihr gesucht. Sie haben sich solche Sorgen gemacht, Mama hat sogar geweint. Warum sie weggelaufen ist? Aber das ist sie doch gar nicht! Sie wollte nur den Sommer suchen. Papa und Mama sehen sich erleichtert an und wollen auch gar nicht mehr schimpfen. Als sie ihr dann noch versprechen, alle zusammen nach Spanien zu fliegen, weil dort der Sommer fast zu Hause ist, hat Susi alle Sorgen vergessen.

Von diesem Erlebnis bleibt höchstens ein Schnupfen zurück.

 

7 Gedanken zu “Passend zum Wetter

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