Störfeuer

Ich habe ein Störfeuer in meinem Kopf, das mich massiv im Schreiben einschränkt. Szenen z. B., in denen meine Hauptfigur Lena Hoffnung schöpft oder etwas Angenehmes erlebt, werden jäh unterbrochen:

Hoffnung in dieser kranken Welt? Sieh dich um, was alles geschehen ist in den vergangenen Wochen. Worauf läuft das hinaus? Was für eine Zukunft werden meine Kinder und Enkel haben? Wie kann das alles gestoppt werden? Worin liegt meine Verantwortung?

Nach der Zerstörung unserer Lebensräume gibt es wohl kaum eine zweite Chance. Langfristiges Denken ist scheinbar kurzfristiger Profitmaximierung zum Opfer gefallen. Anschläge häufen sich zurzeit. Das wird auch wieder ruhiger werden, aber die Ursachen bleiben. Ich habe übrigens weniger Angst vor einem Anschlag als vor den Folgen, dem Nutzen, den Einzelne daraus ziehen. Diese Tatsache wiederum weckt noch mehr Zweifel in mir.

Es gab eine Zeit ohne Attentäter – nach der RAF. Die heutigen Attentäter rufen: Das ist für Libyen! Das ist für Syrien! Das ist für Afghanistan! usw.. Was ist der logische Schluss? Dort geschieht Unerhörtes, das beendet werden muss.

Was sind die öffentlichen, politischen Schlüsse? Aufgabe der Persönlichkeitsrechte, Aufrüstung, totale Überwachung – völlig unwidersprochen von den meisten.  Das macht meinen Kopf irre. Bin ich verrückt, liege ich so falsch, habe meine Fähigkeit zum klaren Denken verloren?

Nur zur Klarstellung. Ich spreche von Maßnahmen, die auf Langfristigkeit ausgerichtet sind, auf Heilung und nicht das Herumdoktern an Symptomen. Kurzfristig – allerdings ohne Änderung von Gesetzen oder gar Grundgesetzen – muss es mehr Kontrollen geben, mehr Polizei. Das stelle ich nicht infrage. Wenn allerdings die höchsten Stellen nicht mal ihren einfachsten Pflichten  nachkommen, Informationen verheimlichen, rechtlich legale Maßnahmen nicht in die Wege leiten, hilft das wenig und alles kann man nicht verhindern.

 

 

 

3 Gedanken zu “Störfeuer

  1. Beide Kommentare bestätigen, dass Gewalt immer nur Gegengewalt erzeugt, diese also an der Wurzel gepackt werden muss. Solange Geld und Profitmaximierung als oberster Wert von einer Mehrheit anerkannt oder unwidersprochen hingenommen wird, kann es kein Ende der Kriege geben, die schließlich im Grunde aus Profitgier geführt werden. Alle anderen „kommunizierten“ Gründe sind Augenwischerei und sollen Zustimmung generieren.
    Und ja, Bildung – nicht nur für die Wirtschaft – auch mit ethischen und philosophischen Inhalten an Schulen und Universitäten ist überaus wichtig.

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  2. Gewalt erzeugt Gewalt. Das sollte jeder normal denkende Mensch wissen. Frieden in der Welt kann man nicht mit Gewalt oder gar mit Waffen gegen wen auch immer erreichen. Die Rüstungsindustrie in Deutschland und der Welt klatscht sich vor Freude über das boomende Geschäft in die Hände, die dort Arbeitenden mit Sicherheit auch, sind sie doch froh, gesicherte Arbeitsplätze zu haben.
    Angst macht sie Menschen manipulierbar. Ganz klar also, dass jeder noch so kleine Terrorverdacht von den Medien ausgeschlachtet wird.
    Das einzige, was wirklich helfen kann ist Bildung und nochmals Bildung. Natürlich müssen auch die Fluchtursachen vor allem in Afrika bekämpft werden. Wie kann es sein, dass hier die Milch weggeschüttet wird, weil es zu viel davon gibt und anderswo Menschen in Massen an Hunger sterben?
    Oder wie kann es sein, dass mit Billigfleisch, das hierzulande vielleicht nur noch im Katzenfutter landen dürfte, in Afrika Geflügelproduzenten ihre Ware nicht mehr los werden, weil die Billigprodukte den heimischen Markt überschwemmen.
    Aber so lange es immer nur um Profit und wider nur Profit bei den kleinen und großen Konzernen geht, wird der Frieden in der Welt nicht zu erreichen sein, also auch der Terror in der Welt nicht enden. Das ist leider so.

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  3. Kurzfristig muss es sicher andere Maßnahmen geben als langfristig.
    Für die kurzfristigen wird schon einiges getan.
    Ich erinnere mich an die „Unbeholfenheit“ der Sicherheitskräfte in den 70ern und 80ern, seither hat sich viel, sehr viel verbessert.
    Es werden tausende von geplanten Anschlägen schon im Vorfeld erkannt und verhindert, so dass wir hier sicherer denn je leben.

    Leider führt das mediale Ausschlachten bei den meisten dazu, nur noch Angst zu haben und sich einzureden, es gäbe viel mehr Anschläge als früher, das stimmt nicht, aber man kriegt es nicht aus den Köpfen der Menschen raus.

    Schau mal hier die Auflistung an…ich erinnere mich an die Angst von damals.
    http://www.watson.ch/Wissen/Schweiz/982459207-Die-vergessenen-Jahre-des-Terrors–In-den-70ern-und-80ern-zogen-Terroristen-eine-Blutspur-durch-Europa

    Langfristig muß man bei den Kindern, den ganz kleinen Kindern anfangen, das MÜSSTE oberste Priorität haben. Wie soll ein Kind, das mit Gewalt in der Familie aufwächst, lernen, dass Gewalt keine Lösung ist?

    So schlimm es sich anhört, aber Erziehung darf KEINE Privatsache sein, im Interesse der Kinder und für unsere Zukunft, die eine friedliche und gewaltfreie sein soll.

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