Eckhard wünscht sich einen Esel

Hier eine weitere Kindergeschichte zum Wochenende und dem herrlichen Wetter. Wie mir das Herz schon am frühen Morgen hüpft und Freude sich ausbreitet, wenn warm die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint.

Eckhard wünscht sich einen Esel

Eckhard wurde von allen Erwachsenen immer nur Ecki genannt. Das ärgerte ihn sehr, weil er sich deshalb stets so klein fühlte. Manches Mal dachte er, mit dem Namen könne man ja nie erwachsen werden. War es denn nicht schon schlimm genug, dass er für ewig in der Familie der Jüngste blieb, weil nach ihm einfach kein Kind mehr kommen wollte? Er hatte noch drei ältere Schwestern. Sie alle hatten richtige Namen, die sich groß und vernünftig anhörten: Eva, Emily und Ella. Auch für sie war er nur der Ecki. Ganz egal, wie oft er sich auch dagegen wehrte, es änderte sich nichts. Das machte ihn ganz schön trotzig, umso mehr, je älter er wurde. Wenn er dann mal richtige Zornausbrüche deswegen hatte, nahm ihn keiner ernst, alle fanden es nur „drollig“ oder „niedlich“
Noch etwas anderes störte ihn entsetzlich. Jede der Schwestern hatte ein eigenes Pferd und er sollte oft mit ihnen zum Stall gehen, was Eckhard aber gar nicht gefiel. „Bald wirst du auch dein eigenes Pferd bekommen, wir reiten doch alle gerne. Das kommt bei dir auch noch.“ Nein, das würde bei ihm nicht kommen! Denn er wünschte sich kein Pferd, Eckhard wünschte sich einen Esel. Da konnten sie lachen und spotten, er mochte eben keine Pferde, jedenfalls nicht so sehr wie er Esel mochte. Viel zu nervös und schreckhaft waren ihm diese Riesentiere. Man musste ja ständig aufpassen, dass man nicht von hinten an sie heran ging, nicht zu laut war und um Himmels Willen keine plötzlichen Bewegungen machte. Mensch, war das anstrengend! Bevor man mit ihnen irgendetwas anfangen konnte, mussten erst alle möglichen Dinge vorsichtig um sie herum und oben drauf geschnallt werden. Nach dem Reiten konnte man nicht einfach nach Hause gehen. Von wegen – erst wieder alles abschnallen, ordnen, die Tiere abreiben, die Hufe hochheben und auch noch sauber machen.
Mit einem Esel war das doch alles viel einfacher. Der kriegte zu fressen und zu trinken, danach konnte man mit ihm herumtoben und reiten ging ja auch. Esel hatten so freundliche, lustige Augen und sahen einen nicht so streng von oben herunter an, als ob man immer nur alles falsch machte.
In den Ferien auf einem Bauernhof an der Nordsee hatte Eckhard einen Esel mit Namen Emil kennen gelernt, der ihm gleich gefallen hatte. Genau so einen wünschte er sich. Am meisten bewunderte er, dass Emil, wenn der Bauer einen Befehl gab, erst einmal überlegte, ob er das auch selber so wollte. Entweder machte er es dann oder eben nicht. Mit so einem Tier würde er sich bestens verstehen und viel Spaß haben, das wusste er.
Bald war ja sein Geburtstag. Eckhard würde die Eltern schon davon überzeugen, dass er ein „Eseltyp“ sei und kein „Pferdetyp“. Außerdem war direkt neben dem Haus der Gemüsegarten mit großer Wiese. Die konnte man abtrennen, das wäre viel billiger als eine Pferdebox. In vollem Vertrauen auf seine Überredungskünste sah Eckhard diesem Gespräch gelassen entgegen. Das musste einfach klappen, er wünschte sich ja nichts anderes. Na ja, höchstens ein paar Legosteine vielleicht. Und wenn alles gut lief, würde es ihm in dieser Lage endlich einmal etwas nützen, dass er Ecki, der Kleinste war.

2 Gedanken zu “Eckhard wünscht sich einen Esel

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